Verursacher schweigt weiter

Ein Jahr nach Explosion: So gedenkt die BASF der 5 Toten

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Die gewaltige Explosion bei der Ludwigshafener BASF am 17. Oktober 2016.

Ludwigshafen – Ein Unglück schockiert die Chemie-Stadt bis heute – die Explosion bei der BASF im Landeshafen Nord! Jetzt jährt sich das Unglück mit fünf Toten zum ersten Mal:

Er ist für alle Zeiten ein schwarzer Tag für Chemie-Riese BASF und in der Geschichte Ludwigshafens – der 17. Oktober 2016...

Am Dienstag jährt sich erstmals die verheerende Explosion im Landeshafen Nord mit fünf Toten und 28 teils Schwerverletzten. 

Zwei Einsatzkräfte der Werkfeuerwehr waren sofort tot, ein zunächst vermisster Matrose eines Tankschiffs wird zwei Tage später aus dem Rheinbecken geborgen und ein dritter Feuerwehrmann erliegt am 29. Oktober seinen schweren Verletzungen. Ein weiteres Todesopfer ist schließlich rund elf Monate danach zu beklagen: Anfang September 2017 hat ein vierter Feuerwehrmann den Überlebenskampf in einer Klinik verloren. Drei Kollegen sind bis heute arbeitsunfähig.

Gleich mehrere Gedenkveranstaltungen (Teilnahme nur mit Einladung!) erinnern deshalb am Jahrestag an das schreckliche Unglück:

Den Auftakt bildet um 7 Uhr eine Gedenkfeier ausschließlich für Mitarbeiter der Werksfeuerwehr. Auf dem Gelände der Feuerwache Nord der BASF werden dann um 11:15 Uhr in Anwesenheit von Wehrleuten, von durch die Explosion Verletzten und Angehörigen der Opfer vier Stelen eingeweiht. Auch andere Einsatzkräfte und BASF-Offizielle sind dabei.

Um 17 Uhr dann sprechen unter anderem Vorstandschef Dr. Kurt Bock (59) und Betriebsratschef Sinischa Horvat im Konferenzzentrum D105 zu Angehörigen, Feuerwehrleuten und auch Vertretern von Politik, Behörden und aus der Nachbarschaft.

Explosion erschüttert BASF-Gelände

Laut BASF habe man nach unzähligen Analysen und Untersuchungen aus dem Unglück seine Lehren gezogen: So soll eine verbesserte Kennzeichnungsmethode das Risiko von solch folgenschweren Verwechslungen bei Arbeiten an Rohrleitungen minimieren.

Auch dürfen bei Schneidearbeiten nur noch funkenarme Werkzeuge eingesetzt werden, überirdische Leitungen werden mit einer feuerbeständigen Beschichtung versehen. Beide Maßnahmen sollen das Risiko von Explosionen verringern.

Zudem prüft die BASF laut Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) bei der Vergabe von Aufträgen an Fremdfirmen inzwischen gründlicher deren Qualifizierung bezüglich der Anforderungen.

Rückblick

Ein Jahr danach scheint zwar klar, was passiert ist, aber nicht genau warum! 

Vier Tage sind Spezialisten einer Fremdfirma für Rohrleitungsbau am 17. Oktober 2016 bereits in dem rund 20 Meter breiten Rohrgraben zugange – darin 38 Leitungen für Dampf, Brunnen- und Abwasser sowie für brennbare Chemikalien.

Die Männer sollen im Auftrag der BASF bei einer „Propylen flüssig 95%“-Leitung ein Element zum Spannungsausgleich namens „Dehnungsbogen“ ausbauen und ersetzen.

Fakt ist: Durch einen individuellen Fehler löste ein Mitarbeiter um 11:26 Uhr das Inferno aus, als er mit einem Trennschleifer eine falsche, nicht entleerte Rohrleitungstrasse 20 Zentimeter rechts neben dem zu sanierenden Rohr anschneidet.

Der rund 15 Zentimeter lange Schnitt in die acht Millimeter dicke Leitung mit „Raffinat I+II“ sei ein so exakt getätigter Schnitt gewesen, dass ein Versehen ausgeschlossen wird. Inhalt: ein brennbares Buten-Gemisch, das vermutlich durch Funken entzündet wird.

Vergeblich kämpfen die Männer mit Handlöschern gegen die Flammen. Als die nach drei Minuten dazugeeilten Feuerwehrmänner gerade einen Wasserwerfer aufbauen, um die anderen Rohre zu kühlen, kommt es zu der riesigen Explosion – vermutlich in einer Ethylen-Ferngasleitung.

Deren schweres Stahlrohr wirbelt mit enormer Wucht in Richtung Hafen, wo sich die Feuerwehrmänner aufgestellt haben. Die Explosion führt letztendlich zu massiven Folgebränden bei dem auch Dutzende Autos zerstört werden. Insgesamt ensteht ein Sachschaden in Höhe von rund 100 Millionen Euro!

Erste Fotos direkt von der Unglücksstelle

Aufgrund der kilometerweit sichtbaren Rauchsäule und der Unklarheit über möglicherweise freigesetzte Giftstoffe musste die Bevölkerung Fenster und Türen geschlossen halten.

Der mutmaßliche Verursacher, der selbst schwer verletzt wurde, schweigt nach wie vor zu den Vorfällen. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal ermittelt weiter, wartet laut Oberstaatanwalt Hubert Ströber aber noch immer auf mehrere wichtige Gutachten – damit will man andere Ursachen ausschließen.

Ausgerechnet jener Sachverständige muss aber zunächst noch ein weiteres, längst erwartetes Gutachten – zur  Gas-Explosion mit zwei Toten am 23. Oktober 2014 in Oppau - erstellen.

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dpa/pek

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