Prozessauftakt

Versuchter Totschlag – Angriff aus Eifersucht?

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Prozessauftakt am Landgericht Heidelberg.

Heidelberg-Bergheim - Am Donnerstag sitzt der 20-jährige Dennis W. auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Er soll versucht haben seinen Mitbewohner zu töten...

In Begleitung von zwei Beamten kommt der Angeklagte Dennis W. in den Gerichtssaal des Heidelberger Landgerichts. Ein Polizist bleibt hinter dem 20-Jährigen sitzen, überwacht ihn während der gesamten Verhandlung. 

Der Vorwurf:

Dennis W. soll in der Nacht vom 20. auf den 21. April den Beschluss gefasst haben, den Geschädigten Thomas B. zu töten. Die beiden Männer hatten zusammen mit zwei weiteren Mitbewohnern in Wiesloch ein Zimmer in einer Obdachlosenunterkunft bewohnt. 

Zunächst soll es einen verbalen Streit zwischen dem Angeklagten und dem Opfer gegeben haben. Der Grund: Thomas B. soll die Ex-Partnerin des Angeklagten sexuell belästigt haben. Zumindest behauptet dies der Angeklagte, der von seiner früheren Partnerin telefonisch darüber in Kenntnis gesetzt worden sein soll. 

Davon wollen jedoch sowohl das Opfer, als auch die Frau selbst nichts wissen. Beide erklären hingegen, dass es lediglich zu einem zufälligen Treffen in einem Supermarkt gekommen sei. Als das spätere Opfer dem Angeklagten Grüße der Ex-Partnerin ausrichtet, eskaliert die Situation. 

Das soll passiert sein:

Nachdem die Männer zunächst wieder auseinander gehen, legt sich Thomas B. schlafen. Gegen 2 Uhr morgens schreckt er hoch. Der mutmaßliche Täter steht vor ihm, leuchtet mit seiner Taschenlampe auf ein Brotmesser und sticht schließlich zu. 

Thomas B. wird in den Bauch getroffen. Die Wunde ist etwa drei Zentimeter lang und zwei bis drei Zentimeter tief. Glücklicherweise werden keine Organe verletzt, der Stich ist nicht lebensgefährlich. 

Nach diesem Vorfall lässt der Täter zunächst von seinem Opfer ab. Als Thomas B. jedoch in Todesangst das gemeinsame Zimmer fluchtartig verlässt, soll ihm der Angreifer gefolgt sein – noch immer bewaffnet. 

Als Thomas B. stürzt, stellt sich der Bewaffnete über ihn und droht, erneut zuzustechen. Alleine das Eingreifen eines Zeugen kann die Situation entschärfen. Der Täter flüchtet.

Geständnis – oder doch nicht?

Zunächst bestätigt der Anwalt von Dennis W. die Anklage, räumt die Tat ein. Der Angeklagte bestätigt das mit einem Kopfnicken.

Bei seiner Befragung schließlich jedoch der Wendepunkt: Der 20-Jährige behauptet nun, keineswegs jemanden mit einem Messer angegriffen zu haben und behauptet jetzt, dass es sich um einen Unbekannten gehandelt haben muss. 

Dem Gericht liegen jedoch Chat-Verläufe zwischen dem Angeklagten und dessen Ex-Partnerin vor, in denen Dennis W. eindeutig ankündigt, seinen Zimmergenossen umbringen zu wollen. 

Das Opfer selbst wird hinzugezogen. Thomas B. ist sich sicher: Der Angeklagte hat aus Eifersucht die Kontrolle über sich verloren. Dass bei dem Täter nur Dennis W. infrage kommt, steht für ihn fest. „Natürlich hab ich den erkannt.“ 

Noch heute ist er fassungslos über die Tat: „Ich blicke bis heute nicht durch, was der eigentlich von mir wollte“. Eigentlich solle das Verhältnis nämlich gut gewesen sein – man sei zusammen Feiern und Essen gegangen, verbrachte die Abende miteinander. Die Stimmung sei erst gekippt, als die Ex-Partnerin ins Gespräch kam.

Dann erscheint Zeuge Mehmet G., der das Opfer auf der Straße vor dem Täter geschützt hatte. Durch laute Rufe hatte er auf sich aufmerksam gemacht, den Täter abgelenkt und schließlich beruhigen können, sodass der Bewaffnete die Flucht ergriff. 

Der Zeuge kann zwar die Vorgänge genau beschreiben, jedoch keinen Täter identifizieren. Das Einzige was er mit Sicherheit über den Messer-Mann sagen kann: Er soll eher klein gewesen sein. So wie der Zeuge selbst – und eben auch wie der Angeklagte. 

Nachdem drei weitere Zeugen gehört wurden, erneut ein Wendepunkt: Dennis W. erklärt, die Tat begangen zu haben. Als die Richterin jedoch weiter darauf eingeht und den Grund erfahren will, hadert der Angeklagte sichtbar mit sich selbst. Schließlich bestreitet er erneut mit einem Messer auf Thomas B. losgegangen zu sein. 

Der Prozess wird am Dienstag, 28. Juli fortgesetzt. 

mk

Quelle: Heidelberg24

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