Täglich grüßt der Stau!

HEIDELBERG24 wagt sich ins Verkehrschaos im Neuenheimer Feld!

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Heidelberg-Neuenheim - Wer morgens ins ‚Feld‘ muss oder abends von dort nach Hause will, ist froh, wenn er auf ein Zweirad zurückgreifen kann. Mit dem Auto wird die Reise schnell zur Tortur:

Verkehrschaos im ‚Feld‘. 

Der Weg zur Arbeit oder von der Arbeit nach Hause ist für viele Angestellten im Neuenheimer Feld eine echte Qual. Wer nicht das Glück hat, in der Nähe zu wohnen und mit dem Rad ‚ins Feld‘ pendeln zu können, braucht mit dem Auto allein für die gut drei Kilometer lange Strecke zwischen Zoo und Autobahnzubringer über die Berliner Straße oft mehr als eine halbe Stunde, an schlechten Tagen sogar eine Stunde.

Selbsttest

Mitte Juli haben wir einen Selbsttest gemacht und uns in den Feierabendverkehr begeben. Auch wenn wir ein wenig abgekürzt haben und uns ‚nur‘ die Strecke ab Mathematikon über die Berliner Straße zur Mittermaierstraße/Ecke Bergheimer Straße ‚gegönnt‘.

Wir machen den Test: Wie lange brauchen wir vom Mathematikon bis über die Brücke?

Unsere Gedanken zur Verkehrssituation und unser Fazit siehst Du im Video:

Fazit: Für die knapp 1,5 Kilometer lange Strecke brauchen wir gut eine halbe Stunde – wären wir vom Zoo oder vom Springer Verlag losgefahren, hätte es sicher deutlich länger gedauert.

Das ‚Feld‘ vor dem Verkehrskollaps?

Seitdem die Universitätsklinik um das Jahr 2013 herum alle restlichen Klinikbereiche außer der Psychiatrie aus dem Bergheimer Altklinikum ins Neuenheimer Feld verlagert hat, spitzt sich die Verkehrssituation rund um das Campus-Areal weiter zu. 

Rund 1,1 Millionen Patienten wurden beispielsweise im Jahr 2016 im Neuenheimer Feld ambulant behandelt, dazu kommen jährlich rund 500.000 Zoobesucher und etwa 100.000 Besucher des Tiergartenschwimmbads. Besucher von Sportveranstaltungen am Olympiastützpunkt/ISSW oder der Rugbyclubs sind genauso wenig eingerechnet wie die rund 15.000 Angestellten, die in den Kliniken, Instituten und weiteren Einrichtungen im Feld arbeiten. Hinzukommen zudem rund 18.000 Studenten, die auf dem Campus beheimatet sind.

Die Berliner Straße – Hauptachse zum einzigen ‚echten‘ Feldzubringer, der ab Mathematikon einspurigen Straße „Im Neuenheimer Feld“ – wird laut Erhebungen aus den Jahren 2016/17 von 29.000 Fahrzeugen pro Tag befahren. Aus der gleichen Studie geht hervor, dass die Berliner Straße täglich auch von rund 20.000 Fahrrädern genutzt wird.

Indes ist der öffentliche Nahverkehr im Campus-Areal ausbaufähig: Lediglich zwei Buslinien bedienen das Feld, zudem fahren zwei Straßenbahnlinien über die Berliner Straße. Gegen die „Campus-Bahn“, die durch das Gebiet fahren sollte, opponierte allerdings die Uni, da bestimmte Einrichtungen Angst um hochtechnologische Geräte hatten. Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) stoppte 2016 das Bauvorhaben schließlich. 

Klinikmitarbeiter fordern Verkehrskonzept

Wer sich zu Stoßzeiten mit dem Auto ins Feld begibt, muss zusätzliche Wartezeit einrechnen. Immer wieder können Klinikmitarbeiter oder Patienten Sprechzeiten und Termine nicht verlässlich einhalten. 

Stau auf der Berliner Straße.

Ende Juni übergaben Mitarbeiter des Uniklinikums Oberbürgermeister Eckart Würzner fast 3.000 Unterschriften. In einer entsprechenden Petition fordern sie vom Stadtoberhaupt ein verlässliches Verkehrskonzept für das Neuenheimer Feld

Das soll zwar mit dem „Masterplan Neuenheimer Feld“ kommen, den der Gemeinderat im Sommer 2017 beschloss. Unter Beteiligung der Öffentlichkeit wollen Stadt, Uni und Land Baden-Württemberg bis Ende 2019 gemeinsam entscheiden, wie das ‚Feld‘ weiterentwickelt und ausgebaut werden kann. Vier internationale Planungsbüros sollen stadtplanerische und verkehrliche Entwicklungskonzepte für das Gebiet liefern. Diese sollen dann erneut diskutiert und im Masterplan umgesetzt werden. Bis das aber soweit ist, wird es noch einige Jahre dauern.

Währenddessen wird sich zu Hauptverkehrszeiten in der Berliner Straße wohl weiterhin ein Lindwurm an Fahrzeugen stauen …  

Welche Verkehrsideen diskutiert werden

Seit vielen Jahren wird in Heidelberg diskutiert, wie die angespannte Verkehrssituation im Neuenheimer Feld verbessert werden kann. Dabei werden unterschiedliche Ansätze vorgebracht:

Ausbau Klausenpfad

Eine Variante bringt den Ausbau des Klausenpfads zwischen Campus und Handschuhsheimer Feld ins Spiel. Die Uni könnte sich sogar einen vierspurigen Ausbau vorstellen, um die Straße „Im Neuenheimer Feld“ zu entlasten. Viele Anwohner und Interessengemeinschaften sehen dadurch aber das Naherholungsgebiet Handschuhsheimer Feld gefährdet.

Autobahnzubringer Nord

Ebenfalls nach Norden blickt die Idee eines separaten Autobahnzubringers zur A5 in Richtung Dossenheim. Die Autobahn quert in rund drei Kilometer Entfernung vom ‚Feld‘ den Neckar. Eine direkte Verbindung nach Norden könnte die Verkehrssituation deutlich entzerren, finden viele. Gegen diese Idee wehren sich allerdings Gärtner und Naturschützer. Umsetzen ließe sich der Nordzubringer aber vielleicht mit einem Tunnel, der bis zur Autobahn unter dem Handschuhsheimer Feld durchführt.

Weitere Neckarbrücke

Kontrovers wird seit Jahren auch eine fünfte Neckarquerung diskutiert, die vom Autobahnanschluss Wieblingen in der Verlängerung des Kurpfalzrings aus über den Neckar und direkt ins ‚Feld‘ führen soll (s. Karte). Aus Sorge um das Stadtbild und Angst vor Lärm regt sich in Wieblingen heftiger Widerstand gegen diese Variante.

Seilbahn

Die SPD schlägt eine Seilbahn als alternatives Verkehrsmittel vor, in der Pendler und Patienten ins Neuenheimer Feld ‚schweben‘ können. Laut der Arbeitsgruppe „Smart Mobility“, die Idee erarbeitet hat, könnte die Seilbahn von der S-Bahn-Station Pfaffengrund/Wieblingen mit Zwischenhalt am Autobahnzubringer über den Neckar ins ‚Feld‘ führen. Verkehrsexperten sehen die Idee wegen der langsamen Geschwindigkeit der Seilbahn allerdings als ineffizient. 

Radbrücke

Eine Radbrücke östlich vom Wieblinger Wehr soll an die Radhauptachse zwischen Mannheim und Schwetzingen angebunden werden und dafür sorgen, dass sich mehr Menschen mit dem Rad ins Neuenheimer Feld kommen. Das rund 10 Millionen Euro teure Bauwerk soll 2021 stehen, stellt für Patienten aber wohl weniger eine echte Verkehrsalternative dar.  

rmx/jol

Quelle: Heidelberg24

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