Sportflächen im Fokus

Projektträger wollen Betrachtungsraum für Masterplan Neuenheimer Feld erweitern

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Vorstellung der überarbeiteten Konzepte für den „Masterplan Neuenheimer Feld“

Heidelberg - Die zweite Stufe des Masterplanverfahrens geht in die Entscheidungsphase. Die Projektplaner wollen den Betrachtungsraum erweitern. Was diskutiert wird:

Die zweite Stufe des Masterplanverfahrens Neuenheimer Feld geht in die heiße Phase. Vor dem Gremienlauf schlagen die drei Projektträger – Ruprecht-Karls-Universität, Stadt Heidelberg und Land Baden-Württemberg – vor, den Betrachtungsraum zu erweitern! In einer Sondersitzung sollen die Bezirksbeiräte Bergheim, Handschuhsheim, Neuenheim und Wieblingen beraten, ob die Sportflächen zwischen Jugendherberge und Tiergartenschwimmbad (in Karte gelb markiert) in die Entwürfe der vier Planungsbüros einbezogen werden können. 

Die vorgeschlagenen Erweiterungsflächen liegen derzeit außerhalb des Betrachtungsraums. Sollten die Planer die Sportflächen anderweitig verplanen, müssten sie innerhalb des Betrachtungsraums Ersatz finden.  

Alle Planungsbüros sollen weiter an Masterplan für Neuenheimer Feld arbeiten

Zudem wollen die Projektträger, dass alle vier Planungsbüros weiter an einem Konzept für das Neuenheimer Feld arbeiten. Statt bisher zwei Konzepten sollen die Planer allerdings die positiv bewerteten Lösungsansätze beider Varianten als Grundlage für jeweils einen Entwicklungsansatz nehmen. Auch über diesen Vorschlag sollen die Bezirksbeiräte in der gemeinsamen Sondersitzung am Montag (29. April, 18 Uhr) beraten.   

Beide Vorschläge beziehen sich auf die dritte Stufe des Masterplanprozesses für das Neuenheimer Feld. In dieser Phase sollen Lösungsansätze zu Entwicklungsperspektiven verdichtet werden. 

Ende März beschloss der Gemeinderat ein Sofortprogramm von 27 Maßnahmen, die die Verkehrssituation im Neuenheimer Feld verbessern sollen. Zuvor hatte es hitzige Diskussionen über einen angedachten Bus gegeben, der zwischen einem Pendlerparkplatz bei Dossenheim und dem Neuenheimer Feld durch das Handschuhsheimer Feld hätte fahren sollen.

2019 rückt die Uniklinik in den Fokus der Schlagzeilen: Ein zunächst medial gefeierter Bluttest für Brustkrebs wird für die Klinik immer mehr zum PR-Desaster.

Masterplan Neunheimer Feld: Brücke, Seilbahn, Verdichten, Aufweiten – das sind die Planer-Ideen fürs ‚Feld‘

Grundtext vom 13. Februar: Wie soll sich das Neuenheimer Feld in den kommenden Jahrzehnten entwickeln? Dieser Frage soll ein Masterplan einen rechtlichen und städtebaulichen Rahmen geben.

Rund 400 Zuschauer und Interessierte kommen am Dienstagabend (12. Februar) in den Großen Hörsaal. Dort stellen die vier am „Masterplanverfahren Neuenheimer Feld“ beteiligten Planungsbüros ihre überarbeiteten Entwürfe vor. Und die Reaktionen der drei Projektträger (Stadt, Uni, Land) auf die Präsentationen könnten unterschiedlicher nicht ausfallen.

Entwürfe für Masterplan Neuenheimer Feld: Der Stadt gefällts, der Uni nicht

Während Baubürgermeister Jürgen Odszuck nach den jeweils 20-minütigen Konzept-Vorstellungen begeistert von den „krass unterschiedlichen Entwürfen“ ist, gibt sich Uni-Kanzler Dr. Holger Schroeter weniger enthusiastisch: „Mobilität hat für uns, unsere Arbeitnehmer und unsere Patienten eine große Bedeutung“, sagt Schroeter. „In den Entwürfen ist der Individualverkehr allerdings stark limitiert.“ Eine von den Planungsteams angedachte Querung des Areals durch den ÖPNV ist für die Uni laut Schroeter keine Option: „Uns ist es wichtig, den Campus verkehrsfrei zu halten.

Bernd Müller, Leiter des Amts Vermögen und Bau Mannheim und Heidelberg, und damit Vertreter des Landes Baden-Württemberg, freut sich darüber, dass alle Entwürfe innerhalb der blauen Linie des festgelegten Betrachtungsraums (s. Karte) bleiben und das Handschuhsheimer Feld über den Hühnerstein hinaus nicht angefasst wird. „Auch wenn wir nach wie vor ein Problem haben, innerhalb dieses Areals qualitativ zu verdichten, können wir mit diesen Ergebnissen weiterarbeiten“, findet Müller. Jetzt müsse man „genauer hinschauen, dass auch alle Einrichtungen noch einen Platz haben, sowie an Machbarkeit und Umsetzbarkeit denken.

Ein Punkt, den Schroeter aufgreift, schließlich müsse man die Entwürfe auch finanziell umsetzen können. „Vielleicht“, so der Uni-Kanzler, „sollten wir im Forschungscampus nicht die gleichen städtebaulichen Benchmarks anlegen wie woanders. Wir wollen den Campus so gestalten, dass sich Studierende und Arbeitnehmer hier wohlfühlen und optimal forschen und arbeiten können“, erkärt Schroeter.

Das Neuenheimer Feld ist ein öffentlicher Teil Heidelbergs, der auch städtebaulich wichtig ist“, widerspricht Bürgermeister Odszuck unter großem Applaus des Publikums. „Wir wollen hier alle Interessen gleichermaßen zufriedenstellen können.“ 

Masterplan Neuenheimer Feld: Wie die Planer den Campus entwickeln wollen

- C.F. Møller

Das Team von C.F. Møller (Aarhus) sieht das Neuenheimer Feld als „Zelle in einem Stadtorganismus“ und will städtebauliche Prinzipien schaffen, die die Campusentwicklung hinsichtlich Mobilität, Freiraum, Nachhaltigkeit, Infrastruktur steuern soll.

Verkehrsprobleme sollen nicht im Neuenheimer Feld gelöst werden, sondern im gesamten Stadtraum, so die Planer. Dazu müssten viele Maßnahmen ineinander greifen: etwa über separate Radwege oder ein ÖPNV-Wegesystem, das in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung ans bestehende Netz angebunden ist. Eine Brücke nach Westen hin (Richtung Wieblingen) und eine Öffnung des Nadelöhrs nach Norden (zumindest für Logistik und Notfallfahrzeuge) könne die Erschließung des Campus für den Individualverkehr (IV) ermöglichen, auch wenn das Ziel ein autofreier Campus sei. 

Zusätzlich sollen Park&Ride-Plätze in Wieblingen oder in A5-Nähe bei Dossenheim bereits einen teil des IV abfangen. Für die verkehrliche Erschließung müsste der Klausenpfad erweitert, die Berliner Straße könne zu einer Stadtallee umfunktioniert werden, finden die Dänen.

Modell von C.F. Møller (Aarhus).

Dafür soll der Campus über ein grünes Wegenetz verbunden werden, eine Promenade soll den Neckar zugänglich machen, Stadtplätze und grüne Freiräume die Aufenthaltsqualität im Areal erhöhen. Eine zum Handschuhsheimer Feld abflachende Bebauung am Hühnerstein soll einen Übergang zu Natur und Landwirtschaft schaffen.   

- Kerstin Höger

Für den avisierten Bedarf kommen wir vorerst ohne die Versiegelung neuer Flächen aus“, ist Kerstin Höger (Zürich) überzeugt. Der Architektin schwebt ein „kompaktes Stadtquartier“ vor, das den Campus in „Wissenscluster“ verdichtet. Den mangelnden Platz könne man über eine „Mehrfachnutzung“ von Räumen wettmachen, findet Höger. 

Einzelne Hochpunkte einer sonst horizontalen Struktur sollen als Wegmarken dienen, grüne Korridore den Campus mit Neckar und dem Handschuhsheimer Feld vernetzen. Die Berliner Straße soll als „Innovationsallee“ Institute und Unternehmen im Forschungscluster anziehen. Den Campus soll ein engmaschiges, grünes Netzwerk durchziehen, existierende Grünflächen zu Parks aufgewertet werden. 

Modell von Kerstin Höger (Zürich).

Aus Sicht des Teams um Höger ist ein massiver Ausbau des ÖPNV und die Realisierung einer Straßenbahn auf einem „Campus-Ring“ unvermeidlich, um die verkehrlichen Herausforderungen zu bestehen: Langfristig sei eine Neckarbrücke sinnvoll, auf der der ÖPNV auch in Richtung Wieblingen fahre. 

- Ferdinand Heide

Baubürgermeister Odszuck freut sich darüber, dass Ferdinand Heide (Frankfurt) in seinem Konzept das Thema Seilbahn voll aufgreift. Die Leitidee Heides: „Wissenschaftsstadt am Neckar“. Die 800.000 Quadratmeter wolle man voll nutzen, indem der bestehende Stadtraum verdichtet wird, erklärt Heide in seiner Präsentation. Das Neuenheimer Feld solle eine „städtebaulich klar definierte Struktur“ bekommen, die „clusterartig abgebildet“ werde, so der Frankfurter Architekt.

Der Verkehrsaspekt seines Konzepts fußt auf einer Seilbahn, die vom Hauptbahnhof über den Neckar, durch das Neuenheimer Feld bis zum S-Bahnhof Wieblingen verkehren und auch den SRH-Campus anbinden soll. Insgesamt sind sechs Haltepunkte geplant.

So könnte ein „Seilbahnhof“ im Feld aussehen.

Die Haltepunkte der Seilbahn im Campus sollten öffentliche Gebäude (bspw. Mensa, Hörsaal oder Bibliothek) sein, die höher als die sonst vier- oder fünfstöckigen Baukörper im Areal sind. Über den Maximalabstand von rund 400 Metern zwischen den „Seilbahnhöfen“, könne man auf zusätzliche Trägerkonstruktionen verzichten, meint Heide. 

Ein weiterer Baustein des „weitgehend autofreien Campus“ muss der „extremeAusbau des ÖPNV und ein Straßenbahnring über den Klausenpfad sein, erklärt der Architekt. Eine mehrgeschossige Park&Ride-Garage in der Nähe des S-Bahnhofs Wieblingen soll den Umstieg vom Auto auf Seilbahn oder Schiene ermöglichen. Die Anbindung nach Norden soll allenfalls für Notfallfahrzeuge geöffnet werden. 

Zoo und botanischer Garten könnten im Entwurf von Heide zusammengelegt werden und eine neue Attraktion bilden. Ein „grüner Ring“ soll die bestehende Infrastruktur vernetzen, kleine Parkanlagen zwischen grünen Campusgebäuden mit begrünten Dächern der Kommunikation dienen. 

- Astoc

Sebastian Hermann stellt für das Team um Astoc (Köln) den überarbeiteten Entwurf vor, der „Mobilität, Nachhaltigkeit und Freiräume“ in einem Modell vereint. Man habe eingesehen, dass man den Zoo nicht wie ursprünglich geplant in den Süden verlagern könne, gibt Hermann zu. Dennoch sei der Campus kein „Stück Stadt, der verhält sich anders.“

Die verschiedenen im Feld angesiedelten Institutionen werden im Astoc-Konzept in „Hubs neu sortiert“ und auf eigenen Quartiere (Uni, Klinik, Wohnen, Sport, Innovation) zusammengefasst. Diese werden über Freiräume miteinander verzahnt.

Konzept-Variante von Astoc (Köln).

Auch für Astoc ist klar: Eine Stadtbahn muss durchs ‚Feld‘, ebenso der IV. Den gelte es aber „schnell in Parkhäusern unterzubringen“, so Hermann. Auch P&R-Plätze außerhalb könnten helfen, dem Verkehr Herr zu werden. 

Vom Planfeststellungsverfahren bis zur fertigen Brücke über den Neckar können bis zu 25 Jahre ins Land gehen, sagt Hermann, deshalb plane ihr Konzept auch erst ab frühestens 2040 mit einer Brücke, über die IV und ÖPNV nach Westen fließen könnten. Sei das geschafft, könne der IV im Feld auch in einem Tunnel in Richtung Berliner Straße geführt werden. 

Der Astoc-Entwurf sieht ein „Wachsen in Etappen“ vor. Bestehende Bauplanungen sollten zunächst zu Ende geführt werden. Danach gelte es, das Areal strukturell zu entwickeln und dabei neue Funktionen zu ergänzen, ohne die Großzügigkeit zu verlieren. Für das Gebiet Hühnerstein sieht Astoc einen „Innovationscampus“ vor. Zum Handschuhsheimer Feld hin wolle man Freiflächen als Übergang schaffen, erklärt Hermann. 

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Weitere Infos und sämtliche Entwürfe ab Donnerstag (14. Februar) unter: Masterplan Neuenheimer Feld

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Quelle: Heidelberg24

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