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Aus „Leute“ wird „Waldbesucher*innen“: SWR-Jugendsender untertitelt Förster mit falschen Gender-Zitaten

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Von: Nadja Pohr

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Screenshot aus dem Instagram-Clip mit dem Förster
Der Instagramaccount „Wir sind Mainz“ veröffentlichte mehrere Videoclips, in denen ein 21-jähriger Förster interviewt wird. Der zum SWR gehörende Jugendsender „Dasding“ untertitelte ihn und genderte seine Worte einfach. © Screenshot Instagram/Wir sind Mainz

In Videos auf dem Instagram-Kanal „Wir sind Mainz“, der von einem Sender der Rundfunkanstalt SWR betrieben wird, wurde ein Förster in einem Interview mit falschen Gender-Zitaten untertitelt. Dafür hagelte es Kritik auf Social Media.

Mainz - Das Thema „Gendern“ sorgte in Deutschland schon häufiger für Schlagzeilen. In der Diskussion darüber, ob man eine geschlechtergerechte Schreibweise einheitlich einführen sollte, stehen sich zahlreiche Befürworter auf der einen und ebenso viele Kritiker auf der anderen Seite gegenüber. So sorgte der Vorschlag, das Gendern in Schulen in Baden-Württemberg einzuführen, für hitzige Debatten.

Derzeit ist eine gendergerechte Schreibweise weiterhin freiwillig. Viele Unternehmen oder Medien haben jedoch das Gendern angenommen und sprechen so ihre Konsumenten an. Auch der SWR möchte grundsätzlich niemanden in der Ansprache ausschließen. Doch für mehrere Video-Clips auf der Social-Media-Plattform Instagram, in denen Zitate fälschlicherweise gegendert wurden, erntet der öffentlich-rechtliche Sender nun einen Shitstorm.

SWR untertitelt Förster mit falschen Gender-Zitaten - Rundfunkanstalt spricht von Versehen

Auf dem Instagram-Kanal „Wir sind Mainz“, der von dem Jugendsender „Dasding“ betrieben wird (Teil der ARD-Rundfunkanstalt SWR), wurden Videoclips veröffentlicht, in denen ein 21-jähriger Förster interviewt wird. „Als Stadtwald-Ranger bin ich draußen im Wald unterwegs als Ansprechpartner für die Leute“, erklärt er. „Da kommt‘s auch mit Radfahrern, Spaziergängern, Joggern und Reitern öfter mal zu Konflikten.“ Der ARD-Sender fügte von sich aus einen Untertitel hinzu - und legte dem Förster darin die Gender-Sprache in den Mund.

Aus „Leute“ wurde in den Untertiteln „Waldbesucher*innen“. Auch „Radfahrer, Spaziergänger, Jogger und Reiter“ wurden in die geschlechtsneutrale Schreibweise abgeändert. Die Bild berichtete daraufhin über den öffentlich-rechtlichen Kanal, der dem Förster die Gender-Sprache aufgezwungen habe. Der SWR entschuldigte sich mittlerweile für diese Vorgehensweise. „Hierbei handelt es sich um ein Versehen“, teilte man mit und kündigte an, die redaktionellen Regeln zu verschärfen. Im Netz sorgt das Thema dennoch weiterhin für Entrüstung.

„Gendern ist freiwillig“: User in sozialen Netzwerken kritisieren Vorgehen des SWR

Der Vorfall macht deutlich, wie sensibel das Thema gendergerechte Sprache ist. In den sozialen Medien hagelt es Kritik für das Vorgehen des SWR. „Da müssen keine Regeln ‚nachgebessert‘ werden, sondern bestehende Regeln brauchen nur eingehalten werden. Das Verändern von Zitaten bzw. O-Tönen ist sowieso untersagt“, schreibt ein Facebook-Nutzer. „Gendern ist freiwillig“, kommentiert eine Userin auf Twitter. „Eine unglaubliche Frechheit“ und „Das ist nur noch fremdschämen“, heißt es in zwei weiteren Kommentaren.

Andere Nutzer im Netz finden die Debatte hingegen überzogen und fürchten ohnehin nicht, dass sich die Schreibweise durchsetzen wird. Eine YouTuberin aus Stuttgart erläuterte schon einmal, warum die Gender-Sprache ohnehin scheitern wird.

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