Größte Evakuierung seit 20 Jahren

Bombenfund in Ludwigshafen: Es wird wohl nicht der letzte sein!

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Es wird wohl nicht die letzte Bombe sein, die in Ludwigshafen entschärft werden muss.

Ludwigshafen - Der Sonntag verläuft alles andere als gewöhnlich: Während der Entschärfung einer Weltkriegsbombe müssen viele Menschen evakuiert werden. Doch es wird wohl nicht die letzte Sein.

Nach einem Bombenfund in der Brechlochstraße am Mittwoch (22. August) haben Experten den 500 Kilogramm schweren Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich unschädlich gemacht! 

Die Weltkriegsbombe ist erfolgreich entschärft.

Der Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz nannte die US-amerikanische Fliegerbombe eine „harte Nuss“„Der Kopfzünder war stark deformiert“, sagte Sprecher Frank Bender am Sonntag (26. August). Für die heikle Entschärfung muss die Stadt rund 18.500 Menschen evakuieren. Es war die größte Evakuierung in Ludwigshafen seit 20 Jahren. 1997 mussten rund 26.000 Bewohner ihre Häuser wegen einer Luftmine im Stadtteil Rheingönheim zeitweise verlassen! 

500-Kilo-Weltkriegsbombe in Friesenheim: Evakuierung und Entschärfung!

Uneinsichtige wollen Wohnungen nicht verlassen

Unverständnis äußern die Behörden über Uneinsichtige, die das Sperrgebiet rund einen Kilometer um die Bombe trotz intensiver Appelle nicht verlassen wollen: „Wir mussten mehrere Platzverweise aussprechen“, sagt Feuerwehrdezernent Dieter Feid. Es sei absurd, wenn sich Menschen in ihrer Wohnung nahezu verbarrikadieren. „Eine Frau hat uns um Hilfe gebeten, weil ihr Mann sich weigerte, das Haus zu verlassen.“ 

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Der Räumdienst hat mehrfach betont, dass die Entschärfung des Sprengkörpers vom Typ AN-M65 nicht leicht werde. „Die Bombe liegt nur zum Teil frei“, sagte Marco Ofenstein. Das Relikt aus dem Weltkrieg müsse erst stabilisiert werden, bevor einer der sieben angereisten Experten den Heckzünder entfernen könne. 

Der Heckzünder des Relikts aus dem Zweiten Weltkrieg.

Der Räumdienst werde mit großer Behutsamkeit vorgehen: „Wir sind Handwerker und keine Adrenalin-Junkies. Eine solche Arbeit sollte nie zur Routine werden, meinte Ofenstein. Am Ende benötigen die Experten rund eine Stunde. 

Evakuierung ist erhebliche Belastung für Senioren

Während der Evakuierung harren über 500 Menschen in der Friedrich-Ebert-Halle aus, darunter viele Senioren aus zwei evakuierten Pflegeheimen. „Ich habe keinen meiner Bekannten mehr erreicht, als ich von der Räumung erfuhr“, sagt Heinrich Martin (78) auf die Frage, warum er in die Halle gekommen ist. 

Für Senioren ist die Evakuierung eine erhebliche Belastung.

Für die alten Menschen ist es eine erhebliche Belastung“, so Sabine Fuchs (31) vom Arbeiter-Samariter-Bund. In der Ersatzunterkunft geben Helfer Nudeln mit Bolognese-Sauce an die Bürger aus. „Viele fragen „Wann geht's endlich heim?““, sagt Fuchs. 

Während der Evakuierung können die Bürger in der Friedrich-Ebert-Halle Unterschlupf finden.

Die Entschärfung im Stadtteil Friesenheim wirkt sich auch auf das BASF-Werksgelände aus, der Standort in Ludwigshafen ist das größte zusammenhängende Chemieareal der Welt! „Betroffen sind rund 20 Anlagen. Dort läuft die Produktion weiter, aber während der konkreten Entschärfung müssen alle Mitarbeiter dieser Betriebe die Gebäude aufsuchen und dort verbleiben“, sagt ein Konzernsprecher. 

Straßenzüge erinnern an Geisterstadt

Die Evakuierung beginnt um 8 Uhr. Bei Stichproben seien immer wieder Bewohner aufgefallen, die dem Appell nicht Folge leisten, erzählt ein Feuerwehrmann: „Die öffnen auch noch die Tür, wenn man klingelt.“ Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck sagt, die Polizei transportiere niemanden mit Gewalt ab. „Wer nicht raus will, muss das selbst verantworten“, betont sie. 

OB Jutta Steinruck ist während der Evakuierung vor Ort.

Die meisten Bürger haben Verständnis gezeigt. Insgesamt ist die Evakuierung routiniert abgelaufen. Mehr als 350 Helfer sind dafür im Einsatz. Wichtige Verkehrsadern werden gesperrt, Straßenbahnen und Busse fahren eine veränderte Strecke. Auch drei Kirchen im Sperrgebiet sind betroffen - hier fällt der Gottesdienst aus. Einige Straßenzüge wirken mit den verlassenen Häusern und den geschlossenen Rollläden wie Teile einer Geisterstadt

Ganze Straßenzüge sehen erinnern an eine Geisterstadt.

Nicht die letzte Bombe?

Es werde wohl nicht die letzte Bombe sein, wie Entschärfer Ofenstein sagt. Vor allem Industriestädte wie Ludwigshafen waren vor rund 75 Jahren Ziele alliierter Bomberpiloten. 

Sprengstoff-Experte Marco Ofenstein.

Der Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz birgt allein 2017 rund 41 Tonnen Munition - darunter 47 Blindgänger! Der Ludwigshafener Sprengkörper wird zunächst im zentralen Lager des Räumdienstes deponiert und dann in der Lüneburger Heide vernichtet.

jab/dpa

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