Neues Sturmgewehr für Bundeswehr

Neues Sturmgewehr für Bundeswehr: Droht Klage von Heckler & Koch?

Das Logo des Waffenherstellers Heckler & Koch ist auf dem Firmengelände an einer Präsentationswand neben Waffen zu sehen. Foto: Marijan Murat/dpa
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Der Waffenhersteller Heckler & Koch liefert künftig keine Sturmgewehre mehr an die Bundeswehr.

Die Bundeswehr bekommt ein neues Sturmgewehr, doch der langjährige Lieferant Heckler & Koch aus Oberndorf geht leer aus. Ist das letzte Wort schon gesprochen?

Update 15. September, 20.10 Uhr: Bei der Bundeswehr geht bald eine Ära zu Ende. Seit 1959 lieferte Heckler & Koch die Sturmgewehre für die Soldaten, doch damit ist bald Schluss. Künftig stammen diese vom Thüringer Hersteller C.G. Haenel. „Vorbehaltlich einer ausgiebigen juristischen Überprüfung bedauern wir diese Entscheidung“,  sagte der Vorstandsvorsitzende von Heckler & Koch, Jens Bodo Koch.

Neues Sturmgewehr der Bundeswehr: Ex-Lieferant findet deutliche Worte - droht eine Klage?

Der Waffenhersteller aus Rottweil denkt laut dem SWR sogar über rechtliche Schritte gegen die Vergabe des Großauftrags durch das Bundesverteidigungsministerium nach. Unabhängig davon betonte Finanzvorstand Björn Koch, dass die 950 Jobs in Oberndorf nicht in Gefahr seien. Auch ohne den Sturmgewehr-Großauftrag der Bundeswehr ist die Nachfrage nach Waffen von Heckler & Koch laut dem SWR ungebrochen hoch und übersteige die Produktionskapazitäten.

Erstmeldung 15. September: Rottweil - Nach einem jahrelangen Auswahlverfahren ist klar: Die Bundeswehr bekommt ein neues Sturmgewehr! Es ist eine besonders bittere Entscheidung für den bisherigen Lieferanten Heckler & Koch aus Oberndorf am Neckar (Kreis Rottweil).

Denn: Das Bundesverteidigungsministerium soll das neue Sturmgewehr nach dpa-Informationen von dem Thüringer Hersteller C.G. Haenel beziehen - von dort wird die Bundeswehr bereits mit einem Scharfschützengewehr beliefert. Mit dieser Entscheidung verpasst Heckler & Koch einen mehr als lohnenden Auftrag, wie echo24.de* berichtet!

Die Bundeswehr soll 120.000 neue Waffen erhalten, der Wert der Sturmgewehr-Bestellung beläuft sich auf knapp 250 Millionen Euro! Dieser Entscheidung voraus war 2012 die Diskussion um die Treffgenauigkeit des Sturmgewehrs G36* gegangen, das von Heckler & Koch geliefert wurde. Späteren amtlichen Untersuchungen zufolge traten diese nach langen Schussfolgen oder auch unter Hitzeeinwirkung auf. Darüber berichtet auch merkur.de*. Von den Soldaten wird die Waffe jedoch bis heute geschätzt.

Sturmgewehre für die Bundeswehr: Thüringer Unternehmen C.G. Haenel bekommt Mega-Auftrag

Trotzdem fiel die Entscheidung für neue Sturmgewehre der Bundeswehr am Ende auf C.G. Haenel. Das Thüringer Unternehmen hatte in einem 2017 eingeleiteten Bieterverfahren eine Waffe vorgelegt, das sich in „umfangreichen Tests als etwas besser auf die Anforderungen des Militärs zugeschnitten und auch als wirtschaftlich vorteilhaft erwiesen hat“. Das soll die dpa aus Militärkreisen erfahren haben. Erst am Montag, 14. September, machte die Bundeswehr negative Schlagzeilen: Polizeiermittler haben in Mecklenburg-Vorpommern Wohn- und Büroräume wegen Extremismusverdachts gegen einen 40-jährigen Soldaten durchsucht.

Neues Sturmgewehr der Bundeswehr: Ehemaliger Lieferant Heckler & Koch geht leer aus

Die Entscheidung um das neue Sturmgewehr für die Bundeswehr, die im März die Zusammenarbeit mit der US-Army bei der Übung „Defender Europe 20“* wegen Corona stoppen musste, dürfte für den bisherigen Lieferanten Heckler & Koch aus Oberndorf am Neckar (Kreis Rottweil) zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt kommen. Das Problem: Das Unternehmen ist hoch verschuldet! Nach zwei Verlustjahren wirtschaftete Heckler & Koch zuletzt zwar wieder profitabel, aber die Situation ist weiter angespannt. Die Finanzverpflichtungen von 249 Millionen Euro sind in etwa so hoch wie der Jahresumsatz, der 2019 bei 239 Millionen Euro lag.

Aktuell beschäftigt Heckler & Koch 910 Angestellte in der Firmenzentrale in Oberndorf im Kreis Rottweil, hinzu kommen 85 in den USA. Denn dort hat Heckler & Koch ein Pistolen-Montagewerk - und der Anteil des US-Markts liegt mittlerweile bei einem Viertel des Konzernumsatzes. Trotzdem: Deutschland macht noch ein Drittel der Erlöse aus, denn neben dem Großkunden Bundeswehr wird auch die Polizei mit Waffen beliefert. *echo24.de und merkur.de sind Teil des Ippen Digital Netzwerks.

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