„Germany's Ugliest City-Tour“

Verfallen und verlassen: DAS sind die hässlichsten Plätze in Ludwigshafen!

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Bei der ‚Germanys ugliest City-Tour‘ werden die häßlichsten Seiten von Ludwigshafen gezeigt.

Ludwigshafen - Im April wird Ludwigshafen von ‚Extra3‘ zur hässlichsten Stadt Deutschlands gekürt. Die Stadt reagiert augenzwinkernd und bietet eine spezielle Stadtführung an:

Es ist Donnerstag (14. Juni) um kurz vor 18 Uhr. Auf dem Danziger Platz in Ludwigshafen hat sich eine beachtliche Menschenmenge versammelt, um bei „Germany’s Ugliest City Tour“ dabei zu sein. Der Stadtführer, Helmut van der Buchholz, erklärt sich das große Interesse der Menschen mit einer „Freude an der Katastrophe“, die den Menschen heute zu eigen sei. Er ist Bildhauer, Städtebauer und Architekt und kennt die Stadt sehr gut.

Etwa 100 Teilnehmer sind bei der Stadtführung dabei. Sie ist die Antwort von Ludwigshafen auf die Auszeichnung zur ‚Hässlichsten Stadt Deutschlands‘ durch die Satiresendung ‚Extra3‘. So erklärt es auf jeden Fall Fabian Burstein, der Leiter des Ludwigshafener Kulturbüros. 

Der Stadtführer, Helmut van der Buchholz, erklärt sich das große Interesse der Menschen mit einer „ Freude an der Katastrophe“, die den Menschen heute zu eigen sei.

Man kann sich über diese Auszeichnung ärgern oder darauf mit stolz reagieren – Ludwigshafen macht letzteres! Burstein freut sich sehr über die rege Teilnahme und darüber, dass jetzt eine „Riesengruppe durch die Stadt marodiert“. 

Ludwigshafen verzichtet auf Hochglanzfassade

Der Startpunkt der Führung ist bereits das erste Highlight: Der Danziger Platz wird auf der einen Seite dominiert von einem Brunnen aus der NS-Zeit, der nicht mehr gepflegt wird. Wasser fließt keins mehr und Pflanzen wuchern über dem Bauwerk. 

Der Brunnen am Danziger Platz stammt aus der NS-Zeit.

Von hier aus blickt man auf einen künstlichen Hügel. Dieser sei für die U-Bahn Station errichtet worden, berichtet der Stadtführer. Eine U-Bahn, die nicht mehr fahre, fügt er ernüchternd hinzu.


Auch der Bürgerhof kommt in der Führung nicht positiv davon. Drei Gaststätten gebe es hier, berichtet der Leiter der Führung. Dazwischen gibt es nichts, außer einem verwaisten und leeren Platz – attraktiv ist anders. 

Ludwigsplatz ist gar nicht so hässlich

Als die Gruppe am nördlichen Ludwigsplatz ankommt, erklärt der kundige Stadtführer, dass hier der älteste Baum der Stadt wächst. Die hier stehenden Bänke laden aber nicht so richtig zum Verweilen ein, da die Straßenbahn an dieser Stelle durchfährt und alle fünf Minuten ein nerviges Bremsgeräusch mache.

Insgesamt hat man das Gefühl, dass in „Lu“ oft neue Projekte angestoßen werden, bevor alte fertig gestellt werden. So geht es beispielsweise durch eine verlassene Passage unweit der Rhein-Galerie, in der früher einmal Geschäfte waren – heute steht sie leer und verfällt.  

Auf der Suche nach den hässlichsten Plätzen Ludwigshafens.

Andernorts, am Berliner Platz, soll ein 67 Meter hohes „Metropol“- Kaufhaus entstehen. Angeblich seien alle Einheiten des Projekts bereits verkauft, so erzählt van der Buchholz mit zweifelndem Blick. 

LU-Fotos verhüllen ‚Tortenschachtel‘-Schutt

Noch passiert am Berliner Platz aber gar nichts und die Leute blicken schon seit drei Jahren auf einen kargen, mit Mauern abgeschirmten Platz mit Bauschutt.

Ob hier jemals ein Kaufhaus entstehen wird?

Ludwigshafens ganz eigenes Parkplatzproblem

Im Lauf der Tour führt van der Buchholz die Gruppe an vielen Parkplätzen vorbei. Anders als in Mannheim scheint es hier nicht zu wenige, sondern sogar zu viele zu geben. Die Plätze liegen aber oft am falschen Ort! So führen die Parkgelegenheiten am Rathaus beispielsweise dazu, dass extra angelegte Fußwege in die Innenstadt nicht genutzt werden – weil das Auto einfach bequemer ist.

Die Teilnehmer werden auch auf die oberste Ebene eines Parkhauses geführt, dessen Parkfläche verfällt. Die ersten beiden Etagen des Hauses werden zwar genutzt, den beiden darüber fehle aber die Auslastung. 

Die Parkfläche in diesem Parkhaus vegetiert vor sich hin.

Stadtführung bekommt sehr positives Feedback

Wie sich an einer Umfrage am Ende der Tour zeigt, besteht die Gruppe vor allem aus Teilnehmern aus Ludwigshafen und Mannheim. Aber auch aus anderen Orten in der Umgebung haben Interessierte den Weg zu nach Ludwigshafen gefunden.

So freut sich Helene (63) aus Mutterstadt darüber, Ludwigshafen aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Sie findet die Führung sehr originell. Dimitri aus Frankenthal gefällt vor allem die Ironie des Stadtführers. Für die Mannheimer unter den Teilnehmern scheint ihr Bild von der Nachbarstadt bestätigt. 

In diese Pfütze möchte man lieber nicht reintreten.

Wir haben nichts anderes erwartet“, sagt die Mannheimerin Katharina (26) gleichgültig. Yichen (36) kommt ebenfalls aus der Nachbarstadt und findet die Führung sehr interessant. Sie meint, dass der Stadtführer sich wirklich hässliche Orte ausgesucht habe, es aber auch sehr schöne Plätze in Ludwigshafen gäbe. 

Wer diese Führung verpasst hat, der kann am 28.06 eine Führung für Radfahrer mitmachen. Gestartet wird diesmal um 19:00 Uhr am Friedrich-Wilhelm-Wagner-Platz.

til

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