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Gruppe von Ukraine-Flüchtlingen protestiert gegen Zustand in Stuttgarter Unterkunft

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Von: Nadja Pohr

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Eine alte Frau sitzt in einer Notunterkunft
Aus Sicht einer Gruppe ukrainischer Flüchtlinge sei die Notunterkunft in den Nebenhallen der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart in einem miserablen Zustand. (Symbolfoto) © IMAGO/Erik Romanenko

In den Notunterkünften der Stadt Stuttgart spitzt sich die Flüchtlingslage weiter zu. Nun hat eine Gruppe von Ukrainern gegen den miserablen Zustand einer Unterkunft protestiert. Tatsächlich gibt es erhebliche Mängel.

Stuttgart - Laut Bundesinnenministerium sind in diesem Jahr 992.517 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine nach Deutschland gekommen (Stand: 17. September 2022). In Stuttgart leben etwa mehr als 7600, die zum Teil in Privatunterkünften oder städtischen Notunterkünften untergekommen sind. Doch die Kapazitäten in der Landeshauptstadt sind langsam ausgeschöpft und unter den Ukrainern steigt die Unzufriedenheit über die aktuellen Gegebenheiten.

Stuttgart: Ukraine-Flüchtlinge protestieren gegen kalte Duschen und schmutzige Sanitäranlagen

In einer der Nebenhallen im Bereich der Hanns-Martin-Schleyer-Halle habe sich eine Gruppe von Ukraine-Flüchtlingen versammelt und gegen die aus ihrer Sicht unwürdige Unterkunft protestiert, berichtet die Stuttgarter Zeitung (StZ). 558 Menschen sind in den beiden Nebenhallen untergebracht. „Die Duschen sind kalt, das ist schlimm für die Kinder, und die Waschmaschinen funktionieren nicht“, sagte ein Geflüchteter gegenüber der StZ. Auch über schmutzige Sanitäranlagen beschweren sich die Menschen vor Ort.

Die Stadt Stuttgart räumt tatsächlich ein, dass es einige Mängel in der Notunterkunft gebe. Grund dafür sei auch, dass es Beschaffungsengpässe gebe, wie Marion Zorn, stellvertretende Leiterin des Sozialamts, erklärte. „Viele Verwaltungen suchen zurzeit Schlaf-, Küchen- und Sanitärcontainer“, sagte sie. Mit zusätzlichen Waschmaschinen soll der hohe Verschleiß kompensiert werden - doch auch dafür benötige es einen zusätzlichen Container. Ursprünglich war die Nebenhalle bei der Schleyerhalle auch gar nicht für eine so lange Nutzungsdauer geplant, dementsprechend wenig sei deswegen auch erneuert worden.

Anstieg der Flüchtlingszahlen spitzt Lage in Stuttgarts Unterkünften weiter zu

Die Lage in den Notunterkünften spitzt sich zu. Sowohl mit dem Sicherheitspersonal als auch unter den Geflüchteten komme es mittlerweile häufig zu Konflikten. Zu einer Entspannung der Situation dürfte es in den nächsten Monaten jedoch nicht kommen. Im Gegenteil: Eine Prognose für September rechnet mit rund 1.300 neuen Flüchtlingen, die in Stuttgart ankommen werden. Dass nun auch russische Reservisten ihre Heimat verlassen, war hierbei noch gar nicht mit einberechnet. Baden-Württembergs Migrationsministerin Marion Gentges (CDU) verdeutlichte diesbezüglich nochmals gegenüber der Bild am Sonntag, dass Wohnraum und Verwaltungspersonal „mittlerweile weitestgehend ausgeschöpft“ seien.

Die Landeshauptstadt Stuttgart kündigte allerdings bereits vor einigen Wochen an, dass man mit zwei Containerdörfern mehr Kapazität schaffen werde. Nach dem Cannstatter Volksfest sollen auf dem Wasen 440 Plätze bereitgestellt werden. Auf der Waldau wird im Herbst ein Containerdorf mit 160 Plätzen errichtet. Darüber hinaus mietete Stuttgart zwei ehemalige Hotels (insgesamt 1.100 Plätze) und ein Boardinghaus (556 Plätze). „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, wir müssen nach jedem Strohhalm greifen“, betonte Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) damals.

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