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Ludwigshafen: Arbeiten an BASF-Gasleitung laufen – Anwohner haben Angst

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Von: Peter Kiefer

Gas-Explosion am 23. Oktober 2014.
Die verheerende Gas-Explosion in Ludwigshafen-Oppau am 23. Oktober 2014. © Stadt Ludwigshafen/dpa

Ludwigshafen - Rund 7 Jahre nach der schrecklichen Gas-Explosion mit zwei Toten in Oppau wird seit 9. August wieder an der Leitung gearbeitet. Was Anwohnern Angst macht:

Update vom 6. August: Die Baustelle steht quasi, die mit mulmigem Gefühl von den Anwohnern beäugten Arbeiten stehen in den Startlöchern. Somit können die Reparaturen der Firma Gascade an der Hochdruckgasleitung am Montag (9. August) beginnen, wie der SWR berichtet. Die ERM-Leitung verläuft im Erdreich neben einem Schotterweg unterhalb des TV Edigheim und Gehlenweihers. Im ersten Schritt wird an den beiden ersten Tagen die oberste Erdschicht abgetragen. Ab Mittwoch soll dann die Pipeline freigelegt werden – zunächst ganz behutsam nur mit Spaten. Erst dann soll ein Bagger anrücken.

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7 Jahre nach Explosion in Ludwigshafen: Baustelle an BASF-Gasleitung – Anwohner in Angst

Update vom 2. August: Jetzt ist es also soweit! Am heutigen Montag (2. August) rollen die Maschinen an und wird die Baustelle vorbereitet, wo ab dieser Woche die von Anwohnern mit großer Sorge behafteten Arbeiten an der Gasleitung durchgeführt werden, wie der SWR berichtet. Vor rund sieben Jahren hat sich nur wenige hundert Meter entfernt bei der Explosion an der Pipeline an der Grenze zwischen Oppau und Edigheim eine der schlimmsten Tragödien der Ludwigshafener Nachkriegszeit ereignet.

Bei einer Info-Veranstaltung am 29. Juli hat sich die zuständige Firma Gascade, ein Tochterunternehmen der BASF, den Fragen von rund zwei Dutzend besorgten wie kritischen Bürgern gestellt. Obwohl man natürlich äußerst behutsam vorgehen werde, könne man nie zu 100 Prozent ausschließen, dass etwas passiert, wie der SWR den vor Ort anwesenden Gascade-Sprecher George Wüstner zitiert.

Ludwigshafen: Trotz Ängsten der Anwohner – Gas wird bei Arbeiten nicht abgestellt

Wir bedauern das Unglück von 2014 zutiefst und wissen um die Bedenken der Anwohner und Bürger. Wir wollen das Vorgehen und unsere Sicherheitsvorkehrungen deshalb persönlich erläutern und mit den Menschen vor Ort in Austausch treten“, erklärt Axel Bühning, Projektleiter der Maßnahme. „Uns ist klar, dass wir uns wenige hundert Meter von der Unglücksstelle befinden. Wir gehen bei den Bauarbeiten so behutsam wie möglich vor und haben frühzeitig den Kontakt mit dem Ort gesucht.

Die zukünftige Baustelle wird sich auf dem Weg unterhalb des TV Edigheim und Gehlenweihers in Oppau befinden. Während der zweimonatigen Arbeiten wird die Baustelle, wo auf 300 Metern Länge an der Umhüllung der ERM-Leitung gearbeitet wird, mit einem Bauzaun gesperrt werden. Zudem überwacht ein Sicherheitsdienst die Baustelle. „Unsere Arbeiten werden von Experten des Kampfmittelräumdienstes begleitet. Wir lokalisieren die Leitung behutsam per Handschachtung – Erdüberschuss wird per Bagger abgetragen“, erklärt Axel Bühning. 

StadtLudwigshafen am Rhein
BundeslandRheinland-Pfalz
Fläche77,55 km²
Einwohnerzahl172.253 (Stand: 31. Dez. 2019)
OberbürgermeisterinJutta Steinruck (SPD)

Dennoch wird das Gas während der Arbeiten NICHT abgestellt! Und das, obwohl rund 1.500 Menschen eine Unterschriften-Aktion gegen die geplanten Bauarbeiten unterzeichnet haben bzw. die Abschaltung des Gases fordern. Gascade lehnt dies jedoch mit der auch mit Begründung ab, dass die Leitung regionale Netze versorge.

7 Jahre nach Explosion in Ludwigshafen: Wieder Arbeiten an BASF-Pipeline – Anwohner in Sorge

Erstmeldung vom 14. Juni: Bald jährt sich eine der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte der Chemiestadt Ludwigshafen: Am 23. Oktober 2021 ist es bereits sieben Jahre her, dass eine Explosion an einer Gas-Pipeline an der Grenze zwischen den Stadtteilen Oppau und Edigheim zwei Menschen getötet, 23 teils schwer verletzt und einen Millionenschaden angerichtet hat. Ein Arbeiter ist bei den Wartungsarbeiten der ERM-Hochdruckleitung durch die Detonation und die fast 100 Meter hohe Flammensäule sofort getötet worden, sein Kollege erlag Wochen nach dem Unglück seinen schweren Verletzungen.

Doch jetzt werden die Nerven der Anwohner der damals völlig verwüsteten Jakob-Scheller-Straße auf eine harte Probe gestellt und alte Erinnerungen kommen wieder hoch, weil im August und September erneut an der Gas-Leitung zur BASF (110.000 Kubikmeter Erdgas pro Stunde) gearbeitet wird. Und bei den Isolierungsarbeiten soll das Gas wieder vorher nicht abgestellt werden, wie der SWR berichtet! Rund 40 beschädigte Wohnungen waren damals wochenlang unbewohnbar.

Ludwigshafen: 7 Jahre nach Horror-Explosion wieder Arbeiten an Gas-Pipeline

Eine Angst der Anwohner, die auch der Oppauer Ortsvorsteher Frank Meier (SPD) gegenüber dem SWR nachvollziehen kann, wenn tatsächlich bei normalem Gasdruck an der Ferngasleitung gearbeitet werden sollte. Vielmehr fände es der Lokalpolitiker besser, die Leitung während der Arbeiten drucklos zu stellen. Doch nicht nur das: Da unter der Wiese in der Jakob-Scheller-Straße womöglich seit Jahrzehnten gefährliche Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg verborgen sein könnten, sollten Experten vom Kampfmittelräumdienst die zunächst mal dementsprechend überprüfen.

Doch die Betreiberfirma Gascade in Kassel, ein Tochterunternehmen der BASF, sieht das scheinbar trotz der schrecklichen Katastrophe im Herbst 2014 komplett anders und es als nicht notwendig an, die 57 Kilometer lange Erdgas-Leitung zwischen Ludwigshafen und Karlsruhe abzuschalten. So hat ein Unternehmenssprecher gegenüber dem SWR beschwichtigt, man werde sehr „behutsam“ vorgehen und die Leitung zunächst per Hand mit Schaufeln freilegen, bevor ein Bagger anrückt.

Ludwigshafen: Ermittlungen nach Explosions-Katastrophe eingestellt

Rückblick: Am 23. Oktober 2014 hatten Arbeiter eine sogenannte Spundwand ins Erdreich gerammt, was die gewaltige Detonation vermutlich verursacht hat. Bis heute ist umstritten, ob die Außenwand des Gasrohrs (40 cm Durchmesser) tatsächlich nur noch eine Stärke von weniger als einem Millimeter hatte oder nicht. Jedenfalls hätte man laut der nach der Katastrophe ermittelnden Staatsanwaltschaft Frankenthal hätten man jedoch vor dem Start der Arbeiten zunächst die Gasleitung freiräumen müssen, da deren exakter Verlauf in rund zwei Metern Tiefe unklar gewesen sei. Daher ist auch gegen insgesamt vier Personen ermittelt worden – gegen zwei Baufirma-Mitarbeiter und zwei Mitbetreiber der Pipelinefirma.

Die Feuersäule nach der Gas-Explosion am 23. Oktober 2014 war rund 100 Meter hoch und kilometerweit zu sehen. (Archiv) 
Die Feuersäule nach der Gas-Explosion am 23. Oktober 2014 war rund 100 Meter hoch und kilometerweit zu sehen. (Archiv) © LUDWIGSHAFEN24/PR-Video/Priebe

Die Ermittlungen gegen die vier Beschuldigten sind jedoch eingestellt worden, nachdem ein Gutachten belegt hat, dass auch eine vorherige Freilegung der Hochdruckleitung die Explosion nicht verhindert hätte. Bleibt nur zu hoffen, dass sich solch eine Tragödie nicht wiederholt. (pek)

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