Chemie-Waffen des syrischen Diktators Assad 

Tödliche Giftgas-Angriffe: Gelangten BASF-Chemikalien nach Syrien?  

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Stellte die BASF den Grundstoff für Chemie-Waffen in Syrien her? (Symbolbild)  

Trotz der Vernichtung des syrischen Chemiewaffen-Arsenals und der strengen Ausfuhrbeschränkung der Grundstoffe für C-Waffen sterben Menschen an deren Einsatz. Was hat die BASF damit zu tun?    

In Chan Scheichun (Syrien) sterben im Jahr 2017 insgesamt 87 Menschen, darunter 31 Kinder nach einem Giftgasangriff. Laut der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) handelt es sich bei dem in eingesetzten Gas um das Nervengift Sarin. Das Giftgas ist ein besonders heimtückischer Kampfstoff, da er weitestgehend geruchlos ist. Das Gas wird über die Lunge und die Haut aufgenommen und führt in der Folge zum qualvollen Tod. 

Stellte die BASF den Grundstoff für Chemie-Waffen in Syrien her?

Wie die Süddeutsche Zeitung nun berichtet, sollen deutsche Konzerne am Export von waffenfähigen Chemikalien nach Syrien beteiligt gewesen sein. Aus den genannten Chemikalien Diethylamin und Isopropanol kann man neben Medikamenten auch Kampfstoffe wie Sarin herstellen, wie es Assad Regime bereits eingesetzt haben soll. Laut Bericht soll der Chemiegroßhändler Brenntag AG diese Chemikalien bereits im Jahr 2014 über ein Tochterunternehmen in der Schweiz nach Syrien geliefert haben. Hergestellt worden sei das Diethylamin laut Süddeutsche am BASF-Standort Antwerpen in Belgien. 

BASF: Keine Lieferungen nach Syrien

Seit 2012 ist der Export von Diethylamin (DEA) nach Syrien genehmigungspflichtig. Wie die BASF in einem Statement mitteilt, sei die Chemikalie 2014 immer unter den geltenden Rechtsvorgaben geliefert worden. Eine DEA-Lieferung nach Syrien durch die BASF sei nicht erfolgt. „Wir haben zahlreiche Mechanismen, die sicherstellen, dass alle Gesetze und Konventionen strikt eingehalten werden. BASF verurteilt jeden missbräuchlichen Gebrauch ihrer Produkte. Zudem prüfen wir die Vertrauenswürdigkeit unserer Kunden und blockieren bei Verdachtsmomenten jegliche Lieferungen“, so ein Sprecher der BASF in einer Stellungnahme. 

Seit der Aufnahme der Chemikalie DEA in die Dual-Use-Liste Ende 2016 müssten die BASF-Kunden außerdem eine Endverbleinserklärung abgeben, in der Bestimmungsland und Verwendungszweck angegeben werden müssten. Für die Zeit vor November 2016 seien solche Endverbleibserklärungen allerdings noch nicht vorgesehen gewesen. 

BASF: Weitere Nachrichten aus der Region

Mitte Juni sagt BASF-Konzernchef Martin Brudermüller in einem Interview, dass er im laufenden Jahr mit dem Abbau von Stellen rechne. Während Jobs in der Verwaltung wegfallen sollen, ist die gezielte Einstellung von Mitarbeitern in den Bereichen Produktion und Digitalisierung geplant. BASF startete 2018 ein Sparprogramm, mit dem das Unternehmen bis Ende 2021 zwei Milliarden Euro zum operativen Gewinn beisteuern will.

Am 17. Oktober 2016 kommt es auf dem Gelände der BASF zu einer schweren Explosion, bei der fünf Menschen sterben und 44 zum Teil schwer verletzt werden. Seit dem 5. Februar 2019 wird der Fall am Landgericht Frankenthal verhandelt. Dem Angeklagten wird das „Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion“ vorgeworfen. Ein Urteil sollte ursprünglich Ende Juni fallen, wird jetzt aber im August erwartet. 

Im Juli wird bekannt, dass mehrere deutsche Unternehmen, darunter auch die BASF, in den letzten Jahren von Hackern ausgespäht wurden – mutmaßlich aus China. Die Cyber-Attacke sei im Jahr 2015 entdeckt und unterbunden worden, teilt die BASF mit.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die BASF habe Isopropanol produziert. Bei der Chemikalie, die am Standort Antwerpen hergestellt wurde, handelt es sich jedoch um Diethylamin. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen. 

esk/kab

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