5 Menschen sterben bei BASF-Katastrophe

Nach Urteil in BASF-Prozess: Anwälte legen Revision ein

+
Am Landgericht Frankenthal könnte bald ein Urteil im BASF-Prozess fallen.

Ludwigshafen - Vor knapp drei Jahren sind bei einer Explosion auf dem BASF-Gelände mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Nach dem Urteil legen zwei Anwälte Revision dagegen ein!

  • Am 17. Oktober 2016 kommt es bei der BASF in Ludwigshafen zu einer Explosion: 5 Menschen kommen ums Leben, 44 Menschen werden verletzt, 6 davon schwer.
  • BASF-Explosion: 3 bis 5 Millionen Euro Sachschaden, mindestens 500 Millionen an mittelbaren Folgen (Produktionsausfall). 
  • Vor Gericht steht der Schweißer Andrija K. (63), der das Unglück in Ludwigshafen ausgelöst haben soll.
  • Am 27. August fällt das Urteil im BASF-Prozess
  • Zwei Anwälte legen Revision ein

Update vom 5. September: Vor knapp einer Woche fällt im BASF-Prozess das Urteil. Der Angeklagte Andrija K. wird zu einem Jahr auf Bewährung verursacht. Schon bei der Urteilsverkündung ist Richter Uwe Gau bewusst, dass manche beim Strafmaß andere Meinungen haben könnten – und so ist es auch gekommen. Denn zwei Anwälte haben mittlerweile Revision eingelegt! Dabei handelt es sich sowohl um den Anwalt eines Elternpaares, dessen Sohn bei der BASF-Katastrophe gestorben ist, als auch um den Verteidiger des Angeklagten.

Grund dafür ist wohl, dass der Verteidiger einen Freispruch oder eine Strafe von höchstens sechs Monaten auf Bewährung gefordert hat. Im Gegenzug hat der Anwalt der Hinterbliebenen in seinem Plädoyer eine härtere Strafe gefordert. Sobald das Urteil in einigen Wochen schriftlich vorliegt, müssen die Parteien ihre Einsprüche erklären. Dann könnte der schon so lang geführte Prozess in die nächste Runde gehen. 

BASF-Prozess: Urteil gegen Andrija K. ist gefallen!

Update von 17:30 Uhr: Als gegen 14:30 Uhr das Urteil im BASF-Prozess fällt, ist es komplett still im Gerichtssaal. Nachdem Richter Uwe Gau das Strafmaß bekannt gibt, wirkt der Angeklagte Andrija K. gefasst. Im Anschluss begründet der Richter das Urteil von einem Jahr auf Bewährung noch einmal ausführlich. Denn die Entscheidung sei dem Gericht nicht leicht gefallen und man habe alle Varianten diskutiert. Dieses Urteil halte man aber für straf- und schuldangemessen - zumal Andrija K. nicht vorbestraft sei.

Urteil im BASF-Prozess: Katastrophe war „menschliches Versagen“

Der Angeklagte ist kein Krimineller und kein Verbrecher“, sagt Richter Uwe Gau am Landgericht in Frankenthal. Er habe am Tag der BASF-Explosion fahrlässig gehandelt, hätte die Risiken eines falschen Schnitts einschätzen müssen. Aber da es sich um eine Routinearbeit handelt, sei nicht vorsichtig genug gearbeitet worden. Daran bestünden „keinerlei Restzweifel“. Die BASF-Katastrophe sei durch „menschliches Versagen“ ausgelöst worden.

Im Anschluss geht Richter Uwe Gau noch einmal genau auf den Ablauf des Tages der BASF-Katastrophe ein und schildert die Schicksale der Beteiligten. Einige von ihnen sitzen bei der Urteilsverkündung in Frankenthal unter den Zuschauern. Viele von ihnen haben seit der BASF-Explosion zahlreiche Behandlungen und Operationen über sich ergehen lassen müssen. Auch der Angeklagte Andrija K. muss mehrfach behandelt werden, ist arbeitsunfähig und leidet auch psychisch unter dem Geschehen. Auch dies sei in das Urteil mit einberechnet worden. 

BASF-Prozess: Ermittlungen liefen in alle Richtungen

Uwe Gau spricht direkt zu Beginn von einem „verworrenen Verfahren“. Alleine die Ausmaße der Ermittlungen sind riesig. An 28 Prozesstagen seien dutzende Zeugen und 10 Sachverständige angehört worden. Zudem seien mehr als 11.000 Seiten an Akten, 100 Bilder und 12 Videos gesichtet worden!

Man habe von Anfang an das Verfahren breit aufstellen und alles auf den Prüfstand stellen wollen. Auch andere Möglichkeiten des Unfalls auf dem BASF-Gelände seien untersucht und widerlegt worden. Das abschließende Ergebnis ließe so „keinen Platz für Verschwörungstheorien“, wie Uwe Gau erklärt. 

Oft gelesen: Tragischer Unfall in Ludwigshafen: Mann fährt gegen Hauswand – wenig später ist er tot

Urteil im BASF-Prozess: Anwälte können noch Revision einlegen

Strafmildernd habe sich ausgewirkt, dass auch die BASF selbst Fehler gemacht habe. Daher trage sie eine „kausale Mitschuld“. So habe es eine Kette von unterbliebenen Informationen gegeben, durch die man die BASF-Katastrophe eventuell hätte verhindern könne. 

Die Anwälte können noch innerhalb einer Woche Revision einlegen. Es wird sich also zeigen, ob der jahrelange Prozess weiter geht oder endgültig abgeschlossen werden kann. 

BASF-Prozess: Angeklagter zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt

Update 27. August, 14:45 Uhr: Die Explosion im Landeshafen Nord der BASF in Ludwigshafen am 17. Oktober 2016 hat 5 Todesopfer gefordert – jetzt ist am Landgericht Frankenthal das Urteil gegen den Angeklagten Andrija K. (63) gefallen: Der 63-jährige Schweißer wird wegen fahrlässigen Tötung in fünf Fällen zu einem Jahr Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre, zudem muss der Angeklagte 1.200 Euro an Ärzte ohne Grenzen zahlen. Da der Angeklagte zu 70 Prozent behindert und arbeitsunfähig ist, wird monatlich ein Betrag von 40 Euro fällig. 

Die Kammer folgt damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Demgegenüber hat die Verteidigung Freispruch, die Vertreter der sechs Nebenkläger eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten gefordert. Das lang erwartete Urteil geht natürlich nicht spurlos an allen Beteiligten vorbei: Eine Mandantin der Nebenklage verlässt unter Tränen und fluchend den Gerichtssaal

Prozess um Explosion mit fünf Toten: Trägt die BASF eine Mitschuld? 

Dem Gericht sei klar, dass nicht jeder mit dem Urteil einverstanden ist. Da der Angeklagte jedoch bei der Explosion selbst verletzt wurde und die BASF zumindest eine „kausale Mitschuld“ an dieser Tragödie trage, hätte sich das Gericht für dieses Strafmaß entschieden. Selten wäre es dem Gericht so schwer gefallen ein Urteil zu fällen, wie bei diesem Prozess. Schon im Jahr 2015 wären Mängel in der Kommunikation aufgefallen, zudem hätte es im Jahr 2011 einen ähnlichen Fall gegeben, bei dem eine falsche Leitung angeschnitten worden ist. Die BASF hätte nach Meinung des Gericht handeln müssen und die Sicherheitsvorkehrungen verschärfen sollen. Da dies jedoch keiner einzelnen Person zugeordnet werden könne, wäre dies für die BASF strafrechtlich nicht relevant. Diese „kausale Mitschuld“ der BASF hätte sich jedoch strafmildernd für den Angeklagten ausgewirkt. 

Urteil im BASF-Prozess gefallen: Der Angeklagte soll das Rohr aus Unachtsamkeit angeschnitten haben 

Nach Überzeugung der Kammer hat der Angeklagte am 17. Oktober 2016 fahrlässig mehrere Explosionen auf dem Gelände der BASF SE in Ludwigshafen verursacht. Aus Unachtsamkeit soll er anstelle des vorgesehenen Rohres eine gasführende Leitung mit einem Trennschleifer angeschnitten haben. Andrija K. (63) war als Leiharbeiter für ein Subunternehmen im Hafengelände tätig – und das seit 10 Jahren. In dieser Zeit hätte es nie Beanstandungen an seiner Arbeit gegeben. Infolge der ausgelösten Explosionen werden fünf Menschen getötet. Weitere 44 Personen erleiden - teils schwere - Verletzungen. Der Sachschaden nebst Folgeschäden hinsichtlich des Betriebsablaufs schätzt die Staatsanwaltschaft zu Prozess-Beginn auf mindestens 500 Millionen Euro

In dem umfangreichen BASF-Prozess wurden neun Sachverständige und 28 Zeugen gehört. Die Akten des Verfahrens umfassen mehr als 11.000 Seiten. Die Schwierigkeit des Strafverfahrens bestand vor allem in der technischen Aufklärung und Rekonstruktion der Vorgänge. 

Fast 3 Jahre nach Explosion: Urteil im BASF-Prozess fällt heute – das erwartet den Angeklagten

Update vom 27. August, 7 Uhr: Fast drei Jahre nach der schrecklichen Katastrophe auf dem BASF-Gelände in Ludwigshafen wird am Landgericht Frankenthal heute das Urteil gegen Andrija K. fallen. Dem 63-jährigen Angeklagten, der im Oktober 2016 als Schweißer auf dem BASF-Gelände tätig war und durch den Anschnitt einer falschen Rohrleitung für die tödliche Explosion verantwortlich sein soll, wird fahrlässige Tötung sowie Körperverletzung und fahrlässiges Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen. Die Verteidigung fordert Freispruch, die Anwälte der Opfer fordern zweieinhalb Jahre Haft ohne Bewährung, die Staatsanwaltschaft hingegen ein Jahr Haft auf Bewährung. Das Urteil zur BASF-Explosion wird gegen 14:30 Uhr erwartet.

BASF-Prozess: Plädoyer gehalten – Opfer-Anwalt​ will Angeklagten ins Gefängnis schicken!

Update, 16:30 Uhr: Für den Verteidiger von Andrija K., der im BASF-Prozess auf der Anklagebank sitzt, ist sein Mandant nicht schuldig im Sinne der Anklage. Das berichtet die Rheinpfalz über den vermutlich vorletzten Prozesstag zum Explosionsunglück bei der BASF. Der Schweißer habe zwar ins falsche Rohr geschnitten und so ein Feuer entfacht – doch dass dieses zu den Explosionen führen könnte, habe er nicht absehen können. Falls Andrija K. doch verurteilt werden sollte, habe sein Verteidiger ein halbes Jahr Haft auf Bewährung gefordert, heißt es in dem Bericht weiter. Das Urteil im BASF-Prozess wird am 27. August fallen. 

BASF/Ludwigshafen: Prozess um Explosion: Opfer-Anwalt fordert Gefängnisstrafe

Update, 14:30 Uhr: Nach der Mittagspause geht der BASF-Prozess weiter – und zwar mit dem zweiten Opferanwalt. Jan Schabbeck sei in seinem Plädoyer sehr darauf eingegangen, was die verletzten Feuerwehrleute nach der BASF-Explosion in Ludwigshafen hätten durchmachen müssen. Wie die Rheinpfalz schreibt, habe auch er zweieinhalb Jahre Haft ohne Bewährung für Andrija K. gefordert!

Update, 12 Uhr: Der Opfer-Anwalt Alexander Klein hat sein Plädoyer nun auch beendet. Er vertritt die Eltern eines Feuerwehrmanns, der bei der BASF-Katastrophe in Ludwigshafen gestorben ist. Er fordert eine Strafe von zweieinhalb Jahren – allerdings ohne Bewährung! Diese sei aufgrund des immensen Schadens, der durch die Explosion entstanden ist, nicht vertretbar.

BASF/Ludwigshafen: Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafe auf Bewährung

Update von 11:20 Uhr: Wie die Rheinpfalz berichtet, wurde die Beweisaufnahme beim BASF-Prozess heute morgen abgeschlossen. Daraufhin beginnt der Oberstaatsanwalt Dieter Zehe mit seinem Schlussplädoyer. In diesem betont er, dass er die Schuld an der BASF-Katastrophe in Ludwigshafen alleine bei Andrija K. sehe! 

Zudem bemängelt er die Sichherheitsvorkehrungen der BASF. Am Ende seiner Ausführungen fordert er eine Strafe von einem Jahr Haft auf Bewährung für den Angeklagten. Die Höchststrafe in einem solchen Fall liegt bei fünf Jahren. Im Anschluss kommt der Opfer-Anwalt Alexander Klein zu Wort, um sein Plädoyer zu halten.

BASF/Ludwigshafen: Heute sollen die Plädoyers im BASF-Prozess gehalten werden

Update vom 21. August, 6:30 Uhr: Am Landgericht Frankenthal steht der nächste Verhandlungstag des BASF-Prozesses an. Seit Februar sitzt hier Andrija K. auf der Anklagebank, da er durch einen Fehler bei Arbeiten eine Explosion auf dem BASF-Gelände in Ludwigshafen ausgelöst haben soll. Bei dieser kamen am 17. Oktober 2016 fünf Menschen in Ludwigshafen ums Leben, 44 Personen wurden zum Teil schwer verletzt! 

Oft gelesen: Frauenleiche (†22) in Hofheim gefunden: Ihr Mörder ist auf der Flucht!

Heute sollen am Landgericht Frankenthal die Plädoyers der Anwälte gehalten werden. Nach aktuellem Stand könne die Beweisaufnahme geschlossen werden, zudem seien keine Anträge angekündigt. Dem 63-jährigen Angeklagten wird fahrlässige Tötung sowie Körperverletzung und fahrlässiges Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion bei der BASF-Katastrophe in Ludwigshafen vorgeworfen. Wie ein Sprecher des Landgerichts Frankenthal auf Anfrage mitteilt, könnte am nächsten Prozesstag, dem 27. August, das Urteil fallen!

Ludwigshafen/BASF-Prozess: Neue Termine für Verfahren stehen fest

Update vom 3. Juli: Anfang Februar startete der BASF-Prozess am Landgericht Frankenthal um die verheerende Explosionskatastrophe im Landeshafen Nord des Chemieriesen in Ludwigshafen – fünf Menschen sind dabei gestorben, 44 Personen wurden teilweise schwer verletzt. Eigentlich war das Prozess-Ende für Ende Juni vorgesehen, doch aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Beweisaufnahme wird daraus nichts. Nun hat das Landgericht Frankenthal weitere Fortsetzungstermine bekanntgegeben – und daraus lässt sich ableiten, wann mit dem Urteil gerechnet werden könnte.

Neben Terminen am 18. und 29. Juli und 19. und 21. August (alle um 9:30 Uhr) ist auch ein (vorerst) abschließender Termin am 27. August vorgesehen. Auffällig: Hier wurde der Start auf 13 Uhr angesetzt. Gut möglich also, dass dann das Urteil fällt.

Ludwigshafen/BASF-Prozess: Verfahren zieht sich bis Ende August

Update, 25. Juni: Der BASF-Prozess um das Explosionsunglück mit fünf Toten zieht sich mindestens bis in den August. „Es ist nicht davon auszugehen, dass das Verfahren zeitnah zu Ende geht“, sagt ein Sprecher des Landgerichts Frankenthal am Dienstag (25. Juni). Die Beweisaufnahme sei noch nicht abgeschlossen, es solle noch ein Sachverständiger angehört werden. Dazu wolle das Gericht neue Termine für August bestimmen. Ursprünglich waren nur Termine bis Ende Juni vorgesehen gewesen.  

Am Montag (24. Juni) hatte ein Vertreter der Nebenklage einen Befangenheitsantrag gegen einen Sachverständigen gestellt und beantragt, ein Gutachten eines anderen Sachverständigen einzuholen. Die Kammer lehnt dies am Dienstag zwar ab, laut Gerichtssprecher soll aber nun ein Sachverständiger angehört werden, der zwar ein Gutachten erstellt hat, aber noch nicht vor Gericht zu Wort gekommen ist. Neben einzelnen Terminen am kommenden Freitag und Mitte Juli will das Gericht neue Termine für den August bestimmen. Die genauen Termine stehen laut dem Sprecher noch nicht fest. 

Im Juli wird bekannt, dass mehrere deutsche Unternehmen, darunter auch die BASF, in den letzten Jahren von Hackern ausgespäht wurden – mutmaßlich aus China. Die Cyber-Attacke sei im Jahr 2015 entdeckt und unterbunden worden, teilt die BASF mit.

Ludwigshafen BASF-Prozess: Anwalt wirft Gutachter Befangenheit vor – verschiebt sich Urteil?

Update vom 24. Juni: Wie die Rheinpfalz am Montag berichtet, habe der Anwalt der Nebenklage einem Sachverständigen im BASF-Prozess vorgeworfen, die Fehler der BASF verharmlost zu haben. Rechtsanwalt Alexander Klein vertritt im BASF-Prozess die Hinterbliebenen eines beim Unglück getöteten Feuerwehrmannes. Wie es im Bericht weiter heißt, habe Klein am Montag vor dem Landgericht Frankenthal gefordert, den TÜV-Gutachter als befangen einzustufen. Laut „Rheinpfalz“ könne sich die Urteilsverkündung, sollte der Richter dem Befangenheitsantrag zustimmen, bis in den Herbst ziehen. 

Ludwigshafen BASF-Prozess: Falscher Rohrschnitt Ursache für Katastrophe – alles andere „unrealistisch“

Update vom 17. Juni: Bis zur wahrscheinlichen Urteilsverkündung im BASF-Prozess Ende Juni, bei dem das Unglück von Oktober 2016 mit 5 Toten und 44 Verletzten verhandelt wird, sagen noch diverse Gutachter aus. Auch beim Verhandlungstag am 17. Juni wird am Landgericht ein Sachverständiger für Brand- und Explosionsursachen angehört – und der macht klar, dass es nach neun Untersuchungsergebnissen ausgeschlossen ist, dass etwas anderes als ein Schnitt in eine falsche Rohrleitung als Ursache für die tödliche Katastrophe in Betracht kommt. 

Wie der MM berichtet, sei demnach davon auszugehen, dass der angeklagte Schlosser Andrija K. (63) nicht die entleerte, sondern versehentlich die benachbarte Pipeline angeschnitten hatte. Auch alle anderen von der Verteidigung vorgebrachten möglichen Ursachen für die Explosion habe der Gutachter als unrealistisch eingeschätzt.

Update vom 25. April: Wie eine Sprecherin des Landgerichts auf LUDWIGSHAFEN24-Anfrage mitteilt, könnte das Urteil im BASF-Prozess am 28. Juni fallen. Vorher würden noch Gutachter aussagen. 

Ludwigshafen/Frankenthal: Angeklagter berührt mit emotionaler Aussage, sorgt jedoch trotzdem für Verwirrung 

Update vom 10. April: Der 17. Prozesstag am Landgericht Frankenthal wurde heiß erwartet: Am Mittwoch (10. April) äußert sich der Angeklagte Andrija K. (63) erstmals zum Tag des verheerenden BASF-Explosionsunglücks in Ludwigshafen. Ihm wird vorgeworfen, durch den Anschnitt eines falschen Rohres mehrere Explosionen im Landeshafen Nord auf dem BASF-Werksgelände ausgelöst zu haben, wodurch fünf Menschen getötet und 44 teilweise schwer verletzt wurden. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung sowie Körperverletzung und fahrlässiges Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. Der Angeklagte berührt mit einer emotionalen Aussage, sorgt jedoch trotzdem für Verwirrung

Update vom 5. April um 12 Uhr: Nach einer rund 45-minütigen Verhandlungspause beschäftigt sich das Gericht mit den Arbeitsberechtigungsscheinen der BASF und dem sogenannte „Feuerschein“ für Sicherheit und Brandschutz. Der Angeklagte gibt an, das Scheinwesen zu kennen, doch in erster Linie habe sich sein Vorarbeiter darum gekümmert. 

Für den nächsten Block war vorgesehen, dass sich der 63-Jährige zum Unglückstag äußert, doch daraus wird nun doch nichts: Der vorsitzende Richter erklärt, dass er den Angeklagten nicht überfordern wolle und bezieht sich dabei auf den schlechten gesundheitlichen Zustand des Bosniers. Die Verhandlung wird am kommenden Mittwoch (10. April) fortgesetzt. Dann wird auch der Angeklagte seine Aussage fortführen.  

Update vom 5. April um 11 Uhr: Der Prozess um die BASF-Explosion geht am Freitagmorgen weiter. Zum ersten Mal äußert sich heute der Angeklagte selbst zu dem BASF-Unglück. Zunächst macht der 63-Jährige aber Angaben zu seiner Person: Der gebürtige Bosnier ist geschieden und hat zwei Kinder, arbeitet seit 1987 in Deutschland und wohnt seit 1992 hier. Seine Ausbildung zum Rohrschlosser hat der Angeklagte in seinem Heimatland gemacht, vor dem schrecklichen Unglück mit fünf Toten hat der 63-Jährige zehn Jahre lang bei einer externen Firma auf dem BASF-Gelände gearbeitet.

Seit der Explosion am 17. Oktober 2016 befindet sich der Mann in Behandlung – zehn Prozent seines Körpers wurden dabei verbrannt, außerdem wurde ihm eine 70-prozentige Behinderung attestiert. Seit dem Unfall leidet der 63-jährige Angeklagte zudem unter Depressionen und Angstzuständen. Vor Gericht sagt er, dass er nur noch eineinhalb Stunden pro Nacht schlafen könne.

In Folge der BASF-Katastrophe musste der gebürtige Bosnier zwei Mal operiert werden: Einmal wegen eines Sehnenrosses in der Schulter, ein zweites Mal wegen der Verbrennungen, die er erlitten hatte. Nach 45 Minuten wird eine kurze Pause angesetzt. Danach sollen zunächst die Arbeitsabläufe bei der BASF im Fokus stehen, ehe es schließlich um das Unglück selbst gehen wird.

Ludwigshafen: BASF-Prozess: Neue Termine – Verhandlung zieht sich bis Ende Juni

Update vom 22. März, 8 Uhr: Der Prozess um die BASF-Katastrophe wird länger dauern als bisher angenommen. Wie Christian Bruns, Richter am Amtsgericht, auf Anfrage erklärt, gehen die Termine für die weiteren Verhandlungstage bis zum 28. Juni

Grund dafür sei, dass die Vernehmung der Hauptsachverständigen mehrer Tage brauchen wird. Zudem seien Beweisanträge angekündigt und die Vernehmung geplanter Zeugen hätte nach hinten verschoben werden müssen. Eine längere Unterbrechung im April komme davon, dass nahezu alle Verfahrensbeteiligten in den Osterferien seien. 

Die zusätzlichen Termine sind am 2. Mai, 3. Juni, 17. Juni, 25. Juni und 28. Juni. Das exakte Programm stehe noch nicht fest.

Ludwigshafen: BASF-Katastrophe: Gutachterin spricht von Kettenreaktion

Update vom 12. März: Im Landgericht Frankenthal beschreibt die Gutachterin ihre Untersuchungen im Landeshafen Nord. Zum ersten Mal sind sie vier Tage nach dem Unglück vor Ort. Wie der Mannheimer Morgen berichtet, können die Arbeiten aufgrund eines Gasalarms erst am nächsten Tag (22. Oktober 2016) beginnen. Laut den Sachverständigen hat der Schnitt am falschen Rohr alle darauffolgenden Brände und Explosionen ausgelöst. Durch den Funkenflug hat sich auch das Etylen entzündet, das wie ein „Flammenwerfer“ wirkt. Die Gutachterin beschreibt die Situation als „große Kette“, keiner der geschehen Brände und Explosionen hätte alleine passieren können.

Ein weiterer wichtiger Zeuge wird am Nachmittag befragt: Ein Experte des Bundeskriminalamts, der genaue Infos zu dem Schnitt, der Laufrichtung der Trennscheibe und dem Standort des angeklagten Arbeiters geben kann.

Ludwigshafen: Schweißer berichtet über BASF-Explosion: Er löscht seinen brennenden Kollegen!

Update, 14 Uhr: Der Schweißer, der auch am 17. Oktober 2016 mit Andrija K. zusammengearbeitet hat, wird vor Gericht über seine Erlebnisse im Landeshafen der BASF befragt. 

Der Angeklagte sei immer „100 Prozent zuverlässig“ gewesen, erklärt der Bosnier, dem während der Beweisaufnahme ein Dolmetscher zur Seite steht. „Wir haben 2010 angefangen zusammenzuarbeiten. Er hatte sehr gutes Fachwissen, war sehr gut und eine sehr ehrliche Person.“ Wenn etwas unklar gewesen wäre, hätte Andrija K. immer nachgefragt.

Die Arbeitskollegen seien am Tag der Explosion gemeinsam mit dem Auto zum BASF-Hafen gefahren. Nach der Frühstückspause hätte K. schon einige Schnitte gemacht, am Mittag sei er am Dehnungsbogen der Leitung angekommen. Sein ehemaliger Kollege erzählt vor Gericht, dass er Andrija K. noch mit seiner Flex gesehen hätte, wie er zur nächsten Schnittstelle lief. „Das nächste Mal als ich ihn sah, stand er in Flammen.“

Der Zeuge hätte ein lautes Zischen gehört und sich umgedreht. Das erste was er gesehen hätte, sei brennendes Gras gewesen. Erst danach hätte er die vertikale Feuersäule über demRohrgraben bemerkt. Wenige Meter habe er seinen Arbeitskollegen gesehen, dessen Körper gebrannt hätte. Er sei zu ihm gerannt und hätte ihn mit einer Jacke gelöscht.

Der Zeuge erzählt auch, wie er Andrjia K. im Krankenhaus besuchte. Bei einem der Besuche hätte der Angeklagte zu ihm gesagt: „Ich bin doch nicht so verrückt in ein anderes Rohr zu schneiden“ und „Ich habe das Rohr angeschnitten, was mir angezeichnet wurde.“

Ludwigshafen: Prozess zur BASF-Katastrophe: Schweißer berichtet vom tödlichen Unglück

Update vom 27. Februar: Der 8. Prozesstag startet am Landgericht Frankenthal. Ein Schweisser, der bei der BASF-Explosion direkt vor Ort war, soll heute aussagen. Er ist ein Arbeitskollege des Angeklagten und ebenfalls aus Bosnien. Mit dem Angeklagten hat er meist im Team gearbeitet, er war für das Schweißen zuständig, der Angeklagte für das Schneiden. 

Ludwigshafen: Prozess um BASF-Explosion: Kriminalpolizisten sagen aus

Update vom 26. Februar, 14:30 Uhr: Am Mittag des 7. Prozesstages sagt Henry Hammer aus: Der Hauptkommissar der Kripo schildert, wie sich der Einsatz aus Sicht der Polizei zugetragen hat. Am Tag der Explosion seien rund 300 Beamte im Einsatz gewesen. Der Brandort mit dem angeschnitten Rohr, das schließlich für die verheerende Katastrophe verantwortlich zeichnete, wurde rund um die Uhr bis zum 22. November bewacht.

Da sich zum Zeitpunkt der Explosioninsgesamt drei Schiffe im Landeshafen Nord befunden haben, wurde zunächst ermittelt, ob hier die Ursache gelegen haben könnte. Fünf Tage später rückte schließlich das durch den Angeklagten Arbeiter einer Fremdfirma angeschnittene Rohr in den Fokus.

Laut Aussage Hammers soll der durch die Explosion entstandene Sachschaden im hohen, dreistelligen Millionenbereich liegen.

Update vom 26. Februar 11:30 Uhr: Der 7. Prozesstag um die BASF-Explosion beginnt am Dienstag um 9:30 Uhr am Frankenthaler Landgericht. Erwartet werden die Aussagen der Brandermittler. LUDWIGSHAFEN24 ist vor Ort und hält Dich auf dem Laufenden. 

Geladen ist unter anderem Kripo-Kommissarin aus Ludwigshafen Andrea Scheub (42). Sie schildert dem Gericht den Unfallhergang und wie die Brandermittlung abgelaufen sind. „So einen Einsatz gab es in der Größenordnung noch nie“, sagt sie. Alle verfügbaren Beamten waren im Einsatz, da zunächst nicht sicher war, was überhaupt passiert sei, so Scheub weiter. Die Lage war angespannt, da weitere Explosionen zu erwarten waren. 

Eigentlich sollten an diesem Tag einfache Rohrarbeiten in der BASF erledigt werden: alte Rohrteile gegen neue ersetzt werden. Doch dann kommt es zum Unglück: Gegen 11:15 Uhr sieht der zuständige Brandmeister, dass der Angeklagte K. in Flammen steht! Zusammen mit einem Schweisser löschen sie K., der sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Gras wälzt. Um 11:27 Uhr wird im Videomaterial deutlich, dass ein „weißes Produkt“ aus der angeschnittenen Rohrleitung das Feuerwehrauto trifft und ein Feuerball entsteht! Es kommt zu mehreren Explosionen. 

Während der Aussage liegt der Angeklagte immer wieder mit dem Kopf auf dem Tisch, schließt die Auge, stützt seinen Kopf ab. Von seinem Anwalt wird er gefragt, ob alles ok sei. Dies bejaht er.

Ludwigshafen: BASF-Prozess um tödliches Unglück: Feuererlaubnisschein an Mitarbeiter ausgestellt

Update 19. Februar, 14 Uhr: Am fünften Prozesstag um das BASF-Unglück geht es auch immer wieder um den sogenannten ‚Feuererlaubnisschein‘, der wenige Tage vor dem Unglück auch an die Arbeiter im Rohrgraben ausgestellt und am Tag der Katastrophe verlängert wurde. Vor allem Rechtsanwalt Alexander Klein hat viele Fragen an den Zeugen. Dabei geht es im Wesentlichen darum, in welchem Fall ein Sachkundiger vor Ort sein muss und in welchem Umfang Arbeiten beaufsichtigt werden müssen. Werner W. sagt aus, dass er die Gefährdungsbeurteilung der Arbeit im Rohrgraben als „nicht so kritisch“ eingeschätzt hätte. Nach wie vor steht außerdem die Frage im Raum, ob am Tag des Unglücks die Brandschutzvorkehrungen noch einmal von BASF-Mitarbeitern vor Ort überprüft wurden, bevor der ‚Feuererlaubnisschein‘ verlängert wurde.

Update, 19. Februar, 10:50 Uhr: Heute wird der Prozess am Frankenthaler Landgericht weitergeführt. Zu Beginn sagt der Zeuge Werner W. aus. Der 58-Jährige arbeite seit 1976 bei der BASF und ist seit 19 Jahren Fachkraft für Arbeitssicherheit. Damit ist W. auch für das komplexe ‚Erlaubnisscheinwesen‘ des Chemieunternehmens zuständig. Diese Scheine gibt die BASF an Fremdfirmen aus, die auf dem Werksgelände Arbeiten durchführen. Dieses System sei laut W. Anfang der 2000er Jahre eingeführt worden und werde immer wieder überarbeitet. „Ein etabliertes System“, nennt er es in seiner Polizeivernehmung.

Bevor ein Schein an einen Auftragnehmer der BASF ausgestellt wird, müsse eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden. Dabei wird zunächst festgehalten, welche Gefahren bei der dementsprechenden Arbeit bestehen könnten und wie man sich davor schützen kann. Die dabei festgelegten Sicherheitsmaßnahmen – wie beispielsweise das Vorhandensein von Feuerlöschern und Brandschutzdecken – müssen vorhanden sein, bevor die Fremdfirma den Schein erhält und ihre Arbeit beginnen kann. 

BASF-Prozess am Landgericht Frankenthal: „Der richtige Lerneffekt war nach dem Ereignis“

Wie der Sicherheitsbeauftragte weiter aussagt, sollte im November 2016 – nur wenige Wochen nach dem Unglück – eine Broschüre veröffentlicht werden, die Arbeitern als Leitfaden zum Thema „Öffnung von Rohrleitungen“ dienen sollte. Diese Broschüre sei nach dem Unglück jedoch noch einmal überarbeitet worden. „Der richtige Lerneffekt war nach dem Ereignis“, so W. 

Mittlerweile seien auch Klebe-Banderolen im Einsatz, die Schnittstellen an Rohren deutlich kennzeichnen würden. Diese müsse auch vom ausführenden Arbeiter unterschrieben werden. Außerdem hätten sich auch die Vorgaben für Trenn- und Schnittwerkzeuge geändert.

Während die Prozessbeteiligten einen genaueren Blick auf die verschiedenen Erlaubnisscheine der BASF werfen, sitzt der Angeklagte  Andrija K. mit dem Händen auf dem Gesicht an seinem Platz. Kurze Zeit später bittet sein Anwalt Carsten Tews um eine Pause für seinen Mandanten. Richter Uwe Gau unterbricht daraufhin den Prozess für etwa 10 Minuten. 

Der Angeklagte Andrija K. (l) vor Prozessbeginn neben seinem Rechtsanwalt Carsten Tews.

Ludwigshafen: BASF-Prozess unterbrochen: Anwalt wechselt in andere Verhandlung

Update vom 12. Februar 10:45 Uhr: Alexander Klein, der Angehörige des getöteten Feuerwehrmanns in der Nebenanklage vertritt, verlässt schon nach einer halben Stunde den parallel stattfindenden Babymord-Prozess, um am dritten Verhandlungstag des BASF-Prozesses teilzunehmen. Ohne ihn kann allerdings der Babymord-Prozess nicht fortgeführt werden, da er den Angeklagten David L. vertritt. Die Verhandlung wird unterbrochen.

Update vom 8. Februar: Welche Auswirkungen der 17. Oktober heute noch auf viele Menschen hat, zeigen die detaillierten Aussagen dreier Männer, deren Leben das Unglück für immer verändert hat.

Ludwigshafen: Chemiefacharbeiter Jürgen L. (53): „Es muss weitergehen!“

Update 15:45 Uhr: Nach der Pause sagt Chemiefacharbeiter Jürgen L. aus. Der 53-Jährige arbeitet am Tag des BASF-Unglücks als stellvertretender (53), seit 1988 bei der BASF angestellt, aus. Am Tag des BASF-Unglücks ist er stellvertretender Schichtführer im Nordhafen. Kollegen hätten ihn am Mittag in den Leitstand gerufen, mithilfe eines Fernglases hätte L. eine kleine Flamme im Rohrgraben gesehen. Die Feuerwehr sei zu diesem Zeitpunkt schon informiert gewesen.

L. fährt mit seinem Auto zur Unglücksstelle, warnt die letzten verbliebenen Arbeiter, noch bevor die Einsatzkräfte der Werksfeuerwehr eintreffen. Zu diesem Zeitpunkt sei die kleine Flamme, die er aus dem Fernglas sah, bereits zu einer meterhohen Feuersäule geworden. 

Bei der ersten Explosion ist auch L. noch zu nah am Geschehen. Er wird zu Boden geworfen, die zweite Druckwelle schleudert ihn weiter in Richtung Hafenbecken. In der Nähe einer Betonbrüstung sei er aus seiner Bewusstlosigkeit aufgewacht, erzählt der Chemiearbeiter. Er hätte sich auf die ‚Endeavour‘ gerettet, die gerade im Hafen lag. Dann habe er festgestellt, dass auch das Schiff brennt. „Ich dachte, ich sitze auf einem Pulverfass“, erinnert er sich. 

Was man im Saal des Landgerichts am Mittwoch nicht sehen kann: Jürgen L. wird vom Rücken abwärts zu großen Teilen verbrannt. Nach vielen Operationen ist er seit Januar 2018 aber endgültig an seinen alten Arbeitsplatz zurückgekehrt. „Seitdem hatte ich keinen Krankheitstag mehr.“

Während der Aussage von Jürgen L. geht es auch um die Abläufe bei der BASF – wie etwa der sogenannte „Feuerschein“ für Sicherheit und Brandschutz, den sich die Arbeiter von Fremdfirmen täglich per Unterschrift von BASF-Verantwortlichen verlängern lassen müssen. Rechtsanwalt Klein, der Angehörige eines getöteten Feuerwehrmannes als Nebenkläger vertritt, geht bei seinen Fragen an den langjährigen BASF-Mitarbeiter ins Detail. Angerissen wird am zweiten Prozesstag außerdem das Thema der Kennzeichnung und Markierung von Leitungen im Rohrgraben. 

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass eine Aufarbeitung der Katastrophe vor Gericht noch viel Zeit in Anspruch nehmen könnte. Zum dritten Tag der Hauptverhandlung am 12. Februar sind weitere Zeugen geladen. 

Feuerwehrmann Andreas S.: Von Druckwelle ins Wasser geschleudert

Update 12:15 Uhr: Als zweiter Nebenkläger und Zeuge macht Andreas S. seine Aussage. Er istseit 2010 Werksfeuerwehrmann bei der BASF, saß am Unglückstag gemeinsam mit Reiner W. im ersten Löschfahrzeug. Als die Katastrophe eintritt, ist S. gemeinsam mit seinem Truppenführer am nächsten am Rohrgraben. Der 36-Jährige erklärt, wie er gerade den Wasserwerfer bereit machte. Sein Truppenführer hätte ihn noch gewarnt – doch bevor beide hätten fliehen können, wäre es zur Explosion gekommen.

Eine Feuerwalze fegt über Andreas S. hinweg. Durch die Druckwelle werden er und sein Kollege ins Hafenbecken geschleudert. S. erzählt sehr detailliert und gefasst, wie sich beide Unglücksopfer über Wasser gehalten hätten, bis das Rettungsboot eintraf. Seinen schweren Verletzungen ist sich der Feuerwehrmann da noch nicht bewusst – doch sein Körper ist so schwer verbrannt, dass er im Krankenhaus für eine Woche ins künstliche Koma versetzt werden muss. 

Andreas S. hat zahlreiche Hauttransplantationen hinter sich. Trotz der traumatischen Erlebnisse will er weiter als Feuerwehrmann arbeiten. Nach seiner vollständigen Genesung wartet eine Stelle in der Gefahrenabwehrplanung auf ihn. 

Die Aussage des Feuerwehrmannes lässt der Angeklagte Andrija K. mit ausdruckslosem Gesicht über sich ergehen. Er blickt mit verschränkten Armen auf den Tisch. 

Feuerwehrmann Reiner W.: „Alles war auf einmal ganz anders“

Update 10:30 Uhr:  Reiner W., seit 1988 Werksfeuerwehrmann bei der BASF, war zum Zeitpunkt des BASF-Unglücks als Löschmeister vor Ort. Dem 55-Jährigen sieht und hört man an, dass das Unglück nicht nur äußerliche, sondern auch seelische Narben hinterlassen hat. Im Prozess ist er Nebenkläger, sagt am Mittwoch als Zeuge aus. Alles habe  als ganz normaler Einsatz begonnen. Um kurz vor halb 12 sei der Notruf bei der Nordwache der Werksfeuerwehr eingegangen: „Brand im Rohrgraben“. W. saß im ersten Löschzug, der an der Einsatzstelle ankam. Zum Zeitpunkt der ersten Explosion stand er seitlich neben dem Feuerwehrfahrzeug, hinter dem großen Lösch-Lkw wacht er auf – die Hände mit Brandblasen übersät.

„Alles war auf einmal ganz anders“, erzählt W. Der Feuerwehrmann erleidet Verbrennungen an Händen, Rücken, Hinterkopf und Waden. Seit dem Unglück musste er sechs Mal operiert werden, ist bis zum heutigen Tage in psychologischer Behandlung. Von seinem Arbeitgeber habe er nach dem Unglück eine gute Betreuung erhalten. Ob er jemals wieder seine Arbeit aufnehmen wird, kann er nicht sagen. Ein Platz in der Tagschicht würde jedoch auf ihn warten – er müsse nie mehr ausrücken. 

Fortsetzung Prozess BASF-Explosion: Die Nebenklage sagt aus

Update 6. Februar, 6:25 Uhr: Der Prozess um die BASF-Explosion geht am Mittwoch (6. Februar) um 9:30 Uhr weiter. 

Der Angeklagte wollte beim Prozessauftakt am Dienstag vor Gericht nichts sagen, bevor sich nicht alle Zeugen geäußert haben. Heute werden die Aussagen von mehreren Zeugen erwartet, darunter auch vom Unglück betroffene Werksfeuermänner der BASF. 

Explosion BASF Ludwigshafen: Hauptverhandlung unterbrochen

Update 10:10 Uhr: Nach dem Verlesen der Anklage, wird die Hauptverhandlung unterbrochen

Grund: Auf die Frage hin, ob er sich am heutigen Verhandlungstag äußern will, sagt Andrija K. leise, dass er erst aussagen wolle, wenn alle Zeugen sich geäußert hätten. Die Aussagen der Nebenkläger sind für den zweiten Prozesstag am Mittwoch (6. Februar, 9:30 Uhr) angesetzt. 

Prozess-Auftakt zur BASF-Explosion

Update, 5. Februar, 9:30 Uhr: Der Gerichtssaal im Landgericht Frankenthal füllt sich mit Pressevertretern und Zuschauern. Es sind BASF-Mitarbeiter gekommen, aber auch Angehörige der Opfer. Auf der Seite der Nebenkläger sitzen Hinterbliebene eines getöteten Feuerwehrmanns, vertreten durch Rechtsanwalt Klein sowie mehrere verletzte BASF-Feuerwehrmänner, vertreten durch Rechtsanwalt Schabbeck.

Rechtsanwalt Alexander Klein, ein Vertreter der Nebenklage, vor Beginn des Prozesses. (Archiv)

Der angeklagte Andrija K. betritt den Gerichtssaal. Ein untersetzter Mann mit Brille, der den sechs Nebenklägern mit gesenktem Kopf und gefalteten Händen gegenüber sitzt, während die Anklage verlesen wird. Dem 63-Jährigen aus Bosnien-Herzegowina, dem während des Prozesses ein Dolmetscher zur Seite steht, wird fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen.

Er war als Schweißer einer externen Firma ab dem 13. Oktober 2016 bei der Sanierung einer Rohrleitungsbrücke eingesetzt. Am Montag, den 17. Oktober, ist er mit der Demontage der Rohrleitung Nr. 28 beschäftigt, die ausgetauscht werden soll. Einen Teil hat er bereits durchgeflext. 

Laut Anklage hätte der 63-Jährige dann auf einen Kran warten müssen, der das Rohr stabilisiert, bevor der zweite Schnitt gesetzt wird. Doch der Angeklagte hätte nicht gewartet, sondern gegen 11:20 Uhr den Trennschleifer auf der anderen Seite der Rohrbrücke angesetzt. Jedoch nicht an Rohr Nr. 28, sondern an der danebenliegenden Leitung. In „3 Uhr-Stellung“ habe er das Rohr Nr. 164 angeschnitten, das mit einem Buten-Gemisch gefüllt war. 

Oberstaatsanwalt Dieter Zehe: „Er hätte erkennen müssen, dass er einen Trennschleifer an einer falschen Leitung ansetzte." Der Angeklagte selbst erleidet bei der darauffolgenden Katastrophe Verbrennungen 2. und 3. Grades.

Externer Mitarbeiter schuld an Explosion in BASF? Staatsanwaltschaft erhebt Anklage!

Im April 2018 teilt die Staatsanwaltschaft mit, dass sie gegen den damals 62-jährigen Arbeiter einer Spezialfirma für Rohrleitungsbau Anklage erhoben hat. Diese lautete: Fahrlässige Tötung in fünf Fällen, fahrlässige Körperverletzung in 44 Fällen und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. 

Der Arbeiter der Spezialfirma, der selbst schwere Brandverletzungen erlitt, lässt durch seinen Verteidiger vortragen, dass er keine Erinnerung an der Vorfall habe und er die eingetretenen Folgen außerordentlich bedauere. Aufgrund psychischer Beeinträchtigungen sei er seit der BASF-Explosion nicht mehr arbeitsfähig.

Dem Mann wird vorgeworfen, dass er entgegen vorheriger Anweisungen eine falsche Rohrleitung angeschnitten und dadurch die Katastrophe verursacht habe. Sechs Minuten nach dem Schnitt sei es zu der Explosion gekommen. 

Prozess-Auftakt zur BASF-Explosion am 5. Februar 2019

Am 5. Februar 2019 gegen 9:30 Uhr startet im Frankenthaler Landgericht der Prozess gegen den mittlerweile 64-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 64-Jährigen fahrlässige Tötung sowie Körperverletzung und das fahrlässige Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor.
Rechtsexperten schließen eine Bewährungsstrafe für den Angeklagten nicht aus.

Die Staatsanwaltschaft will 42 Zeugen vernehmen und hat 10 Sachverständige benannt.

Fortsetzungstermine: 6.2., 12.2., 13.2., 19.2., 20.2., 26.2., 27.2., 12.3., 13.3., 19.3., 20.3., 26.3., jeweils 9:30 Uhr

Explosion BASF: Nicht jeder darf in den Prozesssaal

Für den Prozess hat das Landgericht Zugangsbestimmungen erlassen. Unter anderem ist zum Betreten des Sitzungssaals eine Einlasskarte nötig, die am Eingang des Gerichts in begrenzter Zahl ausgegeben wird.

Ursache der BASF-Explosion steht fest

Laut einer Analyse ist ein Schnitt an einem falschen Rohr alleinige Ursache für die tödliche BASF-Explosion. Das gibt die Staatsanwaltschaft Ende Dezember 2017 bekannt. 

Erste Fotos direkt von der Unglücksstelle

Der Mitarbeiter einer externen Spezialfirma für Rohrleitungsbau hat, dem Gutachten zufolge, mit einem Winkelschleifer eine Leitung angeschnitten, die nicht zum Projekt gehörte, an dem die Firma arbeitete. Das durch die Leitung fließendes Buten-Gemisch lief aus und entzündete sich durch den Funkenflug der Handmaschine. 

Der materielle Schaden durch die BASF-Explosion 

Bei dem Unfall war ein Schaden von zwei bis drei Millionen Euro an unmittelbaren und mindestens 500 Millionen Euro an mittelbaren Folgen entstanden - zum Beispiel Produktionsausfall.

Seit 2018 hat das BASF-Management ein neues Sparprogramm gestartet, mit dem das Unternehmen ab Ende 2021 zwei Milliarden Euro zum operativen Gewinn beisteuern will. Dafür werden Stellen angebaut, Kosten in Produktion, Logistik, Forschung und Entwicklung eingespart.

Ein Jahr nach der Explosion: BASF gedenkt der 5 Toten

Ein Jahr nach dem furchtbaren Unglück auf dem BASF-Gelände gedenkt der Chemie-Riese an die Opfer. Mehrere Gedenkveranstaltungen finden statt. Den Auftakt macht eine Gedenkfeier, bei der ausschließlich Mitarbeiter der Werksfeuerwehr eingeladen sind.

Auf dem Gelände der Feuerwache Nord der BASF werden in Anwesenheit von Wehrleuten, von durch die Explosion Verletzten und Angehörigen der Opfer vier Stelen eingeweiht. Auch andere Einsatzkräfte und BASF-Offizielle sind dabei. Später am Tag spricht auch der Ex-BASF-Chef Kurt Bock und Betriebsratschef Sinischa Horvat zu den trauernden Menschen. 

Die Opfer der furchtbaren BASF-Katastrophe

Durch den schrecklichen Unfall kommen fünf Menschen ums Leben, darunter vier Mitglieder der Werksfeuerwehr und ein Matrose auf einem Tankschiff. Seine Leiche wird im Hafenbecken der BASF gefunden.

BASF: Leiche aus Hafenbecken geborgen!

Zwei der Toten sind während des Einsatzes ums Leben gekommen, ein Feuerwehrmann stirbt am 29. Oktober in einem Krankenhaus. Ein weiterer Feuerwehrmann erliegt 11 Monate nach dem Unglück seinen Verletzungen. 

Ich bin zutiefst betroffen, dass wir unseren Mitarbeiter verloren haben. Wir haben bis zuletzt gehofft, dass er seine Verletzungen überwinden wird und trauern mit seiner Familie und seinen Angehörigen“, sagt der damalige BASF-Chef Kurt Bock. Die BASF-Mitarbeiter gedenken am 6. September um 11 Uhr mit einer Schweigeminute an den Verstorbenen. 

Hunderte Menschen trauern um BASF-Opfer

Am 30. Oktober 2016 findet ein bewegender Gottesdienst in Ludwigshafen statt, zu dem rund 500 Menschen kommen und an die Opfer des Unglücks gedenken. „Nichts ist mehr wie es bisher war“, sagt Pfarrerin Anne Henning, Notfallseelsorge-Beauftragte der Evangelischen Kirche der Pfalz.

Bewegender Gottesdienst für Tote und Verletzte des BASF-Unglücks 

Ex-BASF-Chef meldet sich nach dem Unglück zu Wort

Ich bin sicher, diese Woche beschäftigen uns alle dieselben Gedanken und Fragen: Die Trauer um die Verstorbenen, das Mitgefühl für die Familien und Angehörigen und der Wunsch, dass die Verletzten so schnell wie möglich wieder gesund werden“, so der ehemalige Unternehmenschef in einer an alle Mitarbeiter gerichteten Botschaft am 21. Oktober. Außerdem bedankt er sich bei allen Einsatzkräften.

Der Tag der BASF-Explosion

Es ist der 17. Oktober 2016. Um kurz vor halb 12 entsteht bei Rohrleitungsarbeiten ein kleiner Brand an einer Rohrleitung im Nordhafen. An den Rohren werden schon seit einigen Tagen Wartungsarbeiten vorgenommen.

Explosion erschüttert BASF-Gelände

Die Werksfeuerwehr der BASF rückt aus, dabei gerät eine Leitung am Tanklager in Brand und es kommt zu einer zweiten, heftigen Explosion. Laut BASF haben sich dabei Rohrleitungen mit Flüssiggas entzündet. Bei den ausgetretenen Gasen handelt es sich der BASF zufolge mit großer Sicherheit um Ethylen und Propylen. Ethylen werde unter anderem zur Herstellung von Dämmstoffen und Lösemitteln verwendet, Propylen werde unter anderem bei der Produktion von Autolacken und Klebstoffen benutzt. Während die Einsatzkräfte das Hauptfeuer löschen, fangen Fahrzeuge an zu brennen. 

BASF-Explosion: Der Katastrophenfall wird ausgerufen

In Ludwigshafen wird zwischenzeitlich der Katastrophenfall ausgerufen. 133 Menschen werden umgehend evakuiert und weitere Einsatzkräfte aus der Region rücken an. Zudem werden in der BASF die Steamcracker und 20 weitere Anlagen heruntergefahren. 

Eine Rauchwolke ist kilometerweit zu sehen. Auf sozialen Netzwerken werden sofort Videos, Fotos und Informationen ausgetauscht. Kurz darauf gibt die Warn-App ,Nina' die Meldung ,Brandereignis im Stadtgebiet Ludwigshafen' raus. Wenig später meldet die Katastrophen-Warn-App ,Katwarn', dass Anwohner in Friesenheim, Oppau, Edigheim und Pfingstweide nicht ins Freie gehen sollen.

Zum Zeitpunkt der ersten Pressekonferenz um 16 Uhr kann die BASF einen Toten sowie acht Verletzte vermelden. Sechs Personen werden bislang vermisst. Drei Stunden später wird der nächste Tote gemeldet und die Zahl der Verletzten steigt auf 8 Schwer- und 17 Leichtverletzte.

Bis Mitternacht dauern die Löscharbeiten und erst am Dienstagmorgen werden diese als beendet gemeldet. Taucher suchen im Hafen nach den Vermissten. Am Dienstagabend gibt die Stadt Entwarnung für die Ludwigshafener. Die beiden Steamcracker werden bereits drei Tage nach dem Unglück wieder hochgefahren. Das gesamte Werksteil Nord wird erst am 4. November von der Staatsanwaltschaft freigegeben. 

BASF-Explosion: Der Tag danach

Chemie-Katastrophen der Vergangenheit

Nicht nur das BASF-Unglück 2016 führt vor Augen, welche verheerenden Auswirkungen eine Chemie-Katastrophe haben kann. Bereits in der Vergangenheit haben sich viele tragische Unfälle ereignet, wie beispielsweise 1921 als bei einer BASF-Explosion 585 Menschen starben

Chemieunfall in Heidelberg am 2. Februar 2019

Erst am 2. Februar 2019 kommt es auf dem Gelände einer Firma in Heidelberg zu einem Chemieunfall. Beißender Rauch wird freigesetzt, die A5 muss nach dem Chemieunfall zeitweise gesperrt werden. Die Anlage ist mittlerweile stillgelegt.

Große Chemie-Katastrophen

jol

Kommentare