Kleine Sensibelchen 

Sensation in Zoo Heidelberg: Neue Art entdeckt!

+
Eine ‚kleine‘ Sensation wurde in der Burzeldrüse von Wildputen entdeckt.

Heidelberg – Eine riesengroße und doch irgendwie ‚kleine‘ Entdeckung hat der Heidelberger Zoo zu vermelden. Bisher hat wohl noch niemand einen Blick in den ungewöhnlichen Fundort geworfen...

Was gefunden wurde ist das ganz frisch getaufte Corynebacterium uropygiale. So lautet der schwer auszusprechende Name des neu entdeckten Bakteriums welches vor kurzem noch unentdeckt in der Bürzeldrüse von Wildputen lebte.

Uropygiale kommt aus dem Griechischen und steht für οὐρά (oura), was übersetzt „Schwanz" heißt und πυγή (puge) was übersetzt „Hinterteil“ bedeutet.

Die Bürzeldrüse liegt genau an der Oberseite der Schwanzwurzel bei Vögeln.

Beim diesem Guirakuckuck sieht man die Burzeldrüse oberhalb der Schwanzwurzel.

Was ist die Burzeldrüse?

Die Bürzeldrüse dient dazu, ein fettreiches Sekret abzusondern. Dieses wird beim Putzen von den Vögeln mit dem Schnabel im gesamten Gefieder verteilt, um es geschmeidig zu halten. Außerdem bleibt es dadurch wasserabweisend.

Bei Entenvögeln, die viel Zeit im Wasser verbringen, sind die Bürzeldrüsen besonders stark ausgeprägt. Wissenschaftler sind dabei, die Funktionen dieser Bürzeldrüsen bei Vögeln genauer zu untersuchen.

Forschung der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Im Rahmen seiner Forschung nahm daher Markus Braun von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg im Frühjahr 2013 unter anderem Proben des Drüsensekrets der Wildputen im Zoo. In diesem Sekret wurde das Bakterium Corynebacterium uropygiale gefunden. Coryneforme Bakterien, zu denen auch die im Zoo Heidelberg entdeckte Art gehört, bilden eine Gruppe von bisher knapp über 90 verschiedenen entdeckten Arten.

Die Sensation: Bisher wurde jedoch noch nie ein solches Bakterium in Bürzeldrüsen von Vögeln entdeckt. Und das, obwohl viele Vögel sehr häufig in menschlicher Obhut gehalten werden. 

Kleine Sensibelchen

„Besonders faszinierend an dieser Entdeckung“, so Markus Braun, „ist, dass die Bakterien nur auf sehr fettigen Medien wachsen. Das heißt, sie benötigen unbedingt Bedingungen, die denen in der Bürzeldrüse sehr ähnlich sind, um zu wachsen. Die Bakterien sind also kleine Sensibelchen.“

Lediglich beim Wiedehopf und beim Grünen Baumhopf haben die Wissenschaftler bisher Bakterien in der Bürzeldrüse nachgewiesen, diese gehörten jedoch zu einer anderen Gattung, dem Enterococcus.

Beim Wiedehopf unterstützt dieser Enterococcus, andere, gegebenenfalls schädliche Bakterien, abzutöten. Die Bakterien haben dabei eine, das Immunsystem unterstützende, Wirkung und sind somit für den Vogel sehr nützlich.

Die Bakterien wachsen nur auf sehr fettigem Nährboden.


Ob das Bakterium in der Bürzeldrüse der Wildputen ebenfalls eine ähnlich positive Funktion erfüllt, konnte bisher noch nicht eindeutig geklärt werden. Die Wissenschaftler widmen sich weiterhin diesem spannenden Forschungsgebiet und können hoffentlich noch weitere außergewöhnliche Entdeckungen machen, die in ferner Zukunft sogar dem Menschen von Nutzen werden könnten.

Eine Zusammenfassung des englischen Originalartikels zu den neu entdeckten Bakterien gibt es hier.

Zoo Heidelberg/kp

Quelle: Heidelberg24

Mehr zum Thema

Schlimmer Unfall auf B535 bei Kirchheim

Schlimmer Unfall auf B535 bei Kirchheim

Nach Vandalismus auf „alla  hopp“-Anlage: Bereiche abgesperrt! 

Nach Vandalismus auf „alla  hopp“-Anlage: Bereiche abgesperrt! 

Grundsteinlegung für 36 neue Studenten-Apartements  

Grundsteinlegung für 36 neue Studenten-Apartements  

Kommentare