Von aufgeregten Nachbarn bis zu uneinsichtigen Müttern

„Kein Tag ist wie der andere“: Mit der Polizei auf Streife in Heidelberg!

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Präsenz zeigen auf dem Weihnachtsmarkt

Heidelberg - Im TV gibt es unzählige Formate, die die Arbeit der Beamten dokumentieren, aber wie läuft es wirklich? HEIDELBERG24 gibt Dir einen exklusiven Einblick und geht mit der Polizei auf Streife: 

Es ist Samstagabend, der 8. Dezember. Der Wind peitscht wild um die Ohren – ein leichter Nieselregen hat eingesetzt. Einer der Abende, an denen man normalerweise mit einer Tasse Tee auf dem Sofa bleibt. Stattdessen geht es mit Polizeikommisar Stadtrecher, der Polizeioberkommissarin Büttner und Polizeipressesprecher Kunkel gemeinsam auf Streife. Ich bin aufgeregt – schließlich ist das kein alltägliches Erlebnis.

Keine Streifenfahrt ohne Unfall

Wir sitzen noch nicht einmal im Auto, schon werden die Beamten zu ihrem ersten Einsatz gerufen: ein Autounfall im Zentrum vom Kirchheim. „Ein alltägliches Vorkommnis“, erzählen die Kommissare. Es gebe keine Streifenschicht ohne Verkehrsunfall. Bei diesem wird glücklicherweise niemand verletzt. Der Einsatz der Polizei ist trotzdem gefragt, vor allem, um deeskalierend auf die Unfallbeteiligten einzuwirken. Denn beide Parteien haben eine ganz eigene Version des Vorfalls, sind sichtlich aufgebracht und diskutieren lautstark. Stadtrecher und Büttner nehmen den Fall und die Personalien auf. Wer letztlich die Schuld trägt, entscheidet jemand anderes.

„Man kennt ja schließlich seine Pappenheimer“

Nach einer kurzen Runde auf dem Kirchheimer Weihnachtsmarkt geht es weiter durch die Nacht. Das Ziel: Der Emmertsgrund, der Stadtteil mit unzähligen meterhohen Plattenbauten und einer der  sozialen Brennpunkte der Stadt.

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Die erfahrenen Kommissare wissen, wohin sie fahren müssen und steuern direkt auf eine Tiefgarage zu, die bekannt für Drogenkriminalität ist. Stadtrecher und Büttner schauen sich um, treffen aber nur auf ein paar Jugendliche, die unterwegs zu Freunden sind. 

Die Polizei scheint in diesem Stadtteil nicht besonders erwünscht:„Fuck the Police“ und „Drecksbulle“ rufen drei Halbstarke aus einem Hauseingang. „Wetten, wenn wir jetzt hinfahren, verschwinden sie spätestens beim Öffnen der Autotür“, sagt Büttner. 

Sie soll recht behalten: Kaum öffnen wir die Türen, verschwinden die ‚coolen‘ Kids im Hausflur. Nur einer bleibt zurück. Natürlich hat er keine Ahnung, wer die anderen beiden waren. Doch auch der Zurückgelassene ist kein Unbekannter, die Akte seines Bruders ist ziemlich dick. Stadtrechner hält noch schnell einen kleinen Plausch, „man kennt ja schließlich seine Pappenheimer“

Personenkontrolle auf dem Emmertsgrund

Wenn ich groß bin, werde ich Astronaut oder Polizist

Nimmt man Beleidigungen dieser Art eigentlich persönlich? Die Kommissare verneinen: „Das darf man nicht persönlich nehmen!“ Kein Job für ‚Sensibelchen‘ also. 

Verständlich, dass auch Polizisten irgendwann die Stimme erheben, wenn sie täglich mit so viel Abneigung konfrontiert werden. Auch Polizeipressesprecher Kunkel betont: Hinter jedem Polizisten stecke ja auch nur ein Mensch!

Sein Kollege, Polizeikommissar Stadtrecher wollte praktisch schon immer Polizist werden – oder Astronaut. Aber dafür hätten ihm die guten Noten gefehlt, scherzt er, als wir auf dem Weg nach Eppelheim sind. 

Ihm gefalle die Abwechslung an diesem Beruf, dass man viel erlebe, Kontakt zu Menschen habe und ihnen vor allem helfen könne. Dass er das erst meint, merkt man bei dieser Streifenfahrt gleich mehrmals. Denn ein wichtiges Thema: Fahrradfahren ohne Licht! Stadtrecher ist selbst leidenschaftlicher Radfahrer und hat keinerlei Verständnis für die „unvorsichtigen Pedalritter“. Er verwarnt und klärt die Radfahrer unermüdlich über die davon ausgehenden Gefahren auf.

Mit der Polizei Heidelberg auf Streife

Es gibt nichts, was es nicht gibt

In Eppelheim angekommen, finden wir ein aufgebrachtes älteres Ehepaar vor. Der Grund für die Aufregung: Ein fremdes Auto parkt vor ihrer Hofeinfahrt. ‚Halb so wild‘, könnte man meinen, denn das Paar muss gerade nicht aus dem Haus. Für die beiden ist es aber scheinbar eine mittlere Katastrophe! 

Ich erfahre von den Polizisten, dass sie wegen noch ganz anderer banaler Dinge gerufen werden: Beispielsweise wenn der Ast des Nachbars in den Garten ragt! Es scheint, als mangle es manchen Menschen an grundlegenden kommunikativen Fähigkeiten. Oder halten sie nur gerne einen Plausch mit den Beamten? 

Stadtrechers nächster Gesprächspartner scheint auf jeden Fall einer von der kommunikativeren Sorte zu sein. Eigentlich wird nur sein Kumpel wegen fehlender Fahrradbeleuchtung angehalten, doch bei ihm herrscht Gesprächsbedarf: „Ich möchte sie jetzt nicht persönlich angreifen, aber...“ 

Dann wird Polizeikommissar Stadtrecher in ein langes Gespräch über Falschparker, Kinder die nicht den Schulweg benutzen und was ihn sonst noch so an der Welt stört, verwickelt. Eine weitere wichtige Fähigkeit eines Polizisten: Er muss gut zuhören können.  

Mit der Polizei Heidelberg auf Streife

Die einzige Sorge einer Mutter: ein Punkt in Flensburg

Polizist zu sein, erfordert auch ein hohes Maß an Flexibilität, denn eines gibt es hier auf keinen Fall: Routine. „Kein Tag ist, wie der andere!“, erzählen die Kommissare. Trotzdem ein Traumjob? Für Polizeioberkommissarin Büttner mittlerweile schon. Eigentlich wollte sie nie zur Polizei, obwohl sie aus einer klassischen Polizeifamilie stammt. Ihr Berufswunsch: Bankerin. Doch nach einem Praktikum stellt sie fest: Viel zu langweilig – und dann geht es zur Polizei! 

Eine Entscheidung, die sie bis heute nie bereut hat. Auch wenn manche Fälle emotional sind, einen zum Grübeln bringen, dürfe man nichts zu sehr an sich herankommen lassen. Seit Büttner Mutter ist, gehen ihr besonders Fälle mit Kindern ans Herz. 

So auch bei unserem letzten Einsatz: Eine Frau transportiert ihren kleinen Sohn ohne Kindersitz. „Ich bin doch nur 100 Meter gefahren!“ Doch da verstehen die Polizisten keinen Spaß, denn es kann immer etwas passieren. Die Mutter zeigt keine Einsicht. Ihr einzige Sorge: der Punkt in Flensburg und die damit verbundene Strafe in Höhe von 60 Euro. 

Es ist 23 Uhr. Der anfänglich Nieselregen hat sich mittlerweile zu einem kräftigen Regenschauer entwickelt. Für mich ist es nun Zeit für eine warme Tasse Tee und das Sofa. Für Büttner und Stadtrecher hingegen geht die Nacht noch weiter. Erst morgens um 6 Uhr endet ihre Schicht. Hoffen wir nur, dass es ruhig bleibt! 

jmb

Quelle: Heidelberg24

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