Traumjob Glühwein-Tester?

Glühwein auf Weihnachtsmärkten richtig hart rangenommen

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Stefan Scherrer (li.) und Karl-Josef Leibig unterhalten sich auf dem Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen über eine Glühweinprobe.

Ludwigshafen - Glüweinwirte kommen ins Schwitzen: Das Traditionsgetränk wird auf Weihnachtsmärkten in der Pfalz von Glühwein-Testern unter die Lupe genommen! 

Sie schwenken Porzellantassen, schlürfen und schmecken den heißen Glühwein. Dann schauen die beiden Männer nachdenklich in den Himmel über Ludwigshafen. Der Blick in die Gesichter von Karl-Josef Leibig und Stefan Scherrer verrät eine Menge über die Qualität des beliebten Getränks. 

Für viele ist es wohl ein Traumjob: Leibig und Scherrer sind Glühwein-Tester. Es ist die Aufgabe der beiden erfahrenen Kontrolleure, den angebotenen Glühwein auf dem Weihnachtmarkt der Stadt zu testen. 

In Rheinland-Pfalz prüfen insgesamt 125 Lebensmittelkontrolleure und 21 Weinkontrolleure die Lebensmittel auf den Weihnachtsmärkten.

Kontrollen an allen Weihnachtsmärkten in der Pfalz

„Grundsätzlich kann jeder Wirt den Glühwein würzen, wie er möchte. Wichtig ist es aus unserer Sicht aber, dass Ausgangsstoffe gekennzeichnet und einwandfrei sind“, sagt Leibig, der bei der Stadt Ludwigshafen als Lebensmittelkontrolleur arbeitet. 

Ebenso sei es wichtig, dass das Traditionsgetränk korrekt erhitzt worden sei. Ein Wirt aus Bad Dürkheim beobachtet zufrieden aus seiner weihnachtlich verzierten Bretterbude heraus, wie Weinkontrolleur Scherrer vom Institut für Lebensmittelchemie Speyer des Landesuntersuchungsamtes erst kostet, dann anerkennend mit dem Kopf nickt. 

Auch Leibig sieht zufrieden aus. Der Umgang zwischen Kontrolleuren und Kontrollierten ist höflich, die Zusammenarbeit ist sachlich und routiniert. Egal, ob Glühwein von Händlern oder Vereinsmitgliedern ausgeschenkt wird - Mitwirkungspflicht bestehe für alle Anbieter, sagt Leibig. 

Das Ohr schmeckt mit

Bei den Stichproben der Kontrolleure auf den Märkten handelt es sich um „organoleptische Prüfungen“, wie der 62 Jahre alte Stefan Scherrer sagt. 

Das bedeutet, es wird vor allem durch die Sinnesorgane festgestellt, ob ein Glühwein in Ordnung ist. Neben Geschmacksnerven spielt auch der Geruchssinn und sogar das Gehör eine große Rolle bei den Weinproben in Ludwigshafen. 

„Wenn etwas in Gärung ist, kann man ein Knistern in dem Kanister hören“, sagt Scherrer. So achten die Männer bei ihren Proben auf eine Vielzahl von Eindrücken. Beispielsweise auch auf einen bestimmten „Karamelton“ im Gaumen, der überhitzten und verkochten Glühwein kennzeichnet. 

Karl-Josef Leibig riecht an einem Becher mit einer Glühweinprobe.

Auch ein Wein mit „Luftton“ spricht nicht für hohe Qualität. Das nämlich würde bedeuten, dass der Wein schon vor der Zubereitung zum Glühwein nicht in Ordnung war.

Manchmal schmeckt der Ausgangswein wegen eines Bakterienbefalls schlecht. Weil das Aroma dann Ähnlichkeit mit dem Geruch von Räumen hat, in dem sich Mäuse aufhalten, spreche man in diesem Zusammenhang von „mäuseln“. 

Nicken sich beide Männer zu, ist alles in Ordnung. Verzieht einer das Gesicht, bedeutet das nichts Gutes für Glühweinwirte. 

Immer weniger „schwarze Schafe“

Anders als in vergangenen Jahren gibt es aber immer weniger zu beanstanden, sagt Leibig.

Für die Qualität des Getränks sei eine konstante Erhitzung - empfohlen werden 63 bis 70 Grad - entscheidend. Das bedeutet nicht, dass jeder Glühwein den Kriterien standhält. 

An einem der Stände schmeckt das Getränk seltsam, „so als wäre etwas mit dem Ausgangsprodukt schräg“, wie Scherrer sagt. Auch Leibig blickt irritiert auf den Boden seiner Tasse. 

Schließlich entnehmen die Kontrolleure Proben aus Kanistern, aus denen der Rotwein für das Traditionsgetränk stammt. Ein Etikett klebt auch nicht auf den Behältern, was die Lebensmittelkontrolleure bemängeln. 

Die Proben werden zu einer weiteren Sinnesprüfung im Institut für Lebensmittelchemie und für eine analytische Untersuchungen im Institut für Lebensmittelchemie und Arzneimittelkunde des Landesuntersuchungsamtes in Mainz mitgenommen. 

Sollte sich der Verdacht einer Ordnungswidrigkeit oder Straftat erhärten, wird die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier informiert. 

Leibig hat Verständnis, wenn Glühweinwirte nicht begeistert sind: „Wir kommen unangekündigt, stören den Betrieb und haben manchmal etwas auszusetzen. Was will man da erwarten“, sagt er. Aber der Kunde habe eben auch ein Recht auf „ordnungsgemäße Ware“.

jab/dpa

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