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„Wie herzlos kann man sein?“: Stuttgarter nach Farbattacken auf Obdachlose schockiert - Polizei setzt Soko ein

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Von: Nadja Pohr

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Obdachloser liegt auf der Straße
Die Attacken auf die Obdachlosen in Stuttgart verliefen bisher identisch: Die Opfer bezogen ihr Nachtlager auf der Straße und waren wohl so stark alkoholisiert, dass sie von den Farbattacken nichts mitbekamen (Symbolbild). © Marijan Murat/dpa

Acht Obdachlose in Stuttgart sind mittlerweile Opfer von Farbattacken geworden. Die Polizei ist alarmiert und intensiviert mit einer Sonderkommission die Ermittlungen. Auch die Bürger zeigen sich schockiert.

Update vom 16. September, 15.37 Uhr: Die neu gegründet Sonderkommission der Polizei in Stuttgart ermittelt inzwischen in acht Fällen, in denen Obdachlose mit Farbe überschüttet wurden. Die Beamten haben nun zusätzlich Flugblätter erstellt. Auf Deutsch, Englisch, Italienisch, Russisch, Bulgarisch, Serbisch, Rumänisch, Polnisch, Ungarisch und Türkisch informieren sie zu „Tipps für Ihrer Sicherheit“. Betroffene sollen nach einem Angriff andere um Hilfe bitten und möglichst in Unterkünften die Nacht verbringen, empfiehlt die Polizei.

Erstmeldung vom 14. September, 12.23 Uhr: Stuttgart - In der Landeshauptstadt Stuttgart kam es in den vergangenen Tagen zu mehreren rätselhaften Zwischenfällen. Vier Obdachlose, die nachts schlafend auf der Straße lagen, wurden mit Farbe überschüttet. Der erste Fall ereignete sich am 3. September in der Sophienstraße. In der Nacht zum 8. September traf es einen Mann in der Marienstraße, nur einen Tag später dann in der Neckarstraße. Das vierte Opfer am 13. September befand sich ebenfalls in der Marienstraße.

Die Polizei in Stuttgart ermittelt und hofft auf Zeugenhinweise. Unklar ist derzeit noch, ob es sich um einen Einzeltäter oder mehrere Unbekannte handelt. Klar ist deshalb auch: Die Farbattacken-Serie auf Obdachlose in Stuttgart könnte weitergehen.

Polizei Stuttgart gründet Sonderkommission nach rätselhafter Serie

Die Attacken auf die Obdachlosen in Stuttgart verliefen bisher immer identisch: Die Opfer bezogen ihr Nachtlager auf der Straße und waren wohl so stark alkoholisiert, dass sie von der Tat nichts mitbekamen. Unbekannte beschmierten ihre Gesichter und Kleider dann im Laufe der Nacht mit weißer oder grauer Wandfarbe. Die Polizei zeigt sich alarmiert: „Zur Aufklärung der Fälle ist nun eine Ermittlungsgruppe gegründet worden“, sagt Polizeisprecher Sven Burkhardt der Stuttgarter Zeitung (StZ).

Die Sonderkommission gehört zum Innenstadtrevier und sollen nun den Angreifern auf die Spur kommen. Und auch die Caritas Stuttgart ist besorgt und will die Betroffenen warnen, wie die StZ berichtet. „Unsere Mitarbeitenden, vor allem der Tagesstätte und der Fachberatungsstelle, sind sensibilisiert“, sagt Bereichsleiter Harald Wohlmann, „und das Thema wird unter den Menschen, die zu uns kommen, ebenfalls diskutiert.“

Stuttgarter sind schockiert über die Attacken - Fälle weisen Parallelen zu Angriffs-Serie in Köln auf

Auch die Stuttgarter sind schockiert über die perfiden Attacken. „Unfassbar“ oder „So etwas geht gar nicht“, schreiben Nutzer auf Facebook. „Wie herzlos kann man sein?“, fragt sich eine Userin. „Es macht fassungslos, wie gefühlskalt und gleichgültig viele Menschen sind“, kommentiert ein anderer. Die Nutzer hoffen, dass die „Dreckspatzen“ zügig gefunden werden.

Eine Serie solcher Farbattacken ereignete sich von September bis November 2021 auch in Köln. In diesem Zeitraum kam es zu elf Verfahren, wie Philipp Hüwe, Polizeisprecher in Köln, berichtet. Viele Hinweise seien damals aus der Bevölkerung eingegangen, doch ein konkreter Tatverdacht habe sich nie ergeben. Schließlich endeten die Farbattacken auf Obdachlose dort irgendwann von selbst. Hüwe schließt deshalb nicht aus, dass es einen Zusammenhang mit den Fällen in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg gibt.

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