Zu Besuch im Fandango

„Die Eck-Kneipe mit Herz“ – Ein Abend in der ‚besten Bar Heidelbergs‘!

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Jimmy, der Inhaber vom Fandango, nimmt stolz die HEIDELBERG24-Urkunde entgegen.

Heidelberg-Rohrbach - Das Fandango wurde im großen HEIDELBERG24-Battle zur besten Bar Heidelbergs gekürt. Unsere Redakteurin wagt sich ins Getümmel und stattet der Kneipe einen Besuch ab!

+++UPDATE 8. Januar 2019:

Entgegen der Gerüchte um eine mögliche Schließung des Fandangos, stellt der Besitzer nun klar: Das Fandango bleibt!

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Unscheinbar und versteckt steht sie an der Ecke in der Herrenwiesenstraße, abseits der Touristen-Hotspots der Stadt und weit weg von der Unteren Straße, in der es von Bars und Kneipen nur so wimmelt: Das Fandango in Rohrbach!

Im Bar-Battle von HEIDELBERG24 wird das Fandango von unseren Lesern zur besten Kneipe in Heidelberg gekürt. Jetzt will ich dem Mythos Fandango auf die Spur gehen und sehen, was diese Kneipe zur besten Heidelbergs macht...

Es ist Freitagabend, 23 Uhr. Die Bar ist proppenvoll. Die Gäste stapeln sich schon fast in den kleinen Räumlichkeiten, weil es keine Sitzplätze mehr gibt. Aus den Lautsprechern dröhnt das Lied ‚Moskau‘ von Dschingis Khan. 

Ich habe Jimmy, dem Besitzer der Kneipe, meinen Besuch angekündigt. „Das Fandango ist eine kleine Eck-Kneipe mit Herz – eine der wenigen noch in Heidelberg“, antwortet er auf meine Frage, warum es die ‚beste Kneipe‘ Heidelbergs geworden ist. Wie viel „Herz“ in dem Laden steckt – davon will ich mich selbst überzeugen. 

Jedes Alter, jede Schicht

Als Erstes fällt mir auf, dass hier Menschen aller Altersklassen am Tresen sitzen – von Mitte 20 bis Anfang 70 ist alles dabei. Doch nicht nur, dass hier Jung und Alt zusammen feiern, auch die unterschiedlichsten Berufsgruppen sind vertreten – vom Akademiker, Sozialarbeiter oder Polizisten bis hin zum Ex-Knacki. Sie sitzen fröhlich zusammen, prosten sich zu und scheinen sich alle gut zu kennen. Sobald der Fuß über die Schwelle gesetzt wird, scheint Einkommen, politische Gesinnung, Religion oder der Lieblings-Fußballverein keine Rolle mehr zu spielen.

Ich begleite den Abend über die Gäste mit der Kamera begleitet und frage, was denn das Besondere am Fandango ist. Sie alle sind sich einig: Es ist ein Ort, an dem man einfach abschalten kann – eben das „zweite Wohnzimmer“.

„Es ist hier ein bisschen wie bei Alice im Wunderland. Das kann man nicht erklären, das muss man erlebt haben“, erzählt mir Jutta. Ihre und viele weitere Reaktionen der Gäste siehst Du im Video:

„Wir sind alle ein großer Freundeskreis“, erzählt Stammgast Alex. „Wir machen viel zusammen, auch außerhalb vom Fandango.“ Und das ist tatsächlich so: Die Leute kennen sich hier nicht nur – sie unterstützen einander, helfen sich gegenseitig und wissen, dass sie immer aufeinander zählen können. Sie sind fast schon eine große Familie.

Der Wirt als Notfall-Kontakt

Denn wie der Wirt mir erzählt, sei er sogar der Notfall-Kontakt für einen seiner Stammgäste! Dieser habe keinen Kontakt mehr zu seinen Angehörigen. Ein weiterer Gast habe ihm Fotos gegeben, die er im Falle seines Todes für die Beerdigung verwenden kann. 

Natürlich klingt es im ersten Moment traurig, dass diese Menschen einen Kneipen-Besitzer damit beauftragen, sich im Ernstfall um sie zu kümmern – doch beim genaueren Hinsehen, ist es einfach nur rührend„Die Leute fühlen sich hier ernst genommen und das Fandango gibt ihnen Halt und ist teilweise die letzte soziale Institution in ihrem Leben“, so der 30-Jährige.

Es bleibt alles so, wie es ist

Schnell wird klar: Jimmy ist nicht auf Profit aus. Er will mit seinen Gästen plaudern, feiern und ihnen einen schönen Tag bereiten. Natürlich will er auch davon leben – jedoch nicht auf großem Fuß. 

Als er das Fandango vor knapp 2,5 Jahren vom Vorbesitzer übernimmt, krempelt er nicht alles um – ersetzt die alten Möbel nicht durch hippe Retro-Couches, verkauft keinen entkoffeinierten Soja-Karamell-Macchiato und bietet auch keinen Chia-Joghurt an. Ganz nach dem Motto ‚es bleibt alles so, wie es ist‘ führt er das ‚Vermächtnis‘ seines Vorgängers weiter. 

Das unterscheidet das Fandango wohl von vielen Kneipen: Ein Wirt, der sich für seine Stammkundschaft ins Zeug legt und Gäste, die genau das zu schätzen wissen.

jab

Quelle: Heidelberg24

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