Medizinischer Fortschritt

Anti-Aids-Pille: Medikament gegen HIV könnte Krankheit ausrotten - in zehn Jahren

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HIV-Medikamente - hier eine Pille mit dem Wirkstoff Emtricitabin - lähmen HI-Viren und verhindern so den Ausbruch von AIDS.

Eine HIV-Infektion kann Aids auslösen: Ein Virus schwächt das Immunsystem derart, dass es Krankheitserreger nicht mehr abwehren kann. Doch eine Pille soll so gut schützen wie Kondome.

Update vom 25. November 2019: Heute startet in Bayern die HIV-Testwoche. Die Staatsregierung wirbt noch bis 1. Dezember 2015 (Welt-Aids-Tag) dafür, einen HIV-Test machen zu lassen. Dieser ist in allen Gesundheitsämtern in Bayern anonym und kostenfrei möglich. Zum Hintergrund: Wird eine HIV-Infektion frühzeitig erkannt und behandelt, kann der Ausbruch von AIDS verhindert werden.

Artikel vom 22. November 2019: Es gibt sie bereits seit 20 Jahren: die Anti-Aids-Pille, kurz PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe). Sie wurde lange Zeit nur für die Behandlung der Krankheit eingesetzt. Doch sie wirkt auch präventiv - kann also vor einer Ansteckung mit HI-Viren schützen. Das Präparat wurde 2012 zur Prävention unter dem Markennamen Truvada in den USA zugelassen und ist seit 2016 auch in Europa erhältlich.

Rezeptpflicht: Ärzte können PrEP verschreiben

In Deutschland bekommt man die PrEP in Form von Pillen in der Apotheke - sofern man ein Rezept vom Arzt hat. Zugelassene Ärzte können die Anti-Aids-Pillen zum Schutz vor HI-Viren verschreiben - dann übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für das Medikament und die nötigen Untersuchungen, wie die Deutsche Aidshilfe schreibt.

Die enthaltenen Wirkstoffe in dem Arzneimittel, unter anderem Emtricitabin, lähmen Humane Immundefizienz-Viren (kurz HIV). Diese schädigen unbehandelt die körpereigenen Abwehrkräfte, was im schlimmsten Falle lebensgefährliche Krankheiten wie schwere Lungenentzündungen zur Folge haben kann. Sind derartige Erkrankungen bereits ausgebrochen, sprechen Mediziner von AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome), das übersetzt so viel heißt wie "erworbenes Abwehrschwäche-Syndrom".

HIV-Klinik in London setzt Anti-AIDS-Pille erfolgreich ein

HIV-Medikamente wie PrEP unterdrücken das HI-Virus im Körper und verhindern so den Ausbruch von AIDS: "Mit HIV können die meisten Menschen dank Behandlung gut und lange leben", so Heike Gronski, Fachreferentin "Leben mit HIV" der Deutschen Aidshilfe. Mit der Entwicklung von Medikamenten ist die Medizin im Kampf gegen AIDS zwar weit fortgeschritten, dennoch kommt es immer wieder zu neuen Infektionen. Der Einsatz von PrEP könnte die Krankheit aber gänzlich verschwinden lassen, wie das Schweizer Portal NZZ am Sonntag berichtete - vergleichbar mit der Einführung von Impfstoffen gegen Kinderlähmung (kurz Polio).

Im Video: Experten wagen Prognose, dass AIDS in zehn Jahren besiegt sein könnte

Eine HIV-Klinik in London gibt eine positive Prognose ab: Dort geben britische Mediziner bereits seit 2015 PrEP an Risikogruppen ab, wie NZZ am Sonntag schreibt. Seither sei ein Rückgang der HIV-Neuansteckungen von satten 80 Prozent verzeichnet worden.

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PrEP schützen nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten

Homosexuelle Männer sind besonders gefährdet, sich mit HI-Viren anzustecken, weil Analverkehr der häufigste Übertragungsweg ist. PrEP soll hier so gut wie ein Kondom schützen. Die Anti-Aids-Pille schützt jedoch nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Tripper oder Syphilis. Bei derartigen Krankheiten gibt es bislang keinen besseren Schutz als die Verhütung mit Kondomen - und die Aufklärung durch einen Facharzt.

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jg

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