Für sein Super-Mikroskop

Heidelberger Forscher erhält Chemie-Nobelpreis!

+
Der deutsche Forscher Stefan W. Hell (51) lächelt im Max Planck Institut in Göttingen bei einem Fototermin anlässlich seines Gewinn des Nobelpreises für Chemie. Hell steht an dem von ihm entwickelten Mikroskop STED.

Heidelberg/Stockholm - 'Unser' Heidelberger Nobelpreis-Träger Stefan W. Hell – lange wurden seine Theorien in Deutschland 'belächelt'. Jetzt hat er Grund zur Freude:

Große Ehre für Professor Stefan W. Hell, das renommierte Deutsche Krebsforschungszentrum und ganz Heidelberg.

Nach 2008 mit Harald zur Hausen (für Medizin) erhält zum zweiten Mal ein Forscher des DKFZ die weltweit höchste Wissenschaft-Auszeichnung – den Nobelpreis!

Denn Professor Hell, eigentlich Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen, ist seit 2003 auch Abteilungsleiter der Optischen Nanoskopie am DKFZ.

Wie die Kommission in Stockholm am heutigen Mittwoch verkündete, wird der 51-Jährige für seine "Entwicklung hochauflösender Fluoreszenz-Mikroskopie" mit dem Nobelpreis für Chemie geehrt.

Mit dem 'Super-Mikroskop' lässt sich etwa beobachten, wie sich Eiweiße bei der Entstehung von Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson zusammenlagern.

Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften würdigte, dass es die Technik ermögliche "die innersten Geheimnisse des Lebens abzubilden".

Denn der geniale Forscher stimuliert in seinem Mikroskop winzige Untersuchungsobjekte mit Hilfe von Laserstrahlen zur Fluoreszenz – sie leuchten dann selbst. Zugleich sorgt er dafür, dass die Umgebung des gewünschten Objektes verdunkelt wird.

Und was sagt der frischgebackene Nobelpreis-Träger?

Zunächst glaubte Hell an einen Scherz-Anruf: "Aber ich habe die Stimme des Komiteevorsitzenden erkannt. Und dann habe ich langsam realisiert, dass es kein Scherz ist, dass es tatsächlich die Wahrheit ist."

Der Forscher weiter: "Ich saß an meinem Schreibtisch, als mich der Anruf aus Stockholm erreichte und die Freude bei mir ist riesengroß, dass die Arbeit von mir und meinen Mitarbeitern die höchste Auszeichnung erfährt, die man als Wissenschaftler erhalten kann."

Überglücklich habe Hell dann als Erstes seine Frau angerufen.

Kurios: Die ersten Theorien von Stefan Hell, der in Heidelberg Physik studierte und 1990 promovierte, hat in Deutschland anfangs niemand geglaubt. Darum wechselte er 1993 ins finnische Turku, wo er das Prinzip der STED-Mikroskopie entwickelte.

"Deshalb hat er in Deutschland keinen Job bekommen, und ging nach Finnland. Dort war man sehr glücklich, ihn zu haben, und gab ihm die Zeit und Gelegenheit, seine Ideen zu entwickeln – zunächst in der Theorie. Da hat es anderen langsam gedämmert, dass er an etwas dran sein könnte. Jetzt findet man seine Mikroskope auf der ganzen Welt", so Astrid Gräslund vom Stockholmer Nobel-Komitee. 

Auch beim DKFZ, dessen Arbeit zuletzt sogar von Bundeskanzlerin Angela Merkel gewürdigt wurde (HEIDELBERG24 berichtete), ist man zurecht stolz: 

Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg-Neuenheim.

"Hell ist sicher einer der brillanten Köpfe bei uns", lobt der DKFZ-Vorstandsvorsitzende Otmar Wiestler. Nun könne man zusehen, wie Krebszellen untereinander und mit gesunden Zellen kommunizieren. Zudem lasse sich die Wechselwirkung zwischen Viren und Zellen im Körper auf einer Ebene untersuchen, die bislang an lebenden Zellen undenkbar gewesen sei. 

Auch Bundespräsident Joachim Gauck gratuliert Hell zum Nobelpreis: Dies sei "eine hervorragende Würdigung für Ihr Werk und für die Wissenschaft in unserem Land", schrieb Gauck laut Präsidialamt. 

Professor Hell teilt sich den mit rund 880.000 Euro dotierten Nobelpreis mit den beiden US-Amerikanern Eric Betzig (54) und William Moerner (61).

Toll: Erst vor einem Monat erhielt Hell mit zwei anderen Forschern den mit einer Million Dollar (800.000 Euro) dotierten Kavli-Preis.

Traditionell werden alle Nobelpreise am 10. Dezember überreicht – dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

pek

Quelle: Heidelberg24

Mehr zum Thema

Kommentare