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Heidelberg: Streit um „Fauler Pelz“ eskaliert – Stadt stoppt Bauarbeiten

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Von: Florian Römer

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Heidelberg - Im Streit um den „Faulen Pelz“ greift die Stadt zu härteren Bandagen: Sie hat die Bauarbeiten im ehemaligen Altstadt-Gefängnis einstellen lassen. So reagiert das Land:

Die Fronten im Streit um den „Faulen Pelz“ in Heidelberg sind schon seit vielen Monaten verhärtet. Das Land Baden-Württemberg will ab Spätsommer im Ex-Knast in der Altstadt suchtkranke Straftäter unterbringen. Die Stadt wehrt sich gegen das Vorhaben des Sozialministeriums. Jetzt ergreift die Verwaltung den nächsten drastischen Schritt:

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Einwohnerzahl158.741 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche108,8 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Fauler Pelz in Heidelberg: Stadt lässt Bauarbeiten einstellen

Bislang hatte die Stadt mit dem Schritt lediglich gedroht, jetzt macht Heidelberg in der Causa „Fauler Pelz“ ernst: Am Montag (16. Mai) hat das Baurechtsamt dem Sozialministerium eine Baueinstellungsverfügung zukommen lassen. Das geht aus einer Pressemeldung hervor. Mit „umfangreichen Arbeiten“ am denkmalgeschützten Gebäude schaffe Baden-Württemberg Fakten, so der Vorwurf.

Das Land will den „Faulen Pelz“ in Heidelberg übergangsweise bis Mitte 2025 als „Clearingstelle“ nutzen, um dort rund 75 suchtkranke Straftäter im Maßregelvollzug „anzutherapieren“. 11,5 Millionen Euro will Baden-Württemberg in die Instandsetzung des „Faulen Pelz“ investieren. Da Therapieplätze im Land knapp sind, müsse man als „Notmaßnahme“ auf den Ex-Knast zurückgreifen. Ansonsten müssten die betroffenen Straftäter entlassen werden.

Heidelberg: Bauaufsicht stellt umfangreiche Arbeiten im „Faulen Pelz“ fest

Die Bauaufsichtsbehörde der Stadt Heidelberg hatte bei einem Vor-Ort-Termin am Mittwoch (11. Mai) „umfangreiche Arbeiten“ festgestellt. Sowohl im Altbau als auch im Neubau des „Faulen Pelz“ seien unter anderem „sämtliche Heizkörper“ demontiert worden, die sanitären Anlagen wurden abgerissen und Türen heraus getrennt. Zudem wurden „umfassend“ Kabel verlegt.

Aus Sicht der Bauaufsicht hätten die Arbeiten vorher genehmigt werden müssen. Darauf hat die Stadt das Sozialministerium bereits im Oktober hingewiesen. Einen Bauantrag stellte das Land allerdings erst am 22. April. Eine Bauvoranfrage wurde zunächst zurückgezogen. Notfalls will das Sozialministerium die Stadt Heidelberg in der Causa „Fauler Pelz“ baurechtlich entmachten.

Bauarbeiten im „Faulen Pelz“: „Können nicht die Augen verschließen“

„Es ist schade, dass dieser Schritt jetzt nötig geworden ist. Aber wir haben das Land mehrmals darauf hingewiesen, dass derartige Arbeiten im Faulen Pelz nicht erfolgen dürfen, da eine entsprechende Genehmigung nicht vorliegt“, erklärt Heidelbergs Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck (CDU). Der Umfang der Arbeiten schaffe Fakten. „Davor können wir als zuständige Bauaufsichtsbehörde nicht die Augen verschließen“, so der Baubürgermeister. Der Baustopp werde laut Stadt mittels Kontrollen überwacht. Notfalls werde man das Gebäude versiegeln.

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Heidelberg will das ehemalige Gefängnis „Fauler Pelz“ der Ruprecht-Karls-Uni zur Verfügung stellen und dort Forschungs- und Arbeitsplätze schaffen. Ein entsprechender Bebauungsplan wurde kürzlich aktualisiert. Da der Bauantrag den Zielen des Bebauungsplans widerspricht, soll er um ein Jahr zurückgestellt werden.

„Fauler Pelz“ in Heidelberg: Land will gegen Baustopp Widerspruch einlegen

Beim Land zeigt man sich mit Blick auf den Baustopp „mehr als irritiert über den Konfrontationskurs der Stadt Heidelberg“. Gegen die Baueinstellungsverfügung will das Land Widerspruch einlegen, sagt ein Sprecher des Sozialministeriums. Oberbürgermeister Eckart Würzner habe die Notlage des Landes „offensichtlich nicht erkannt“, heißt es aus Stuttgart. Baden-Württemberg sei „dringend auf Liegenschaften angewiesen, in denen interimsmäßig suchtkranke Straftäter untergebracht werden können.“

„Es ist befremdlich, dass die Stadt so lange nicht auf das Gesprächsangebot des Landes, das im Übrigen Eigentümerin der Liegenschaft ist, reagiert hat, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen“, so der Ministeriumssprecher. Es sei „enttäuschend, dass die Stadt in dieser Sache Tatsachen schaffen möchte“, ehe der Gemeinderat am 2. Juni über den „Faulen Pelz“ berät. Auch Sozialminister Manne Lucha wird an der Sitzung in Heidelberg teilnehmen. (rmx)

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