Klassische Volkskrankheiten

Viele Menschen sind vom Wandel unserer Gesellschaft gesundheitlich betroffen

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Es gibt bestimmte Krankheiten die typisch für die Industrienationen sind und in anderen Regionen der Welt kaum auftreten. Unsere Lebensweise führt dazu, dass sich solche Krankheiten verstärkt entwickeln und durchsetzen.

Häufig ist Stress eine Ursache für solche Krankheitsbilder, doch auch die Ernährung, Bewegungsmangel und ein übertriebener Hang zu Sauberkeit können Auslöser sein. Dieser Artikel stellt die gängigsten Zivilisationskrankheiten und ihre Auslöser vor.

Eine falsche Ernährung als Auslöser von Zivilisationskrankheiten

Die Ernährung der Industriestaaten ist kaum dazu geeignet, die Gesundheit der Menschen zu fördern. Viele der Speisen sind zu süß oder zu salzig und führen somit zu verschiedenen Volkskrankheiten. Insbesondere Karies ist in den Industriestaaten ein großes Thema. Der hohe Zuckergehalt in den Speisen und Getränken führt dazu, dass Bakterien die Zähne angreifen, wodurch mit der Zeit Löcher darin entstehen. Zudem bleibt nach den Mahlzeiten in der Cafeteria oder einem kleinen Snack für zwischendurch nicht die Zeit, um sich die Zähne zu putzen. Salz erhöht hingegen den Blutdruck und belastet somit das Herz.

Eine weitere Volkskrankheit, die durch eine falsche Ernährung ausgelöst wird, ist Übergewicht. Die Menschen ernähren sich nicht gesund, sondern konsumieren Dinge, die intensiv schmecken und Energie liefern. Entsprechend sind die Speisen in den Industrienationen meist sehr fettig und süß. Hinzu kommt, dass sich viele Menschen nicht die Zeit nehmen, um bewusst und in Ruhe zu essen. Mahlzeiten werden in einer kurzen Mittagspause hinuntergeschlungen oder zwischen zwei Kundenterminen irgendwie eingeschoben. Schnelligkeit ist das Gebot der Stunde. Deswegen handelt es sich bei vielen Speisen, die wir konsumieren, um Fertigprodukte mit Geschmacksverstärkern und Konservierungsstoffen. All das ist für die Gesundheit wenig zuträglich.

Stress ist ein immenser Faktor in Bezug auf Zivilisationskrankheiten. Insbesondere das Herz leidet unter dauerhaftem Stress immens. Durch Stresshormone im Körper steigt der Blutdruck an, was das Herz dazu bringt, schneller und intensiver zu schlagen. Außerdem ist der Körper in einer permanenten Alarmbereitschaft. Früher diente Stress dazu, die Urmenschen vor lebensbedrohlichen Gefahren zu warnen und sie auf einen Kampf oder die Flucht vorzubereiten. Heutzutage sind wir quasi niemals in lebensbedrohlichen Situationen, doch unser Biorhythmus hat sich noch nicht daran gewöhnt. Entsprechend intensiv wirken sich die Stresshormone auf den Körper aus. Des Weiteren hat Stress Einfluss auf unsere Erholungsphasen. Der Körper ist darauf angewiesen, jede Nacht einige Stunden der Entspannung zu bekommen. In dieser Zeit verarbeitet er das Erlebte, regeneriert sich und sammelt Kräfte für den neuen Tag. Durch Stress wird diese Entwicklung erschwert. Der Körper ist selbst im Schlaf nicht mehr in der Lage, vollständig abzuschalten und Ruhe zu finden. Wir träumen schlecht, wälzen uns hin und her und wachen genauso müde auf, wie wir eingeschlafen sind. Das geht eine Weile lang gut, führt aber auf lange Sicht zur Entstehung von Krankheiten. Daher ist es extrem wichtig, sowohl privat, als auch bei der Arbeit Momente der Ruhe zu finden und sich von Stress zu befreien.

Bewegungsmangel löst verschiedene Krankheiten aus

Die Menschen in den Industrienationen bewegen sich zu wenig. Das hat unter anderem Übergewicht und eine mangelhafte Kondition zur Folge. Oft stellt schon das Treppensteigen eine schwierige Belastungsprobe für den Körper dar, auf die er mit Atemnot und Erschöpfung reagiert. Das wiederum wirkt sich negativ auf das Herz und seine Leistungsfähigkeit aus. Es ist darauf angewiesen, durch Sport regelmäßig gefordert zu werden. Eine fehlende sportliche Belastung in Kombination mit Übergewicht ist für das Herz-Kreislauf-System daher sehr schlecht.

Hinzu kommt, dass wir bei unserer Arbeit und privat viel sitzen. Das ist Gift für den Körper, da er aus entwicklungsbiologischer Sicht für das Sammeln und Jagen konzipiert wurde. Zu langes, intensives Sitzen führt also zur Bildung verschiedener Krankheiten. Hierzu gehören unter anderem Haltungsschäden. Es ist extrem wichtig, diesen mit sportlichen Übungen entgegenzuwirken und zum Beispiel den Rücken zu stärken. Nur so lassen sich Schmerzen im Alter und die Entstehung von Volkskrankheiten vermeiden.

Zu intensive Hygiene ist ungesund

Sauberkeit ist ein hohes Gut, doch wie bei allem ist ein Zuviel schädlich. Das menschliche Immunsystem muss regelmäßig herausgefordert und trainiert werden. Nur dann ist es in der Lage, Krankheitserreger zu erkennen und effizient dagegen vorzugehen. Wer seine Wohnung oder den Arbeitsplatz keimfrei hält, schützt vermeintlich die eigene Gesundheit, schwächt in Wahrheit aber das eigene Immunsystem. Denn dieses hat es nicht geübt, Angreifer zu erkennen und zu eliminieren. Entsprechend schlecht vorbereitet ist es, wenn es einmal zu einem Angriff auf die Gesundheit kommt.

Die Folge einer übertriebenen Sauberkeit ist die Entstehung von Allergien. Hierbei handelt es sich im Grunde um Autoimmunerkrankungen, bei denen der Körper sich selbst angreift. An sich harmlose Umwelteinflüsse wie Pollen wirken sich dann ganz intensiv auf den Körper aus und haben teils heftige Reaktionen zur Folge. Diese reichen von Ausschlägen bis hin zur Atemnot. Eine effiziente, aber nicht zu intensive Hygiene hilft dabei, solchen Problemen vorzubeugen.

Ein ungesunder Umgang mit Emotionen

Die Menschen in den Industrienationen haben eine Tendenz dazu, Negatives auszublenden und nicht an sich heranzulassen. Das zeigt sich zum Beispiel am Umgang mit Krankheit und Tod. Diese Themen kommen in der öffentlichen Diskussion quasi nicht vor und jeder versucht, sie zu meiden. Der Tod ist nicht Teil unseres Lebens, sondern wird verdrängt und ignoriert. Angst und Traurigkeit werden als Zeichen von Schwäche missinterpretiert, weswegen auch darüber kaum jemand spricht.

Die Folge dieses falschen Umgangs mit Gefühlen sind einerseits Magengeschwüre und ein permanentes Unwohlsein. Gleichzeitig führen sie zu Schlafschwierigkeiten und im schlimmsten Fall zu Burnout und Depressionen. Unausgesprochene, negative Emotionen sind wie ein schleichendes Gift, das im Körper eingelagert wurde. Wenn es nicht durch Gespräche entsorgt wird, hat es langfristig gefährliche Folgen und führt zur Entstehung von Zivilisationskrankheiten.

Die Bedeutung der medialen Reizüberflutung

In den Industrienationen sind Medien und technische Geräte Teil des Alltags. Das bringt viele Vorteile mit sich, birgt allerdings auch Risiken. Durch eine mediale Reizüberflutung kommt das Gehirn nicht mehr zur Ruhe und kann nicht entspannen. Die Folge sind unter anderem Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen. Diese wirken sich sowohl auf die seelische Zufriedenheit als auch auf das körperliche Wohlbefinden aus.

Deshalb ist es ratsam, sich in regelmäßigen Abständen einen medialen Detox zu gönnen. Das bedeutet zum Beispiel, an einem Tag in der Woche komplett auf technische Geräte zu verzichten. Außerdem sollte vor dem Schlafengehen nicht noch zum Handy oder Laptop gegriffen oder ferngesehen werden. Die medialen Reize regen Körper und Gehirn sonst zu sehr an und verhindern, dass sie Ruhe finden.

Dass Alkohol und Nikotin im Grunde Gift für den Körper sind, ist weitgehend unbestritten. Alkohol wirkt sich auf die Rezeptoren in unserem Gehirn aus und kann diese ebenso schädigen wie die Leber oder die Bauchspeicheldrüse. Nikotin ist hingegen insbesondere für die Lunge schädlich. Es erschwert das Atmen und macht auf lange Sicht abhängig. Menschen, die rauchen, bekommen hierdurch einen Hormonschub und fühlen sich so entspannt, wie es Menschen ohne Abhängigkeit von Natur aus tun.

Alkohol und Nikotin sind aber auch Katalysatoren bei der Entstehung von Zivilisationskrankheiten. Sie schwächen das Immunsystem und halten dieses auf Trab. Hierdurch ist es in permanenter Einsatzbereitschaft und kommt niemals ganz zur Ruhe. Es muss an vielen Fronten gleichzeitig kämpfen und hat es schwer, alle auftreten Krankheiten in den Griff zu bekommen. Der Verzicht auf Nikotin und Alkohol ist zwar kein Garant für Gesundheit, er reduziert die Gefahr, eine Volkskrankheit zu bekommen, jedoch erheblich.

Fazit: Viele Auslöser von Zivilisationskrankheiten sind vermeidbar

Die meisten Zivilisationskrankheiten sind auf Ursachen zurückzuführen, auf die die Menschen einen direkten Einfluss haben. Durch eine gesunde Ernährung, ausreichend Sport und eine Vermeidung von Stress und schädlichen Umwelteinflüssen hat jeder die Möglichkeit, der eigenen Gesundheit einen Dienst zu erweisen und sich vor Volkskrankheiten zu schützen. Gerade unser schneller, auf Produktivität ausgerichteter Lebensstil macht das allerdings schwer. Hier wäre es im Namen der Gesundheit wichtig, einen Gang zurückzuschalten und bewusster zu leben. Das gilt für die Ernährung und den Sport ebenso wie für die Arbeit und die Ruhephasen.

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