6.000 weitere Plätze bis 2016

Heidelberg will Flüchtlinge besser integrieren 

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Provisorisches Flüchtlingslager in den Heidelberger Patton Barracks. 

Heidelberg - 26.000 Flüchtlinge werden in diesem Jahr in Baden-Württemberg aufgenommen; 1,5 Prozent kommen nach Heidelberg. Doch was erwartet die Hilfesuchenden in der Stadt am Neckar?

Etwa 50 Millionen Menschen sind zur Zeit auf der Flucht – eine humanitäre Katastrophe. 

In den kommenden Monaten und Jahren werden voraussichtlich noch deutlich mehr Menschen ins Land kommen, die vor Krieg, Verfolgung und Mord fliehen. 26.000 Flüchtlinge werden in diesem Jahr in Baden-Württemberg aufgenommen. Bisherigen Schätzungen zufolge sollen es im Jahr 2015 weitere 30.000 werden. 

Die Flüchtlinge werden dann – gemessen an der Einwohnerzahl – auf die Städte und Kommunen verteilt. In Heidelberg finden 1,5 Prozent der Flüchtlinge Unterkunft. 5,3 Prozent werden auf den Rhein-Neckar-Kreis verteilt. Die Flüchtlingszahlen in Baden-Württemberg haben sich in diesem Jahr beinahe verdoppelt. 

Zudem hat die Stadt Heidelberg entschieden, im November diesen und Februar nächsten Jahres insgesamt weitere 200 Flüchtlinge aufzunehmen. 

>>> Künftig mehr Flüchtlinge in Heidelberg

Während im Jahr 2011 etwa 50 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt in Unterkunft und Verpflegung von Flüchtlingen flossen, wurden im Jahr 2014 bereits 400 Millionen investiert. Und ein Ende scheint noch lange nicht erreicht. 

Notunterkünfte – reine Notlösungen 

Denn gerade jetzt im Winter spitzt sich die Situation der Flüchtlinge zu. Bis vor kurzem wurden die Hilfesuchenden noch in provisorischen Unterkünften untergebracht. In Bruchsal wurde beispielsweise kurzfristig eine alte Betonhalle mit Feldbetten, portablen Duschen und Dixi-Klos ausgestattet. 500 Flüchtlinge fanden hier zumindest vorübergehend ein Dach über dem Kopf. Anschließend wurden die Flüchtlinge in die Heidelberger Patton Barracks gebracht. Auch hier wurde innerhalb von nur 48 Stunden eine Herberge für 500 Flüchtlinge aus dem Boden gestampft. Jetzt, da der Winter kommt, kann das jedoch keine Lösung mehr sein - schließlich gibt es in den Patton Barracks momentan kein fließend Wasser, keine Heizung und keinen Strom. 

Es wird dringend nach neuen Standorten gesucht. Baden-Württemberg plant bis 2016 die Errichtung von sechs weiteren Aufnahmestellen mit je 1.000 Plätzen. Über den Winter werden zusätzlich 3.000 Plätze geschaffen, die jedoch keine spärlich ausgestatteten Notunterkünfte, sondern sogenannte Bedarfsorientierte Erstaufnahmestelle (BEA) darstellen sollen. Die Gebäude sollen dann ein winterfester und sicherer Ort für die Flüchtlinge sein. Das bedeutet auch, dass keine provisorisch umgebauten Turn- und Lagerhallen mehr als Unterkunft dienen, sondern ehemalige Ferien- und Soldatenwohnungen mit Heizanlagen und Warmwasser. 

Gudrun Sidrassi-Harth, Vorsitzende des Arbeitskreis Asyl Heidelberg, setzt sich für die Flüchtlinge ein. 

Nach wie vor mangelt es jedoch bereits an den ersten, notwendigen Schritten: Informationsschreiben und auch wichtige Termine werden nicht etwa in der entsprechende Sprache, sondern lediglich auf Deutsch und gelegentlich in Englisch ausgegeben – für die meisten Flüchtlinge völlig fremde Sprachen. 

So können Termine und Regeln oft weder wahrgenommen, noch verstanden werden. Ist die Eingewöhnungszeit in den Unterkünften verstrichen, so steht zudem die Wohnungssuche an – gerade in Heidelberg oft eine schier unüberwindbare Hürde für die Flüchtlinge. 

Für den Arbeitskreis Asyl Heidelberg steht daher fest – hier muss geholfen werden. Nicht nur die Unterbringung, sondern auch der Umgang mit den menschlichen Schicksalen muss verbessert werden. Mit geführten Touren – beispielsweise zum Heidelberger Schloss, der Stadtbücherei oder dem Philosophenweg – bieten ehrenamtliche Mitarbeiter den Neuankömmlingen die Möglichkeit, ihre neue Umgebung kennenzulernen. „Viele Flüchtlinge sind seit Monaten hier und kennen gerade mal ihre Unterkunft und vielleicht noch die Volkshochschule. Sie sind völlig isoliert und verängstigt und kennen ihre Umwelt gar nicht", erklärt Gudrun Sidrassi-Harth, Vorsitzende des Arbeitskreis Asyl Heidelberg.

mk

Quelle: Heidelberg24

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