"Völlig sinnfrei" oder "überfällig"?

Polizei zieht Bilanz zur "Aktion plus5" 

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Keine andere Aktion teilte die Meinungen so stark wie die "Aktion plus5"...

Heidelberg - Die Präventionsmission "Aktion plus5" der Polizei Mannheim war in den letzten Wochen ein umstrittenes Thema. Nun zieht die Polizei Bilanz mit durchaus positiven Entwicklungen...

Die "Aktion plus5", bei der die Polizei Mannheim "Jagd" auf Verkehrssünder machte: Ein Thema, das in den letzten Wochen die Geister scheidete. Für einige eine "völlig sinnfreie Aktion". Für viele aber auch, eine "gute und längst überfällige Idee". 

"Konzertierte Maßnahmen zur Verhaltensänderung im Straßenverkehr sollen Unfälle mit Radfahrenden in Heidelberg wirkungsvoll und nachhaltig reduzieren", so lautete das angestrebte Ziel der Aktionsgemeinschaft plus5.

Der Start der Aktion:  Durch die begleitenden Plakat- und Banneraktionen im Bereich der Ernst-Walz-Brücke und in der Plöck prägte sich die Aktion plus5 schnell bei vielen Verkehrsteilnehmern ein und erhielt einen verbreiteten Bekanntheitsgrad.

Vom Start am 10. Juli bis zum am 8. Oktober wurden stichprobenweise Radfahrer und Autofahrer die gegen Regeln verstoßen hatten, aus dem Verkehr gezogen. 

Das Medieninteresse war unerwartet groß - Auch HEIDELBERG24 berichtete regelmäßig über die Kontrollen. 

Ein regelrechter Meinungskampf und gegenseitige Schuldzuweisungen entfachten zwischen Radfahrern und Autofahrern!

Die Polizei meint dazu:"Viele Pro-Radfahrer argumentieren und fordern dabei verstärkt Maßnahmen gegen Autofahrer. Die Einsicht, dass ein situationsbezogener Verzicht auf "sein Recht" Verletzungen vermeiden hilft, ist bei diesen Wortführern leider (noch) nicht vorhanden."

Erste Erfolge sind zu verbuchen: Die Mission war zwar überwiegend präventiv ausgerichtet, dennoch wurde an Strafen und Verwarnungen nicht gespart. 

Entlang der Unfall belasteten Eppelheimer Straße wird jedoch bereits deutlich weniger auf dem Radweg geparkt.

Auch die dreiwöchige Denkzettelaktion wurde von den ertappten Radfahrern überwiegend positiv bewertet. Ein erster Rückgang bei den "Geisterfahrern" ist feststellbar. Lag deren Anteil bei Tagesmessungen im Juli noch über 22 Prozent, nahm dieser bis Anfang Oktober kontinuierlich ab und liegt jetzt bei unter 15 Prozent.

Aber wie sieht es bei den Radunfällen aus?

Wird das Synonym "plus5 - Minuten die schützen" auf das eigene Verhalten angewandt und wird auch defensiver gefahren? 

Eine Stichprobe aus der aktuellen Unfallstatistik des Polizeipräsidiums Mannheim am 10. Oktober ergab ein sehr überraschendes Ergebnis:

Beim Vergleich der Summe an Radunfällen in den Monaten August und September mit den Zahlen des Vorjahres ist ein Rückgang um 25,4 Prozent feststellbar. Während die von Radfahrern schuldhaft verursachten Unfälle leicht von 22 auf 24 anstiegen, nahm die Zahl der überwiegend durch motorisierte Verkehrsteilnehmer verursachten Radunfälle um 45,9 Prozent von 37 auf 20 ab. 

Erwartungsgemäß gab es dabei im August weniger Unfälle als im September, da durch das Ferienende im September auch die Radfahrfrequenz deutlich zunimmt. Dieses auch bei den schuldhaft von Radfahrern verursachten Unfällen zu erwartende Phänomen ist jedoch genau gegenläufig. Im August verursachten 16 Radfahrer einen Verkehrsunfall und im September waren es nur noch 8.

Zeigen diese Ergebnisse ein deutliches Umdenken in den Köpfen der Radfahrer und Autofahrer?

Die Polizei sagt dazu klar: NEIN. 

"Es ist zu früh, diesen kurzfristigen Effekt auf eine verbesserte Einsicht in die eigenen Risiken zurückzuführen. Offensichtlich ist jedoch, dass sowohl Radfahrer, als auch motorisierte Verkehrsteilnehmer besser aufgepasst haben und möglicherweise mehr Rücksicht aufeinander genommen haben", so Polizeidirektor Dieter Schäfer von der Aktionsgemeinschaft plus5.

Zur Transparenz gehört natürlich auch die Kostenfrage:  Mit 5.527,15 Euro öffentlicher Mittel zur Finanzierung u.a. der Aktionshomepage, des Präventionsfilms, der Plakat- und Bannerwerbung und der Denkzettel, die sich die vier großen Start-Partner teilen, wurde insbesondere die für die Öffentlichkeitsarbeit notwendige Außenwirkung der Aktion sehr gut erreicht.

Trotz der ersten erfreulichen Zwischenbilanz liegt noch viel Arbeit bei der Unfallprävention.

Ob das Ziel einer wirkungsvollen Verhaltensänderung erreicht werden kann, wird sich in den nächsten Jahren erst zeigen. Die Aktion hat es bisher immerhin geschafft, durchgängig im Gespräch zu bleiben.

2015 wird die "Aktion plus5" fortgesetzt. Gleich zu Beginn der Radfahrsaison 2015 sollen die Denkzettel-Aktion und die Brötchentüten-Aktion wiederholt werden, um die Präventionskampagne wieder ins Bewusstsein der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer zu bringen.  

pol/nis 

Quelle: Heidelberg24

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