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Erste Fotos direkt von der Unglücksstelle

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Ludwigshafen – Knapp sechs Wochen nach der tödlichen Explosion bei der BASF ist die Unglücksstelle freigegeben. Abgesehen von den materiellen Schäden, wirkt die Tragödie auch in den Seelen der Überlebenden nach.

Nach dem schweren Explosionsunglück bei BASF auf dem Werksgelände immer noch die Spuren der Katastrophe zu sehen, wie dieser verbrannte Reifen eines Tankaufliegers.
1 / 7Nach dem schweren Explosionsunglück bei BASF auf dem Werksgelände immer noch die Spuren der Katastrophe zu sehen, wie dieser verbrannte Reifen eines Tankaufliegers. © picture alliance / Boris Roessler/dpa
Experten der Werksfeuerwehr stehen am Explosionsort inmitten geborstener Rohrleitungen.
2 / 7Experten der Werksfeuerwehr stehen am Explosionsort inmitten geborstener Rohrleitungen. © picture alliance / Boris Roessler/dpa
Rund sechs Wochen nach der Explosion zeugen geborstene und verformte Rohrleitungen noch immer von der Wucht der Explosion und der enormen Hitze des Feuers.
3 / 7Rund sechs Wochen nach der Explosion zeugen geborstene und verformte Rohrleitungen noch immer von der Wucht der Explosion und der enormen Hitze des Feuers. © picture alliance / Boris Roessler/dpa
Ausgebrannte Autos auf einem Mitarbeiterparkplatz der BASF zeigen die Ausmaße des Unglücks.
4 / 7Ausgebrannte Autos auf einem Mitarbeiterparkplatz der BASF zeigen die Ausmaße des Unglücks. © picture alliance / Boris Roessler/dpa
Hier war es nach Arbeiten an einer Rohrleitung zu einer Explosion gekommen, bei der drei Menschen ums Leben gekommen waren.
5 / 7Hier war es nach Arbeiten an einer Rohrleitung zu einer Explosion gekommen, bei der drei Menschen ums Leben gekommen waren. © picture alliance / Boris Roessler/dpa
Diese Ampel ist zu einem Klumpen Plastik geschmolzen. Sie hängt in der Nähe des Unglücksortes vom 17. Oktober.
6 / 7Diese Ampel ist zu einem Klumpen Plastik geschmolzen. Sie hängt in der Nähe des Unglücksortes vom 17. Oktober. © picture alliance / Boris Roessler/dpa
Die Werkfeuerwehr trauert über drei ihrer Kollegen, die bei der Explosion ums Leben kamen.
7 / 7Die Werkfeuerwehr trauert über drei ihrer Kollegen, die bei der Explosion ums Leben kamen. © picture alliance / Boris Roessler/dpa

Die dicken Stahlrohre sind verbogen, als ob ein Riese sich an ihnen abreagiert hätte. Die Hitze des Feuers hat die Metallschilder darauf schmelzen lassen, ebenso die Plastikfenster eines nahen Umschlaggebäudes. Es riecht nach Ruß im Landeshafen Nord der BASF in Ludwigshafen, auch knapp sechs Wochen nach der Explosion, die vier Menschenleben gefordert hat. Der Leiter der Werksfeuerwehr, Rolf Haselhorst, führt am Freitag Journalisten über das Gelände, auf dem zwei seiner Männer starben. Am Ort des Todes hat das Feuer die Bodensteine geschwärzt. Was empfindet der Feuerwehrchef hier? „Ich bin mit den Gedanken bei meinen Mitarbeitern und ihren Familien“, sagt der 58-Jährige mit leiser Stimme.

Vieles ist noch unverändert an diesem Platz, den die Staatsanwaltschaft erst vor kurzem freigegeben hat. Hauptsächlich betroffen von der Zerstörung ist ein etwa 20 Meter breiter Graben, in dem 38 Leitungen liegen – für Dampf, Brunnen- und Abwasser, aber auch für höchst brennbare Chemikalien. Hier soll am 17. Oktober ein Mitarbeiter einer Fremdfirma mit einem Winkelschleifer eine falsche Leitung angeschnitten und so einen Brand verursacht haben, dem die Explosion folgte.

Routinearbeit mit katastrophalen Folgen

Wie es dazu kommen konnte, ist nach wie vor rätselhaft. Der Mann und ein Kollege waren bereits seit zwei Tagen an einer Nachbarleitung für „Propylen flüssig 95%“ im Einsatz. Sie sollten dort einen sogenannten Dehnungsbogen austauschen, eine Ausstülpung im Rohr, die wie ein umgekehrtes U verläuft. Sie soll die von jahreszeitbedingten Temperaturänderungen verursachten Spannungen auffangen, denen eine solche Leitung ausgesetzt ist. „Das sind die Teile, wo besondere Kräfte wirken. Die sollten einer nach dem anderen erneuert werden“, erklärt der Betriebsleiter Hafen und Tanklager, Wolfgang Egel-Hess. Etwa 20 Zentimeter rechts neben der mit einem gelben Farbfleck gekennzeichneten „Propylen flüssig 95%“-Leitung verläuft ein mit Rot gekennzeichnetes Rohr für „Raffinat I+II", durch das ein brennbares Buten-Gemisch floss. Hier soll der Mann den Schnitt gesetzt haben - mit Folgen.

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 „Am Anfang gab es einen Brand, den die Männer noch per Handlöscher bearbeitet haben", sagt Haselhorst. Das sahen die Wachhabenden in einem mehrere Hundert Meter entfernten Leitstand auf der anderen Seite des Hafenbeckens - und riefen die Feuerwehr. Sichtlich angespannt erinnert sich der 58-Jährige an die letzten Minuten vor der Katastrophe. Sechs oder sieben Feuerwehrleute seien am Ort gewesen, ein Teil rüstete sich noch aus, die anderen sollten einen Wasserwerfer aufbauen, um aus etwa 60 Meter Entfernung die Rohre an der Brandstelle zu kühlen. Doch dazu kam es nicht. „Während dieser Zeit – es waren noch keine Schläuche an dem Wasserwerfer – ist es zu dieser großen Explosion gekommen." Sie entstand vermutlich in der Ethylen-Ferngasleitung, die etwa einen Meter neben dem Rohr für "Raffinat I+II" verläuft. Das Stahlrohr, dessen Wand ein Zentimeter dick ist, barst - beide Hälften schlugen in Richtung Hafen.

Vier Tote, 29 Verletzte

Zwei der Wehrleute starben noch am Unfallort, ebenso der Matrose eines Tankschiffes, das etwa 80 Meter vom Explosionsort entfernt im Hafen lag. Ein dritter Feuerwehrmann erlag zwölf Tage später seinen Verletzungen in einem Krankenhaus. Außerdem wurden 29 Menschen verletzt, sieben von ihnen schwer. Vier Wehrmänner sind noch im Krankenhaus. Die übrigen versuchten, das das Geschehen durch Gespräche zu verarbeiten, sagt Haselhorst. „Wir sprechen sehr oft – jeden Tag – darüber."

Nun, wo nach den Gedenkveranstaltungen der Alltag wieder einziehe, kämen die Gedanken an die Kameraden wieder hoch. Die Männer, von denen einige medizinische Hilfe in Anspruch nähmen, reagierten darauf unterschiedlich. „Es gibt Mitarbeiter, die mit Abstand - örtlich, zeitlich - Urlaub, Freischichten - darauf reagieren, um sich mal von der Situation zu trennen. Es gibt aber auch Mitarbeiter, die in der Gruppe der Kameraden oder vor Ort versuchen, sich mit der Sache auseinanderzusetzen.“

Nachdenklich blickt der Feuerwehrleiter auf das geborstene Rohr der Ethylen-Leitung. „Dass eine Rohrleitung aus der Verankerung herausgerissen und zur Seite geschleudert wird, ist nicht vorhersehbar und für uns etwas völlig Neues, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen“, sagt er. Wo die andere Leitung angeschnitten worden war, klafft eine Lücke - die Ermittler haben das Stück zur Beweissicherung ausgebaut.

dpa

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