Bürgerforum im Pfalzbau

Hochstraßensanierung beginnt 2020 mit Abriss des Würfelbunkers

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Hochstraße in Ludwigshafen.

Ludwigshafen - Die Stadt startet den Bürgerdialog zu den anstehenden Sanierungen der Hochstraßen Nord und Süd. So soll der Verkehrskollaps umgangen werden:

Update vom 16. April: Der Stadtrat von Ludwigshafen hat in einer nicht öffentlichen Sitzung beschlossen, das Rathaus-Center zu kaufen. Das soll 2021 geschlossen werden, damit die Bauarbeiten an der Hochstraße Nord beginnen können. Danach soll das komplette Areal überplant und weiterentwickelt werden.

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Oberbürgermeisterin spricht bei Bürgerforum im Pfalzbau

Die Hochstraßen werden uns noch eine ganze Weile beschäftigen“, sagt Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) am Mittwoch (10. April) den rund 500 Teilnehmern beim Bürgerforum im Pfalzbau, mit dem die Stadt den Bürgerdialog zu den Hochstraßenprojekten startet. Weit über zwei Stunden erklären Steinruck, zuständige Dezernenten und Projektplaner den Stand rund um die Sanierung der beiden maroden Hochstraßen, über die pro Tag mehr als 100.000 Autos fahren.

Ludwigshafen: Stadtstraße soll abgerissene Hochstraße Nord ersetzen

Im Jahr 2014 stimmt der Ludwigshafener Stadtrat mit großer Mehrheit für den Abriss der maroden Hochstraße Nord (B44). Sie soll durch eine Stadtstraße ersetzt werden, an der ein neues Quartier („City West“) mit 3.500 Wohnungen und 5.000 Arbeitsplätzen entstehen soll. Ein entsprechendes Planfeststellungsverfahren läuft seit August 2018 und soll laut Projektleiter Björn Berlenbach im Januar 2020 abgeschlossen sein. 

Die neue, 860 Meter lange Stadtstraße soll künftig die A650 ab der Lorientallee mit der Kurt-Schumacher-Brücke verbinden und auch die Stadtteile Mitte und Hemshof verknüpfen. „Die Gesamtbauzeit wird rund acht Jahre betragen“, prognostiziert Berlenbach. 2029 soll die Stadtstraße fertig sein. 

Ludwigshafen: Baubeginn der Stadtstraße mit Abriss des Würfelbunkers

Noch in diesem Jahr will die rnv Gleise, Schotter und Leitungen im C-Tunnel entfernen. In den seit zehn Jahren stillgelegten Tunnel soll unter anderem der Hauptabwasserkanal verlegt werden. Damit will man ein Baufeld an der Westbrücke freimachen. Der Bau der Stadtstraße beginnt dann Mitte 2020 mit dem Abbruch des „Würfelbunkers“. Ab 2021 folgt im Westen der Bau einer Brücke über die Bahnanlagen und die Verlängerung des BASF-Tunnels.

Für den Neubau der Stadtstraße (Hochstraße Nord) in Ludwigshafen rechnen die Verantwortlichen mit Gesamtkosten von 430 bis 530 Millionen Euro. Dabei seien künftige Baupreisentwicklungen allerdings bereits eingerechnet, erklärt Kämmerer Andreas Schwarz. Neben Planungskosten (rund 50 Millionen Euro) müssten laut Schwarz auch die Kosten für Grunderwerb berücksichtigt werden. Bund und Land Rheinland-Pfalz wollen das Projekt finanziell fördern. 

Abriss der Hochstraße: Verkehrskonzept ohne Vollsperrung

In die Planungen rund um die Stadtstraße fließt auch ein ÖPNV-Konzept ein, das der Stadtrat 2018 beschlossen hat: Es sieht Straßenbahn-Expresslinien für den Berufsverkehr, zusätzliches Buslinien und eine bessere Verknüpfung der Linien vor. Der Abriss des Würfelbunkers ermöglicht laut Stadt zudem eine einfachere Verkehrsführung der Stadtstraße. Auch Verbindungen für Fußgänger und Radfahrer sollen verbessert werden.

Die Verkehrsführung während der Bauarbeiten an der Stadtstraße kommt übrigens ohne Vollsperrung aus. Dennoch ist bei der Umsetzung des Verkehrsgroßprojekts für rund viereinhalb Jahr mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen, schätzt Planer Berlenbach. Für den künftigen Verkehr wird laut Stadt das Drei-Zonen-Konzept für den überregionalen, regionalen und innerstädtischen Verkehr mit dem Masterplan Green City verknüpft: Luftreinhaltung und Mobilität sollen in digital gestützte Verkehrslenkungssysteme einfließen.

Im Ludwigshafener Stadtgebiet kommt es in den kommenden Monaten zu weiteren größeren Baumaßnahmen. Ab Juli 2019 soll die für Pendler wichtige Brunckstraße saniert werden. In Friesenheim wird seit Montag (8. April) die Straßenbahnlinie 10 erneuert: Auf dem Plan stehen neue Gleise, barrierefreie Haltestellen und die Sanierung der Abwasserkanäle. Und ab Mitte April beginnen die Sanierungsarbeiten an der A650 zwischen Stadtgrenze und Oggersheim.

Was passiert mit der Hochstraße Süd?

Auch die Hochstraße Süd (B37) ist baufällig und muss dringend saniert werden. Eingehende Untersuchungen im Spätsommer 2017 lassen besonders an der rund 500 Meter langen „Pilzhochstraße“ statische Mängel erkennen. Daraufhin wird die Hochstraße Süd im Herbst 2017 für den Lastverkehr gesperrt, um die Pilzhochstraße zu entlasten. Dennoch ignorieren Laster-Fahrer das Durchfahrtsverbot immer wieder. 

Ursprünglich sollte die Hochstraße Süd vor dem Abriss der Hochstraße Nord fertig saniert sein, sagt Projektleiter Georgios Astyrakakis in seiner Kurzpräsentation zur Hochstraße Süd. Zudem sollten in den Planungen „Vollsperrungen weitestgehend vermieden und die uneingeschänkte Befahrbarkeit für Lkw sichergestellt werden“, fasst Astyrakakis zusammen. Auf Basis der Vorgaben stellten die Planer im April 2018 ein „Galeriebauwerk“ vor, das aber weder vor Abrissbeginn der Hochstraße Nord fertig gewesen wäre, noch auf Vollsperrungen hätte verzichten können. Eine erste Schätzung kam zudem auf rund 120 Millionen Euro Sanierungskosten

Deshalb müssten Astyrakakis zufolge für die Hochstraße Süd jetzt neue Varianten erarbeitet werden. Weiterhin werde es intensive Kontrollen der Pilzhochstraße geben. Die Stadt will im Spätsommer 2019 weitere Lösungsvarianten vorschlagen und Bürger beteiligen.

Auswirkungen der Hochstraßensanierungen auf den Verkehr

Die Hochstraße Süd wird für den Bau der Stadtstraße zwingend als Umleitungsmöglichkeit gebraucht“, stellt Johannes Lorch klar, der als Chefplaner für die Hochstraße Nord die zu erwartenden Auswirkungen der Maßnahme auf den Verkehr skizziert. Die Vorgaben für die Arbeitsplanungen an der Hochstraße Nord umreißt Lorch so: Keine Vollsperrungen, Kurt-Schumacher- und Konrad-Adenauer-Brücke sollen befahrbar bleiben, Alternativen zum IV (Individualverkehr) müssen gefunden werden. 

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Über ein Jahr habe man an Umleitungs- und alternativen Verkehrskonzepten gearbeitet, um die „Aufrechterhaltung des Verkehrs zu gewährleisten“. Um die Berufsverkehre zu entzerren, diskutiere man auch neue Arbeitsmodelle (Optimierung der Arbeitszeiten, Heimarbeitsplätze schaffen). Lorch sieht Verkehrsbehinderungen während der Bauarbeiten ohnehin ‚nur‘ in den Hauptverkehrszeiten (7-9, 16-18 Uhr). Außerhalb der Stoßzeiten werde man kaum Beeinträchtigungen für den Verkehr haben, ist sich der Verkehrsplaner sicher.

Wir haben in den Untersuchungen nachgewiesen, dass zumindest 65 Prozent der Verkehrsverbindungen B37 und B44 während der Bauzeit funktionieren“, sagt Lorch. „Wir können heute davon ausgehen, dass immer mindestens eine Fahrspur in jede Fahrtrichtung frei sein wird“, ergänzt Baudezernent Klaus Dillinger (CDU). Außerhalb des Berufsverkehrs werde es allerdings weniger Kapazitäten geben. 

Im Vorfeld der Planungen wurden immer wieder kritische Stimmen laut, die einen bevorstehenden Verkehrskollaps befürchten. Auch vergleichsweise kleine Maßnahmen im ÖPNV können zu Entlastungen führen, ebenso flexible Umleitungs- und Verkehrsführungskonzepte. Derzeit werden viele mögliche Umleitungsstrecken in der Region für die anstehenden Baumaßnahmen instand gesetzt, unter anderem auch die Salierbrücke bei Speyer.  

Lkw-Verbot auf Hochstraße Süd – ÖPNV soll verbessert werden

Sicher ist indes, dass die Lkw-Sperren auf der Südtrasse bestehen bleiben müssen. „Wir als Planer sind von diesem Zustand der Hochstraße Süd überrascht worden“, gibt Lorch zu. Jetzt suche man nach alternativen „Auffahrtsmöglichkeiten über die Konrad-Adenauer-Brücke für den Schwerverkehr.“

Um den Verkehr zu entlasten, will man den Nahverkehr mit Zusatzangeboten stärken. Ein Bündel an ergänzenden Maßnahmen wurde bereits beschlossen: Das ÖPNV-Konzept sieht beispielsweise mehrere Express-Straßenbahnlinien für den Berufsverkehr vor, die nicht mehr an allen Haltestellen halten. So soll die Linie 12 aus Rheingönheim/Mundenheim nach Friesenheim im 20-Minuten-Takt als umsteigefreie Direktverbindung zur BASF fungieren. Ähnlich verhält es sich mit den Linien 9/14 (Oggersheim–Mannheim) und 15 (Rheingönheim /Mundenheim–Mannheim). Zudem soll eine Busverbindung zwischen dem Melm und Oppau eingesetzt werden. Auch der S-Bahn-Verkehr soll erweitert werden. 

Außerdem soll über die Verbesserung und die Erweiterung des Radverkehrs als Alternative zum Auto nachgedacht werden – etwa über die Einrichtung von Radschnellwegen, Leihfahrradstationen oder zusätzliche Fahrradparkplätze.

rmx 

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