Manche sind schon wieder ausgezogen

Das erleben die Mieter im ‚Heidelberg Village‘ 

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Das Heidelberg Village in der Bahnstadt liegt zwischen Langer Anger und Grüner Meile.

Heidelberg-Bahnstadt - Wer schon einmal umgezogen ist, weiß, wie stressig das sein kann. Was allerdings viele Mieter im Heidelberg Village mitmachen müssen, kann man kaum glauben:

Wer in die Bahnstadt ziehen will, der erwartet Stadtnähe, moderne Häuser, eine kinderfreundliche Umgebung und einen Ausblick über Heidelberg. Allerdings kommt es für manche neue Bahnstädter ganz anders als erwartet!

Denn die Mieter im Heidelberg Village müssen sich seit einem halben Jahr unter anderem mit Baustellenlärm, Hitze und unfertigen Wohnungen herumquälen.

Der Ausblick einer Wohnung im Heidelberg Village

Das erleben die Mieter im Heidelberg Village

Eigentlich hätte ein Großteil der Mieterschaft im April in neue Wohnungen ziehen sollen, allerdings heißt es zwei Tage vor Umzugsstart: Daraus wird erst einmal nichts! Grund: Die Wohnungen sind nicht bezugsfertig. 

Für viele Familien, die eigentlich die Ostertage perfekt für den Wohnungswechsel nutzen wollten, beginnt der pure Stress. Denn innerhalb weniger Stunden muss geklärt werden, wo die Möbel unterkommen und wo man die nächsten Nächte verbringen wird! 

Andrea, die selbst von dem Fall betroffen ist, kann noch für einen Monat in ihrer alten Wohnung bleiben. Anschließend geht es für sie, ihren Mann und ihr dreijähriges Kind in ein Hotel. „Wir hatten noch Glück. Wir mussten insgesamt nur zweimal umziehen, bis wir ins Village konnten. Anderen erging es schlechter“, so die 27-Jährige.

Mieter kommen mit Situation nicht klar

Manche Mieter brechen unter dem unerwarteten Zusatzstress zusammen. Einige wissen sich nicht zu helfen. Ein Familienvater gibt sogar seinen Hund für mehrere Tage ins Tierheim ab. Andere Personen pendeln regelrecht von Hotel zu Hotel. „Es gab Mieter, die wussten nicht, wo sie noch am selben Tag schlafen werden“, erinnert sich Andrea am Mittwoch (24. Oktober) im Gespräch mit HEIDELBERG24 zurück. 

Eine ehemalige Village-Mieterin spricht in Facebook über ihre Erfahrungen.

„Niemand wusste, wo die Post ist“

,Pro scholare‘, Vermieter des Heidelberg Village, habe den Betroffenen versprochen, sich um die Post zu kümmern, während die Mieter in Ersatzunterkünften leben, erklärt Andrea. Aber auch dies wurde nicht eingehalten und über zwei Wochen lang habe niemand so recht gewusst, wo Briefe, Eilzustellungen und Pakete gelagert werden. „Ich weiß bis heute nicht, ob ein wichtiges Dokument untergegangen ist“, meint die junge Mutter. 

Heidelberg Village: Wohnen auf der Baustelle

Nach 14 Tagen dann die Nachricht, dass die Post im Büro der Bauleitung gelagert werde. „Es wurden keine Ausweise kontrolliert“, erklärt sie weiter. So hätte jeder theoretisch die Post des anderen mitnehmen können. Als Andrea ,pro scholare‘ darauf anspricht, habe ein Justiziar geantwortet: „Wir wussten nicht, dass das Briefgeheimnis in Deutschland so eine große Rolle spielt.

Rolläden sind ein "Nice-to-Have"

Auch nach dem Umzug ins Village hören die Probleme nicht auf. Fenster lassen sich nicht öffnen, weshalb im Sommer die Zimmertemperatur immer weiter ansteigt. Rolläden gibt es lange Zeit nicht, dies sei laut einer Prokuristen von ,pro scholare' ein „Nice-to-Have.“ Außerdem sind versprochene Balkone nicht fertig und während der Bauarbeiten ziehen ätzende Gerüche in die Wohnungen.

Laut ,pro scholare' sei ein Rolladen ein ,nice to have'

Viele haben bereits gekündigt!

Einige Mieter, die auf ein neues Zuhause in der Bahnstadt gehofft haben, sind bereits wieder ausgezogen. Auch Andrea und ihre Familie wollen weg. Zwar sei die Mietergemeinschaft einzigartig und sie fühle sich dort wohl. Nachdem jedoch ihre Wohn- und Schlafzimmer nun auch noch Schimmel ansetzen, hält die junge Mutter es nicht mehr aus. 

Ich kann nicht mehr, so die 27-Jährige. Sie sucht nun ebenfalls nach einer neuen Wohnung – „aber finde erst einmal was in Heidelberg“, sagt sie enttäuscht. 

Wir fragen ,pro scholare‘, die mit dem Village für eine „nachhaltige und soziale Architektur“ wirbt, was sie zu den Vorwürfen sagt. Allerdings warten wir seit mehreren Tagen vergebens auf eine Stellungnahme.

jol

Quelle: Heidelberg24

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