Karrierefalle Kind?

So gelingt Frauen der Wiedereinstieg nach der Babypause

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Nach der Babypause wieder in den Job einsteigen? Mit diesen Tipps wird es leichter.

Hurra, endlich schwanger! Doch in die Freude mischt sich schnell Sorge: Was heißt das für meine Karriere? Werde ich meinen Job weitermachen können, wenn ich aus der Babypause zurückkomme?

Noch immer herrscht in Deutschland leider Nachholbedarf, was die Vereinbarkeit von Kind und Job betrifft. Gerade Frauen in Führungspositionen, die nach der Babypause in Teilzeit wieder einsteigen möchten, müssen sich meist anhören: Führung in Teilzeit? Geht nicht!

Krippe und Schichtdienst? Das verträgt sich nicht

Doch auch für Frauen, die keine Teamverantwortung haben, ist der Wiedereinstieg in den Job nicht einfach. Schichtdienst etwa lässt sich in den seltensten Fällen mit den Öffnungszeiten einer Krippe vereinbaren. Und allzu oft bekommen Frauen von vorneherein den Mutti-Stempel aufgedrückt: „Wenn die wiederkommt, macht sie nur noch Dienst nach Vorschrift – und dann ist das Kind sicher dauernd krank“, so oft die Vorurteile von Kollegen und Vorgesetzten.

Das Resultat: Zwei von drei Kleinkind-Müttern in Deutschland arbeiten erst gar nicht, so die Zahlen des Statistischen Bundesamts. Und wenn, dann meist in Teilzeit. Traurige Zahlen für ein Land, in dem Fachkräftemangel herrscht.

Doch Jammern hilft nicht weiter – und viele Schwierigkeiten können Sie mit einer guten Planung vermeiden oder zumindest abmildern. Bevor Sie die Flinte ins Korn werfen, machen Sie sich bewusst, was Sie können und was Sie wert sind und gehen Sie dann mit gut durchdachten Argumenten und erhobenen Hauptes ins Gespräch mit Ihrem Chef – und zwar frühzeitig. Denn zu Beginn Ihrer Schwangerschaft fragt sich Ihr Vorgesetzter noch, wie der Laden jemals ohne Sie laufen soll.

 1. Planen Sie gründlich und frühzeitig

Erst mal abwarten und alles auf sich zukommen lassen? Auch wenn es verlockend klingt, ist das eine schlechte Idee. Damit der Wiedereinstieg in den Job nach der Babypause gelingt, ist eine gute Planung das A und O. Überlegen Sie sich schon in der Schwangerschaft, wie lange Sie zu Hause bleiben möchten und ob Sie in Voll- oder Teilzeit wieder einsteigen wollen. Sprechen Sie mit Ihrem Chef über Ihre Pläne – und das so konkret wie möglich. Sagen Sie nicht: „Ich möchte Teilzeit arbeiten“ sondern nennen Sie die Themen, die Sie künftig weiter betreuen möchten und die, die Sie abgeben wollen.

2. Organisieren Sie die Kinderbetreuung

Gerade in Großstädten ist es nicht unüblich, sich noch in der Schwangerschaft um einen Krippenplatz oder um eine Tagesmutter zu bemühen. Verschlafen Sie die Anmeldefristen nicht – sonst müssen Sie sich womöglich anhören: „Krippenplätze? Vielleicht nächstes Jahr wieder.“ Loten Sie alle Möglichkeiten aus: Staatliche Krippen, private Plätze, Elterninitiativen, Tagesmütter, Omas. Auch wenn der Bewerbungsmarathon keinen Spaß macht: Besser, Sie haben eine Zusage zu viel, als eine zu wenig.

Ein Wort zum Thema Homeoffice: Viele Frauen unterschätzen die Zeit, die Ihnen zu Hause zum konzentrierten Arbeiten bleibt. Auch wenn Babys viel schlafen, tun sie das selten lange am Stück. Und wenn, dann fällt es übernächtigten Frisch-Mamis meist schwer, sich voller Elan ihrer Powerpoint-Präsentation zu widmen.

3. Informieren Sie sich über Ihre Rechte

„Teilzeit? Gibt’s bei uns nicht.“ Das müssen Sie nicht einfach so hinnehmen: Arbeiteten Frauen in einem Betrieb mit mehr als 15 Beschäftigten, haben sie einen Anspruch auf eine Erwerbstätigkeit in Teilzeit. Voraussetzung ist, dass das Arbeitsverhältnis vor der Babypause mindestens sechs Monate bestand.

Zwar muss Ihr Arbeitgeber Sie nach der Babypause wieder einstellen. Aber er muss Ihnen nicht die gleichen Aufgaben zuteilen, wie vorher. Manche Arbeitgeber nutzen dies, um Mütter aus dem Betrieb zu ekeln. Vorher Controlling-Leiterin, anschließend Empfangsdame? Achtung: Das ist nicht erlaubt. Sie haben Anspruch auf das, was in Ihrem Arbeitsvertag steht. Das heißt, Ihre neue Position muss bezüglich Aufgaben, Gehalt, Arbeitszeit, Ort und notwendiger Qualifikation gleichwertig sein.

4. Halten Sie Kontakt

Aus den Augen, aus dem Sinn – das geht leider schneller, als viele Frauen denken. Signalisieren Sie Ihrem Vorgesetzten und Ihren Kollegen: Mich interessiert weiterhin, wie es in der Firma läuft. Sicher wollen Sie den Kollegen ohnehin gerne Ihr Baby zeigen. Das ist ein guter Anlass, um nachzuhaken: Was läuft bei euch gerade? Sorgen Sie dafür, dass Sie auf den wichtigen E-Mail-Verteilern sind und überfliegen Sie zumindest sporadisch, was gerade im Büro los ist. Lassen Sie sich außerdem bei Sommer-, Weihnachtsfesten oder Betriebsausflügen blicken.

Suchen Sie sich eine nette Kollegin, die Sie etwa einmal im Monat über das Neuste informiert  – am Telefon oder bei einem Kaffee. Sprechen Sie auch mit anderen Müttern in Ihrer Firma, wie sie den Neuanfang hinbekommen haben – dann haben Sie schon ein paar Anhaltspunkte, wo es beim Wiedereinstieg nach der Babypause haken könnte und können frühzeitig reagieren.

5. Entdecken Sie Ihre neuen Stärken

Zu guter Letzt: Auch, wenn es beim Wiedereinstieg nach der Babypause erst mal hakt und ruckelt: Lassen Sie nicht gleich den Kopf hängen. Viele Mütter merken nach anfänglichen Schwierigkeiten, dass Ihnen die Abwechslung zwischen Job und Familie gut tut und neue Impulse gibt. So manche Mama staunt darüber, was sie in Teilzeit alles gewuppt bekommt – und so mancher Chef nicht weniger. Organisierter, fokussierter, nervenstärker – so erleben sich viele Frauen nach der Babypause. Und mal ehrlich: Diese Fähigkeiten braucht man in jedem Job.

von Julia Baaken

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