„Schwarzwald-Rambo“ hatte Beamte entwaffnet

Fall Yves Rausch: Google-Eintrag von Polizei Oppenau verändert – das steckt dahinter

Oppenau: Am 17. Juli ist Yves Rausch nach einer tagelangen Fahndung festgenommen worden. Einige Menschen üben schon seit seiner Flucht Kritik an der Polizei Oppenau. Das sieht man jetzt auch auf Google: 

  • Am 12. Juli entwaffnete Yves Rauch mehrere Polizisten in Oppenau (Baden-Württemberg) und flüchtete in den Wald.
  • Am 17. Juli kann der „Schwarzwald-Rambo“ gefasst werden und sitzt seitdem in U-Haft.
  • Ein Yves Rausch Fan-Club startet einen Spendenaufruf.
  • Polizeiposten Oppenau wird zu „Polizeipfosten Oppenau“ - das steckt dahinter:

Update vom 29. Juli: Wenn man in den letzen Tagen nach „Polizei Oppenau“ googelt, dem schlägt sie Suchmaschine das Ergebnis „Polizeipfosten Oppenau“ vor. Das wieder rückgängig zu machen, erweist sich für das Polizeipräsidium Offenburg schwerer als gedacht. Denn jeder Nutzer kann zu einem Brancheneintrag Änderungen vorschlagen.

Wenn viele Nutzer „Polizeipfosten Oppenau" als Namen vorschlagen würden, berücksichtige Google das. Solche Änderungen in den Branchenbucheinträgen würden regelmäßig vorkommen, so Yannick Hilger von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Offenburg gegenüber der BNN. Meist gebe es ein Ereignis, sodass ein bestimmtes Revier viel Aufmerksamkeit bekommt. Für alle Beamten sei so ein Eintrag sehr unbefriedigend, genauso wie beleidigende Kommentare auf Facebook. Man stehe aktuell im Austausch mit dem Präsidium Technik, Logistik und Service um den Brancheneintrag zu ändern. Die Kritik an der Polizei Oppenau hat seinen Lauf genommen, als bekannt wurde, dass vier Polizisten von Yves Rausch entwaffnet worden sind.

Der geänderte Google-Eintrag der Polizei Oppenau (Screenshot)

Oppenau: Fan von Yves Rausch entdeckt kurioses Detail

Update vom 28. Juli: Die Mitglieder des Yves Rausch Fan-Clubs geben nicht auf und wollen dem Inhaftierten weiter unterstützen. Allerdings herrscht immer noch Unstimmigkeit wegen des Spendenkontos. „Klar kann ich Misstrauen verstehen, Geld an seine Familie als „Unterstützerin“ zu überweisen. Man bräuchte irgendwie einen Beweis“ , so ein Facebook-User. Er schlägt deshalb vor, dass man eventuell Bargeld direkt an die JVA schicken könnte.

Währenddessen stellen die Fans von Yves Rausch einen kuriosen Zusammenhang fest. Die Polizei wurde am 12. Juli alarmiert, weil Yves mit Pfeil und Bogen gesehen wurde. Wie die Fans nun herausgefunden haben, bedeutet der Vorname „Yves“ übersetzt Bogenschütze. „Zufall? Ich glaube nicht.“, so ein Facebook-User.

„Schwarzwald-Rambo“ von Oppenau: Spendenaufruf gescheitert? Streit im Yves Rausch Fan-Club

Update vom 27. Juli: Trotz der über 3.000 Mitglieder des Yves Rausch Fan-Clubs auf Facebook, sind auf dem Spendenkonto für den „Schwarzwald-Rambo“ erst knapp über 200 Euro eingegangen. Die Spenden sollen dabei helfen, die Prozess- und Anwaltskosten zu decken. Ziel sind 5.000 Euro - doch wird es überhaupt erreicht? Eine Facebook-Userin wundert sich, dass trotz der vielen Anfragen im Vorfeld nur so wenige gespendet haben.

Ein Grund dafür ist sicherlich, dass das Spendenkonto von einer Privatperson verwaltet wird, die das Geld dann an die Familie weitergeben soll. Schon bei der Ankündigung wurde versichert, dies gegebenenfalls mit Screenshots zu belegen. Einige Mitglieder sind trotzdem skeptisch: „Ich glaube euch trotzdem kein Wort ihr holt euch bestimmt paar Kästchen Bier für die Kohle“.

Oppenau: Spendenkonto für Yves Rausch wird aufgelöst

Ein anderer wundert sich, dass das Geld überhaupt an Yves Rauschs Mutter gehen soll: „Der Typ ist 31 Jahre alt, hat ne Ausbildung zum Schreiner absolviert, bekommt aber sein Leben nicht auf die Reihe! Obdachlos, ohne Wohnsitz, ist in ne Gartenlaube eingebrochen und hat illegal dort „gehaust“. Warum hat seine Mutter ihn nicht aufgenommen? Und jetzt soll das Geld an seine Mutter gehen?“ Auch ein konkurrierender Spendenaufruf sorgt bei den Fans für Unsicherheit.

Dieses Zerwürfnis unter den Fans führt am Sonntagabend, 26. Juli dazu, dass das Spendenkonto aufgelöst wird. In den nächsten Tagen soll einer von Yves Rauschs engsten Vertrauten die Verwaltung eines neuen Kontos übernehmen.

„Schwarzwald-Rambo“ von Oppenau: Spendenkonto für Yves Rausch eingerichtet

Update vom 25. Juli: „Gerechtigkeit für Yves Rausch“ – so lautet der Spendenaufruf für den „Schwarzwald-Rambo“, der vor Kurzem gestartet wurde. Yves Rausch hat bei seiner tagelangen Flucht in Oppenau nicht nur Gegner, sondern auch Sympathisanten gefunden. Auf Facebook gibt es bereits einen „Yves Rausch Fan-Club“, der mehr als 3.200 Mitglieder hat. Bereits vor einer Woche sollte ein Spendenaufruf für den 31-Jährigen gestartet werden, aber „durch paar Umstände, wie zum Beispiel Corona, hat es etwas mit dem Konto gedauert“, wie ein Mitglied des Fan-Clubs schreibt. „Wir haben es geschafft und nun kann es endlich losgehen“.

Ziel ist es, insgesamt 5.000 Euro zu sammeln. Bislang sind rund 170 Euro eingegangen. Das gespendete Geld gehe direkt an die Mutter des „Schwarzwald-Rambos“ von Oppenau und soll für Prozess- und Anwaltskosten verwendet werden. „Wir hoffen, dass ihr versteht, dass wir das wirklich ernst meinen. Yves hat Fehler gemacht, das ist richtig, aber gleich wie ein Tier von über 2.000 Beamten gejagt zu werden mit ordentlicher Portion Rufmord hat er nicht verdient", heißt es im Facebook-Post jener Gruppe, die einen Aufruf zur Stürmung der JVA in Offenburg veröffentlichte. Die Aktion hat allerdings nie stattgefunden.

„Schwarwald-Rambo“ von Oppenau packt aus – so konnte er sich vor der Polizei verstecken

Meldung vom 22. Juli: Sechs Tage lang schaute ganz Deutschland nach Oppenau in Baden-Württemberg. Dort begann am 12. Juli die lange und nervenzerreißende Suche nach Yves Rauch. Zuvor hatte die Polizei den Hinweis erhalten, dass sich ein verdächtiger Mann in einer Hütte im Schwarzwald aufhalten würde. Bei einer Polizeikontrolle bedrohte Yves Rausch dort die Beamten, zielte mit nur 1,5 Metern Abstand direkt auf einen der Polizisten. Aus Sorge um ihren Kollegen legten alle Beamten ihre Dienstwaffen nieder. Mit den Pistolen im Gepäck verschwand der 31-Jährige und konnte erst am 17. Juli gefasst werden.

Doch die tagelange Fahndung brachte nicht nur die Stadt Oppenau und die Polizei an ihre Grenzen, wie HEIDELBERG24* berichtet. Auch der „Schwarzwald-Rambo", wie Yves Rauch seither nur noch genannt wird, hat in diesen 6 Tage einiges durchgemacht.

Oppenau: Yves Rausch verschwand ohne Essen in den Wald – für 144 Stunden

Die Polizei Offenburg nennt am Mittwoch (22. Juli) Details, wie Yves Rausch im Wald überlebt hat. Denn laut Polizei und Staatsanwaltschaft hat der Mann bei seiner Festnahmeumfangreiche spontane Angaben“ gegenüber der Kripo gemacht. „In seinen ersten Einlassungen gab der 31-Jährige einige Einblicke zu den Geschehnissen während seiner Flucht“, heißt es in einer Mitteilung. Einige dieser Aussagen geben Polizei und Staatsanwaltschaft nun bekannt.

Nachdem er am Sonntag, den 12. Juli die vier Polizisten entwaffnet hat, habe er in aller Eile die vier Pistolen sowie „das Notwendigste“ eingepackt. Allerdings: Proviant habe der 31-Jährige bei seiner Flucht in den Wald in Oppenau nicht mitgenommen. Ob ihm bewusst war, dass er die nächsten 144 Stunden im rund 6.000 Quadratmeter großen Schwarzwald verbringen wird, ist nicht klar.

Er habe im Verlauf des Sonntags unter anderem einen Polizeihubschrauber wahrgenommen, woraus er schloss, dass er offensichtlich gesucht werde“, so die Polizei Offenburg. Die Ermittler gehen nicht davon aus, dass der „Schwarzwald-Rambo“ die Berichterstattung über ihn mitbekommen habe.

Oppenau: Yves Rausch hat sein Handy ausgeschaltet um nicht geortet zu werden

Hierzu äußerte der Beschuldigte, dass er sein Handy deaktivierte habe, um nicht geortet werden zu können, und dass er aufgrund des mangelnden Mobilfunknetzes seines Smartphones von der Außenwelt abgeschnitten gewesen sei. Der Gebrauch des Handys beschränkte sich nach seinen Angaben auf die gelegentliche Nutzung abgespeicherter Bilder und Videos", heißt es weiter.

Oppenau: 5 Tage im Wald – so versteckte sich Yves Rausch vor der Polizei

Wie die Polizei und Staatsanwaltschatt Oppenau weiter berichten, soll sich der zu diesem Zeitpunkt Flüchtige in den Wäldern nahe Oppenau aufgehalten haben. „Hierbei habe er sich hauptsächlich nachts bewegt und tagsüber Unterschlupf in Gruben und Erdlöchern gesucht“, erklärt die Polizei. Yves Rausch habe in den sechs Tagen im Wald fast nur Wasser getrunken.

Nach mehreren Tagen ist der Flüchtige gefasst worden.

Nennenswerte Verletzungen trug der „Schwarzwald-Rambo“ laut der Polizei aber nicht davon. Ein Notarzt konnte dies bestätigen, weshalb er nach der Verhaftung nicht in ein Krankenhaus sondern direkt in Untersuchungshaft kam.

Fall Oppenau: „Schwarzwald-Rambo“ verfasst Abschiedsbrief – „falls ihm bei der Flucht etwas zustoße“

Im Rahmen der Festnahme fanden die Polizisten aus Oppenau und Region ein Schriftstück. Es handelt sich „nach derzeitigem Sachstand um ein persönliches Schreiben an seine Angehörigen, das er für den Fall verfasste hatte, dass ihm bei der Flucht etwas zustoßen sollte", erläutern Polizei und Staatsanwaltschaft.

Während der Fahndung gingen bei der Polizei zahlreiche Hinweise ein. Allein sieben Beamte waren mit der Vorsichtung der zahlreichen Beobachtungen beschäftigt. Unter anderem mussten die Einsatzkräfte in Offenburg, Renchen, Oberharmersbach, Straßburg und Baiersbronn verdächtige Wahrnehmungen prüfen.

Fall Oppenau: Die Festnahme – so kommt die Polizei Yves Rausch auf die Schliche

Die Polizei hoffte mit Hubschraubern, zahlreichen Einsatzkräften und einem öffentlichen Aufruf, der sich direkt an Yves Rausch richtete, den Flüchtigen zu finden. Am Ende führten aber die Hinweise zweier Zeugen sowie die Fährte des Spürhundes „Milow“ dazu, dass Yves Rausch im Wald gefunden werden kann.

Bei der Festnahme verletzte der 31-Jährige einen Beamten mit einer Axt, dieser wird aber glücklicherweise nicht schwer verletzt. In diesem Zusammenhang ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Oppenau: Nach tagelanger Fahndung und Festnahme – Yves Rausch schweigt in U-Haft

Im Rahmen der Vernehmung bei der Polizei und vor dem Haftrichter macht Yves Rausch nun auf Anraten seiner Verteidiger von seinem Schweigerecht Gebrauch. Den Verteidigern wird zwischenzeitlich durch die Staatsanwaltschaft Einsicht in die Ermittlungsakten gewährt. Sie werden nunmehr gemeinsam mit dem Beschuldigten entscheiden, ob weitere Angaben zur Sache gemacht werden.

Aufgrund des laufenden Ermittlungsverfahrens sowie aus einsatztaktischen Gründen können keine weiteren Details zur Festnahme bekanntgegeben werden. Die im Verlauf des Samstags durchgeführte Durchsuchung des Gebiets rund um den Festnahmeort bei der Straße „Ramsbächle“ und im Bereich der Gartenhütte brachte keine weiteren Beweismittel hervor. Die polizeilichen Maßnahmen in Oppenau sind abgeschlossen", heißt es abschließend von der Polizei Offenburg. (pol/jol) *HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Benedikt Spether/dpa / Screenshot Google

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