Die unterschätzte Schwester

+

Ludwigshafen am Rhein ist mehr als Industrie und die Nachbarstadt von Mannheim. Nicht umsonst ziert das bayerische Wappen ein pfälzischer Löwe.

Museen, Filmfestivals und Natur laden das ganze Jahr über Besucher ein. Je nach Saison finden zusätzlich landestypische Veranstaltungen wie Kerwen oder Fasnachtsumzüge statt. Und ein Pfälzer Saumagen gehört schon fast zum Pflichtprogramm.

Ludwigshafen am Rhein ist vielen Menschen vor allem als Hauptsitz des Chemiekonzerns BASF bekannt. Doch die pfälzische Stadt hat viel mehr zu bieten als die chemische Industrie. Und das nicht nur, weil sie am linken Ufer des Rheins gegenüber der baden-württembergischen Schwesterstadt Mannheim gelegen ist, wie Spötter gerne behaupten. Mit 164.718 Einwohnern ist Ludwigshafen nach Mainz die zweitgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz und hat eine entsprechend lebendige Kulturszene mit dem Theater im Pfalzbau, dem Wilhelm-Hack-Museum oder dem Festival des deutschen Films.

Die Stadt im Herzen der Kurpfalz ging aus der 1606 gegründeten Mannheimer Rheinschanze hervor, also dem Brückenkopf gegenüber der Mannheimer Rheinseite. Die Wehranlage war immer stark umkämpft und wurde mehrmals zerstört. Heute erinnert das Rheinschanzendenkmal am Rheinufer von Ludwigshafen an diese Zeit. Den Namen hat die Stadt übrigens einem Bayern zu verdanken: Zuerst wurde die Rheinschanze Winterhafen, 1843 nach dem bayerischen König Ludwig I. in Ludwigshafen umbenannt. Damals war die Region ein Teil des bayerischen Königreichs.

Die bayerische Herrschaft von 1816 bis 1946 durch die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs schien jedoch bei den Bürgern nicht gut angekommen zu sein. Obwohl Bayern sich gerne als „Vorstufe zum Paradies“ bezeichnet, votierten bei einem Volksbegehren 1956 nur 7,6 Prozent für eine Wiedereingliederung in den Freistaat. Bis heute zeugt allerdings ein Löwe im bayerischen Wappen von dieser Zeit deutscher Geschichte. Im 13. Jahrhundert hatte der Stauferkönig Friedrich II. den Bayernherzog Ludwig mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt und somit den Pfälzer Löwen ins Wappen gehievt.

Wer mehr über die Stadtgeschichte Ludwigshafens erfahren möchte, ist im 1984 eröffneten Stadtmuseum im Rathaus-Center der Stadt richtig. In der Ausstellung wird zu Beginn die Zeitspanne vom Anfang des 17. bis zur Gründerzeit Mitte des 19. Jahrhunderts beleuchtet, anschließend folgen die Abteilungen „Industrie und Arbeit“, „Kultur und Vielfalt“ sowie „Mobilität und Wachstum“. Außerdem gibt es Informationen zu Ernst Bloch, einem der berühmtesten Söhne der Stadt. Ihm zu Ehren wurde das Ernst-Bloch-Zentrum gegründet, ein Kultur- und Wissenschaftsinstitut in der ehemaligen Direktorenvilla der Walzmühle.

Kulturelles Highlight der Stadt ist das Wilhelm-Hack-Museum. Es ist das bedeutendste Museum für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts im gesamten Bundesland. Das Haus geht auf eine großzügige Schenkung des Kölner Kaufmanns Wilhelm Hack zurück. Wahrzeichen des Museums ist die farbenprächtige Keramikwand des Katalanen Joan Miró, die mit 7200 Fliesen auf einer Breite von 55 Metern und einer Höhe von zehn Metern auch das größte Kunstwerk in Ludwigshafen ist. Aktuell sind dort zum Beispiel noch bis Juli Werke des deutschen Malers Max Ernst zu sehen.

Wen es mehr in die Natur zieht, der sollte im Frühling im „Grünen Süden“ der Stadt Halt machen. Dort lädt das Landschaftsschutzgebiet Maudacher Bruch mit über 30 Kilometer Wanderwegen, der Ebertpark oder der Stadtpark zum Spazieren ein. Wer die nähere Umgebung erkunden möchte, der ist mit dem Auto schnell im Pfälzer- und im Odenwald. Zum Schwimmen geht es im Sommer ins Freibad am Willersinnweiher, in den Begütenweiher oder an die „Große Blies“. Alle Ausflugsziele lassen sich übrigens über ein insgesamt rund 150 Kilometer langes Radwegenetz gut und sicher anfahren.

Zum Herbstbeginn sollten sich Besucher eine der vielen landestypischen Kerwen in den Ludwigshafener Stadtteilen nicht entgehen lassen. Dort gibt es neben Fahrgeschäften traditionelle Speisen, kulinarische Leckereien und Weinverkostungen. Im Winter lädt der Ludwigshafener Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Platz zum Glühweintrinken ein. Zwischen den 60 geschmückten Holzhäuschen finden sich bis 23. Dezember eines jeden Jahres auch immer noch Last-Minute-Geschenkideen. Zentraler Publikumsmagnet ist jedes Jahr die Festbühne.

Im Februar gibt es ein Spektakel, dass sich alle Reisenden nicht entgehen lassen sollten. Immer am Fasnachtsonntag vereinen sich die Einwohner aus Ludwigshafen und Mannheim seit über 60 Jahren. Über 150.000 Narren feiern dann den bunten Fasnachtszug. Wen das noch nicht überzeugt, den überzeugt vielleicht der Pfälzer Saumagen in Ludwigshafen. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl machte seine Leibspeise weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Wie pflege er sein Leben lang zu sagen: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“

Kommentare