Ist das Datenschutzkonform?

Krasse Aktion von Lidl: Discounter scannt die Gesichter von Kunden - aber wozu?

Lidl mit Sitz in Neckarsulm lässt sich immer neue Aktionen für seine Kunden einfallen. Der neue „Omüse“-Scanner des Discounters ist aber bedenklich.

Mit der Lidl-Plus-App* sorgte der Discounter aus Neckarsulm im vergangenen Jahr für Schlagzeilen. Zwar profitieren die Nutzer von lukrativen Vorteilen, zahlen dafür aber auch einen hohen Preis. Die echo24.de-Redaktion* berichtete ausführlich über die Menge an persönlichen Daten, welche die Kunden mit der Nutzung der App preisgeben müssen. Nun ist Lidl mit Sitz in Neckarsulm mit der nächsten krassen Aktion am Start. Und die heißt „Omüse“-Scanner.

Lidl aus Neckarsulm: Neuer „Omüse“-Scanner scannt Gesichter von Kunden

Konkret handelt es sich um eine Anwendung, die mit Smartphones und Tablets ausgeführt werden kann. Der Discounter aus Neckarsulm wirbt damit, dass der „Omüse“-Scanner anhand des Gesichtes die individuelle Obst- und Gemüsekombination für den Nutzer zusammenstellt. Bevor das Vergnügen auf der mit Lidl allerdings losgehen kann, muss der Nutzer zwei Häkchen setzen. Es geht um die Datenschutzhinweise und die Verarbeitung personenbezogener Daten.

Die beiden Einwilligungen sind schnell erteilt. Wer allerdings das Kleingedruckte vorher liest, erkennt, dass nicht nur der Anwender von der Nutzung profitiert. Denn neben der Fotoaufnahme verarbeitet Lidl auch das ungefähre Alter und das Geschlecht des Nutzers. Interessant ist, dass Geschlecht und das Alter vom Anwender gar nicht angegeben werden. Heißt: Die Information zieht sich Lidl von der Fotoaufnahme, die angefertigt wird. Auch die individuelle IP-Adresse wird erfasst.

Lidl aus Neckarsulm: Neuer „Omüse“-Scanner analysiert die Daten nicht nur

In den Datenschutzhinweisen von Lidl heißt es, dass die verarbeitenden Daten benötigt werden, „um ein passendes Ergebnis anbieten zu können“. Ob das Ergebnis des „Omüse“-Scanner tatsächlich passend ist, sei einmal dahingestellt. Der Autor des Textes probiert den Scanner mehrmals aus. Interessant dabei ist, dass unterschiedliche Ergebnisse rauskommen. Heißt: Der perfekt Vitaminmix für den Anwender ist scheinbar in mehreren Obst- und Gemüsesorten zu finden.

An dieser Stelle fragt man sich, wer vom „Omüse“-Scanner wohl am meisten profitiert? Immerhin: Die Anwendung läuft flüssig und innerhalb weniger Sekunden bekommt der Nutzer ein Ergebnis. Neben zwei Häkchen muss zudem der Zugriff auf die Kamera des Smartphones oder Tablets gewährt werden. Die scheinbar individuelle Vitaminbombe kann anschließend mit Freunden geteilt oder als Foto abgespeichert werden. Passende Rezept zum Ergebnis biete Lidl übrigens auch an.

Lidl aus Neckarsulm: Fazit zum „Omüse“-Scanner: Das sollten Nutzer wissen

Fazit: Der „Omüse“-Scanner von Lidl ist eine nette Spielerei. Allerdings sollten sich Anwender vorher genau überlegen, ob sie dafür auch bereits sind, personenbezogenen Daten an Lidl zu übermitteln. In der Regel liest man sich die Datenschutzhinweise und die Hinweise zur Datenverarbeitung nicht durch. Im Fall des „Omüse“-Scanner von Lidl ist es allerdings empfehlenswert. Aber immerhin: Die Datenschutzhinweise sind einfach verfasst und relativ übersichtlich strukturiert.

Die Nutzung des „Omüse“-Scanners von Lidl kostet. Zwei wichtige Häkchen müssen gesetzt und der Zugriff auf die Kamera erlaubt werden (Fotomontage).

Fakt ist aber, dass genau wie bei der Lidl-Plus-App* persönliche Daten verarbeitet und abgespeichert werden. Wer damit nicht einverstanden ist, sollte die Finger vom „Omüse“-Scanner des Discounters aus Neckarsulm lassen. Eine sinnvolle Ergänzung zum „Omüse“-Scanner sind die passenden Rezepte zur scheinbar individuellen Vitaminbombe trotzdem. Wer also bereit ist, Daten von sich preiszugeben, kann durchaus von der Nutzung des „Omüse“-Scanners von Lidl profitieren.

Neben echo24.de* berichten auch ruhr24.de* über den neuen „Omüse“-Scanner von Lidl* und die Daten, welche die Nutzer preisgeben müssen. Und auch merkur.de berichtet über die Risiken des „Omüse“-Scanners* von Lidl ausführlich. Wer übrigens nach der Nutzung der Anwendung nicht will, dass seine Daten in irgendeiner Form gespeichert werden, kann eine Nachricht an Lidl schicken und seine Einwilligung zur Datenverarbeitung widerrufen. Der Kundensupport von Lidl regiert meist schnell auf Anfragen. *echo24.de, ruhr24.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa/Screenshot: Lidl/Collage: echo24.de

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