1. Ludwigshafen24
  2. Ludwigshafen

Ludwigshafen: BASF-Chef Brudermüller gegen Embargo von Erdgas aus Russland

Erstellt:

Von: Peter Kiefer

Kommentare

Ludwigshafen - Die BASF benötigt für ihre Anlagen russisches Erdgas. Jetzt spricht sich Konzern-Chef Brudermüller wegen der drastischen Folgen sogar gegen einen Importstopp aus:

Update vom 29. April: BASF-Chef Martin Brudermüller (60) hat sich gegen ein mögliches Embargo von Erdgas aus Russland ausgesprochen. „Wenn über Nacht die Erdgaslieferungen aus Russland wegfallen, würde das zu einer irreversiblen Schädigung der Volkswirtschaft führen“, sagte er am Freitag (29. April) bei der BASF-Hauptversammlung. Im Extremfall müsste BASF die Produktion im Stammwerk in Ludwigshafen komplett einstellen.

NameBASF SE
HauptsitzLudwigshafen am Rhein
Gründungsjahr6. April 1865
Mitarbeiter111.047 (Stand: 31. Dezember 2021)
Umsatz78,6 Mrd. Euro (Stand: 2021)

BASF-Boss Brudermüller: „Wir sehen das wie die Bundesregierung“

„Wir sehen das wie die Bundesregierung“, sagte Brudermüller. „Sie hat sich gegen ein Erdgas-Embargo ausgesprochen. Wir halten diese Linie für die richtige.“ Deutschland sei sehr stark abhängig von russischem Erdgas. „Russland deckt rund 50 Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs. Damit bilden die russischen Gaslieferungen die Basis für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie. Auch für BASF in Ludwigshafen. Das sind Realitäten“, mahnt Brudermüller.

Das Unternehmen beziehe kein Gas und kein Öl direkt aus Russland, sondern von westeuropäischen Lieferanten, so der BASF-Boss:. „In deren Portfolio ist aber auch Erdgas aus Russland. Und damit auch in einem ähnlichen Verhältnis bei BASF am Standort in Ludwigshafen. Um es klar zu sagen: Eine kurzfristige Lösung, Erdgas aus Russland zu ersetzen, gibt es nicht.“

Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender des Chemiekonzerns BASF. (Fotomontage)
Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender des Chemiekonzerns BASF. (Fotomontage) © Uwe Anspach/picture alliance/dpa

Priorität von Politik und Wirtschaft müsse sein, sich aus dieser Abhängigkeit so schnell wie möglich zu befreien, sagte Brudermüller. „Wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen, um unsere Abhängigkeit von russischem Gas am Standort Ludwigshafen möglichst zügig zu reduzieren.“ Das alles gehe jedoch nicht auf Knopfdruck.

BASF in Ludwigshafen: Bei Gas-Stopp – Experte warnt vor schlimmen Folgen

Update vom 28. März: Alarmierende Prognose von Wirtschaftsexperte Michael Vassiliadis! Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und Präsident des europäischen Verbunds der Industriegewerkschaften warnt vor den schlimmen Folgen eines Embargos auf russisches Gas und Erdöl für die BASF! Und der 58-Jährige weiß genau, wovon er spricht: Seit August 2014 ist er Vize-Aufsichtsratsvorsitzender bei BASF.

Michael Vassiliadis
Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, spricht bei einer Pressekonferenz. © Moritz Frankenberg/dpa/Archivbild

Gewerkschafts-Boss warnt vor Kurzarbeit und Massen-Arbeitslosigkeit

„Bei 50 Prozent Reduktion – also nicht 100 Prozent – würde der Standort Ludwigshafen, der größte Chemiestandort der Welt, heruntergefahren werden müssen“, prophezeit Vassiliadis im Interview mit dem „Deutschlandfunk“ am Montag (28. März). Insgesamt sei der Standort nicht mehr „stabil zu fahren“. „Ist ja nicht so, als so ob man zwei, drei Geräte ausschaltet.“

Und damit würde die gesamte Produktion nicht mehr zur Verfügung stehen und müsste komplett auf Null heruntergefahren werden müssen: „Alle würden in Kurzarbeit gehen oder ihren Job verlieren.“ Seine düstere Prognose: Ohne Kompensation, sprich adäquaten Ersatz für russische Energien, drohen Hunderttausende Arbeitslose plus Auswirkungen in der Versorgung. Zudem würden an allen Ecken die Produkte fehlen, die in Ludwigshafen hergestellt werden.

BASF in Ludwigshafen: Gas aus Russland – So hart würde Importstopp den Chemie-Riesen treffen

Erstmeldung vom 18. März: Der gnadenlose Krieg in der Ukraine hat auch immer mehr Folgen für die deutsche Wirtschaft und somit auch für die Bevölkerung in Deutschland. Grund sind die massiv steigenden Energie- und Rohstoffpreise. Um Aggressor Wladimir Putin (69) den Geldhahn abzudrehen, fordern immer mehr Experten einen sofortigen Importstopp von russischem Gas. Doch welche Folgen hätte das?

Ludwigshafen: „Unverzichtbar“ – darum geht es bei BASF nicht ohne Russen-Gas

Laut Chemie-Riese BASF hätte ein kompletter Verzicht auf Gas aus Russland massive Auswirkungen auf den Standort Ludwigshafen. Und der Konzern findet auf SWR-Anfrage deutliche Worte: Eine kontinuierliche Belieferung mit russischem Gas sei sogar unverzichtbar.

Denn sollte weniger Erdgas verfügbar sein, würde sich dies laut BASF nämlich gleich doppelt auswirken: Zum einen würde schlichtweg nicht mehr genug Energie für die Produktionsanlagen in der Chemiestadt zur Verfügung stehen. Zum anderen ist Erdgas ein wichtiger Rohstoff für viele BASF-Produkte, der vielerorts fehlen würde.

Die BASF betreibt Ammoniakanlagen mit einer Gesamtkapazität von über 1,7 Millionen Tonnen wie hier in Ludwigshafen, Antwerpen und gemeinsam mit YARA in Freeport (USA).
Die BASF betreibt Ammoniakanlagen mit einer Gesamtkapazität von über 1,7 Millionen Tonnen wie hier in Ludwigshafen, Antwerpen und gemeinsam mit YARA in Freeport (USA). © BASF SE

BASF: Ammoniakproduktion schon einmal wegen hoher Preise gedrosselt

Zur Erinnerung: Erst Ende September 2021 hatte die BASF verkündet, ihre Ammoniakproduktion (Grundstoff für Dünger) an den Standorten Antwerpen und Ludwigshafen zu drosseln. Schuld auch da schon: der Anstieg der Erdgaspreise in Europa. Dadurch hätten sich „die Bedingungen für den wirtschaftlichen Betrieb einer Ammoniakanlage in der Region erheblich verschlechtert“.

Ob es aufgrund der aktuellen Situation zu weiteren Einschnitten in der Produktion kommt, wollte die BASF dem SWR nicht sagen. Dagegen haben die Chemieverbände Rheinland-Pfalz mit Sitz in der Ludwigshafener Bahnhofstraße gemahnt, dass schon alleine die anhaltende Debatte um ein russisches Gas-Embargo die Verunsicherung in den Unternehmen weiter verschärfen würde.

Wirtschaftsminister Habeck gegen Importstopp von russischem Gas

Was die BASF und andere Mitbewerber der Chemiebranche beruhigen dürfte: Bislang lehnt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (52, Grüne) ein EU-Embargo bezüglich Energielieferungen aus Russland ab. Und das, obwohl er laut eigenen Worten jeden verstehe, „der wegen Putins brutalem Angriffskrieg ein sofortiges Embargo fordert“.

Als Minister stehe er „in Verantwortung für das gesamte Land“. Habeck müsse genau abwägen, weil als Konsequenz tiefe ökonomische und soziale Einschnitte drohen. Bei einem sofortigen Importstopp käme es zu Versorgungsengpässen im nächsten Winter, Einbrüchen in der deutschen Wirtschaft und hoher Inflation. Hunderttausende Menschen würden ihre Jobs verlieren!

Robert Habeck: Im Kampf gegen die hohen Spritpreise hat der Bundeswirtschaftsminister jetzt das Kartellamt gebeten, die Entwicklung sehr genau hinzuschauen.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist gegen ein EU-Embargo bezüglich russischer Energielieferungen. © Michael Kappeler/dpa

Übrigens: Unser LUDWIGSHAFEN24-Newsletter informiert Dich regelmäßig über alles Wichtige, was in Deiner Stadt und Region passiert.

Vielmehr setzt Habeck auf die bereits beschlossenen Wirtschaftssanktionen, die Russland hart treffen würden. Am Wochenende fliegt Habeck nach Katar um über Flüssiggaslieferungen zu verhandeln. (dpa/pek)

Auch interessant

Kommentare