Keine Zivilcourage – Polizei sucht Täter

An Unterführung begrapscht: Junge Frauen rufen um Hilfe – doch niemand reagiert 

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Am Bahnhof Ludwigshafen-Mitte werden die Frauen Opfer von sexueller Gewalt. (Symbolbild) 

Ludwigshafen - Sie wollen Abends von einer Feier nach Hause gehen. Als zwei Frauen sich ein Ticket ziehen, werden sie sexuell belästigt und begrapscht. Doch als sie schreien – reagiert niemand.

Mit der „#meetoo“-Bewegung rufen Frauen in den sozialen Netzwerken dazu auf, sich sexuelle Gewalt nicht länger gefallen zu lassen und selbst etwas zu unternehmen. Der Aufruf wird weltweit verbreitet und viele Frauen outen sich, selbst Opfer gewesen zu sein.

In Ludwigshafen passiert genau das: Zwei junge Frauen werden am frühen Sonntagmorgen (2. Juni) am Bahnhof in Ludwigshafen-Mitte Opfer von sexueller Gewalt. Ein Perverser begrapscht beide Frauen. Sie sind total schockiert und rufen um Hilfe. Doch niemand kommt. Dann machen sie Jagd auf den Täter – doch er entkommt!

Jetzt wollen sie neben der Anzeige bei der Polizei einen Aufruf in eigener Sache machen. Sie melden sich bei LUDWIGSHAFEN24, mit der Bitte um Mithilfe.

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An der Unterführung Bahnhof-Mitte: Zwei junge Frauen sexuell belästigt 

Es geschieht am frühen Sonntagmorgen um 4:40 Uhr. Gerade sind die beiden 17 und 19 Jahre alten Teenager aus dem Musikpark gekommen. Den nächsten Zug nach Karlsruhe haben sie verpasst, also gehen sie noch einmal zu einer Imbiss-Bude und holen sich einen Döner. Schon dort werden sie von einem jungen Mann unverschämt angestarrt.

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Als sie die Rolltreppe zur Bahnstation, der Unterführung am Berliner Platz, herunterfahren, merken sie dann, dass sie verfolgt werden. Zuerst denken sie sich nichts, sagen dem jungen Mann sogar, dass um die Ecke ein weiterer Ticketautomat stehe. Eine der Frauen stammt aus Ludwigshafen, sie kennt sich aus und fühlt sich hier zu Hause.

Junge Frauen schreien laut: Passanten leisten keine Hilfe 

Dann geschieht das Schockierende: Aus dem Augenwinkel sieht die Ältere, dass sich der Täter in den Schritt fasst und sein Glied massiert. Doch nicht genug: Dann wird er auch noch übergriffig und fasst zuerst die 17-Jährige am Arm an. Beide sagen ihm: „Lass das!“ Nur fünf Sekunden später greift er dann der Älteren an den Busen und reißt sie an sich. Als beide laut schreien, lässt er von ihnen ab und flüchtet.

Die beiden Teenager rufen jetzt gemeinsam laut um Hilfe. Eine Gruppe von etwa sechs Jugendlichen, darunter Jungen und Mädchen, steht nicht weit entfernt. Doch was jetzt passiert ist ebenfalls schrecklich: Die Gruppe reagiert gar nicht. „Wenn eine Schlägerei ist, kommen sie alle angelaufen“, beschwert sich die 19-Jährige. „Aber bei sexueller Belästigung rührt sich keiner!“

Dann rennen die Frauen dem Täter erst in Richtung Einkaufszentrum Walzmühle hinterher – doch sie können ihn nicht einholen. Sie laufen zum Berliner Platz zurück.

Die herbeigerufene Polizeistreife kommt erst 20 Minuten später. Da ist der Täter natürlich längst über alle Berge. Aber was ganz wichtig ist: Die jungen Frauen haben Anzeige erstattet.

Beide jungen Frauen sind Angestellte bei der Bundeswehr im Sanitätsdienst. Sie haben vor, für sich selbst bald einen Termin bei einer psychologischen Beratung zu vereinbaren, um über dieses schockierende Erlebnis hinwegzukommen.

Perverser begrapscht Frauen in Ludwigshafen: So sieht der Täter aus 

  • zwischen 25 und 30 Jahre alt
  • circa 1,70 Meter groß
  • kurze, schwarze Haare
  • laut Angaben der Frauen auffallend schmales Gesicht mit „hängendem Kinn“ und braune Augen
  • bekleidet mit dunkler Jeans und dunkelgrauem Pullover

Das Polizeikommissariat „K2“, verantwortlich für Gewaltverbrechen gegen Frauen und Kinder, bearbeitet die Anzeige und wird die Suche nach dem Täter weiterverfolgen. 

Augenzeugen können sich bei der Kriminalpolizei Ludwigshafen melden unter ☎ 0621/9632773 oder per E-Mail unter kiludwigshafen@polizei.rlp.de.

Seit 2016 gelten beim „Domplatten-Paragrafen" verschärfte Strafen:

Seit den zahlreichen Übergriffen auf der Kölner Domplatte 2015/16 gilt ein geändertes Strafrecht. Aus den 1.000 Anzeigen kommt es zwar nur zu 36 Verurteilungen, der neu geschaffene § 184i StGB stellt die sexuelle Belästigung aber seit dem 10. November 2016 unter zum Teil erhebliche Strafen.

  1. Wer eine andere Person in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Diese greift aber nur, wenn der Täter nicht schon anderweitig straffällig geworden ist und dabei eine höhere Strafe zu erwarten hat.
  2. In besonders schweren Fällen gibt es eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn die Tat von mehreren Personen gemeinschaftlich begangen wird. 
  3. Jedoch wird die Straftat nur auf Antrag verfolgt. Das bedeutet, dass die betroffene Person, die belästigt wurde, das Ganze selbst anzeigen muss, damit es strafrechtlich verfolgt wird. Sonst geschieht nichts. Sie muss also über den Vorfall berichten, was nicht immer angenehm ist. Im Zweifelsfall, wenn es keine Zeugen oder körperlichen Spuren des Übergriffs gibt, steht Aussage gegen Aussage. Das kann das Opfer im ersten Moment überfordern und dazu bringen, von einer Anzeige abzusehen.

Sexuelle Belästigung in Ludwigshafen: Zweiter Fall innerhalb weniger Tage 

Ein schwerer Fall von sexueller Belästigung ist erst am 25. Mai fast genau an derselben Stelle einer 20-Jährigen passiert. Dabei handelt es sich sogar um zwei Täter. Auch sie entkommen.

Wie sicher der Brennpunkt Berliner Platz im Moment ist, kannst Du in einer erst kürzlichen Begehung nachlesen.

Weitere Fälle von sexueller Belästigung in der Region

Die Polizei Heidelberg erhofft sich Hinweise zu einem rund 50 Jahre alten Mann, der am Montag mindestens zwei Mal sein Unwesen in Heidelberg getrieben hat. Dort soll der Mann ein Mädchen (14) und eine Schwangere sexuell belästigt haben.

Auch in der Altstadt ermittelt die Polizei wegen eines weiteren Sexualdelikts - zwei Täter haben am Wochenende (10. August) eine junge Frau sexuell belästigt und brutal geschlagen.

Eine junge Frau wird am Sonntagabend (11. August) in Eppelheim ebenfalls Opfer eines sexuellen Übergriffs - der Täter flüchtet auf dem Fahrrad.

pol/kpo

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