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Hundeführerschein in Baden-Württemberg: Macht das Sinn? Experten packen aus

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Von: Lisa Klein

Das Land plant einen Hundeführerschein für Baden-Württemberg. Nun äußert sich der Deutsche Tierschutzbund e.V., inwieweit dieser tatsächlich sinnvoll ist.

Das Thema Hundeführerschein in Baden-Württemberg wird wild diskutiert und die Meinungen dazu gehen weit auseinander. Auf Anfrage von echo24.de* hat sich nun der Deutsche Tierschutzbund e.V. zu dem Thema Hundeführerschein geäußert, inwieweit ein Sachkundenachweis oder ein Hundeführerschein zum Schutz der Tiere sinnvoll ist.

Generell muss bei dem Thema Hundeführerschein in Baden-Württemberg unterschieden werden: „Während der Sachkundenachweis theoretische Kenntnisse abfragt, ist der Hundeführerschein eine Überprüfung des Hund-Halter-Gespanns in Theorie und Praxis“, erklärt Hester Pommerening, Presse-Referentin des Deutschen Tierschutzbund e.V.

Zu dem geplanten Hundeführerschein in Baden-Württemberg sind bislang noch keine Details bekannt, aktuell ist dieser nur als Punkt in dem grün-schwarzen Koalitionsvertrag des Landes verankert – ob letztendlich nur ein Sachkundenachweis oder auch eine theoretische Prüfung für Hundehalter verpflichtend wird, ist also noch nicht bekannt. Der Deutsche Tierschutzverband e.V. hat sich daher zu beiden Prüfungsformen geäußert.

Baden-Würrtemberg: Deutscher Tierschutzbund befürwortet den Hundeführerschein

Der Nachweis der Sachkunde kann durch einen anerkannten Sachverständigen, einer anerkannten sachverständigen Stelle oder von durch die Tierärztekammern benannten Tierärzten erteilt werden. Wer den Sachkundeausweis ausstellen darf, hängt von der Kategorie ab, unter die der Hund in dem jeweiligen Bundesland fällt. Das Wissen von Hundehaltern wird in der Regel mithilfe eines Fragebogens mit Multiple-Choice-Fragen geprüft. Wie auch beim Auto-Führerschein kann dafür vorab online geübt werden.

„Einen Sachkundenachweis vor der erstmaligen Anschaffung eines Hundes zu machen und vorzuweisen, wie es in Niedersachsen gefordert wird, ist in den anderen Bundesländern bisher nicht vorgeschrieben. Dies wäre jedoch aus Tierschutzsicht sinnvoll! Und zwar ganz unabhängig von der Rasse des Hundes“, stellt die Presse-Refertin klar. Ein solcher Sachkundenachweis ist im Normalfall übrigens lebenslänglich gültig.

„Wir sehen es als Vorteil, wenn sich Menschen, die sich zum ersten Mal für einen Hund interessieren, bereits vor der Anschaffung sachkundig machen und sich klarmachen, was Hunde benötigen und welcher Typus Hund zu ihnen passt. Spontankäufe werden dadurch erschwert und Tierleid verhindert. Die Kosten von rund 50 Euro sind überschaubar* und von den zukünftigen Hundehaltern mit einkalkuliert werden“, begründet Pommerening die Befürwortung des Sachkundenachweises.

In der Corona-Pandemie haben zahlreiche Tiere ein Zuhause gefunden. Doch nun fürchten Tierschützer derzeit, dass viele Haustiere wieder im Tierheim landen* – da die Anschaffung eventuell nicht gut genug überlegt war. Ein Hundeführerschein in Form eines Sachkundenachweises könnte verhindern, dass die Anschaffung eines Tieres unüberlegt und spontan beschlossen wird.

Tierschutz in Deutschland: Einen Sachkundenachweis sollten alle Tierbesitzer machen

Vor allem der Kostenpunkt sollte nicht ausschlaggebend für Kritik von Gegnern des Hundeführerscheins sein: „Die Hundehaltung ist auch ganz unabhängig davon bereits mit hohen Kosten verbunden, die man erst einmal aufbringen können muss. Das muss jedem Hundeinteressenten klar sein. Man muss – je nach Hundegröße – mit mindestens 12.000 bis 17.000 Euro rechnen, die im Laufe eines Hundelebens anfallen.“

Ein echo24.de*-Leser hat auf Facebook kritisiert, dass es nicht nur einen Sachkundenachweis für Hundehalter geben sollte, sondern für alle Tierbesitzer. Dem stimmt auch der Deutsche Tierschutzverband e.V. zu: „Sachkunde vorweisen zu müssen wäre nicht nur in der Hundehaltung sinnvoll, sondern generell für Haustiere angebracht. Anders als zum Beispiel in der Schweiz oder Österreich fehlt es in Deutschland nach wie vor an Regelungen zum Schutz der Heimtiere.“

Hund und Katze
Ein Sachkundenachweis ist laut des Deutschen Tierschutzbundes auch für andere Haustiere durchaus sinnvoll. (Symbolfoto) © Silke Heyer/dpa

Für Hester Pommerening ist ein Sachkundenachweis für alle Tierhalter richtig, denn aktuell „kann quasi jedermann nach Gutdünken ein beliebiges Tier halten oder mit einer Tierart züchten. Viele Fehler in der Heimtierhaltung beruhen auf Unwissenheit und Tiere leiden darunter, dass Tierhalter nicht die notwendige Sachkunde nachweisen müssen. Da es kaum konkrete gesetzliche Vorgaben zur Haltung von Heimtieren gibt, fordert der Deutsche Tierschutzbund eine Heimtierschutzverordnung“.

Hundeführerschein in Baden-Württemberg: Was ist der Unterschied zum Sachkundenachweis?

Doch zurück zum Thema Hundeführerschein in Baden-Württemberg: Für den Hundeführerschein im eigentlichen Sinne werden die theoretischen Kenntnisse des Hundehalters in Form eines Sachkundenachweises abgefragt. Darüber hinaus erfolgt zusätzlich eine praktische Überprüfung mit Hund – theoretisch muss die Praxis-Prüfung nicht mit dem eigenen Hund absolviert werden.

In Niedersachsen besteht eine Hundeführerschein-Pflicht für alle Neu-Hundehalter – egal welche Hunderasse gehalten wird. In anderen Bundesländern wird der Hundeführerschein oder die Überprüfung des Wesens des Hundes (Wesenstest) für die Haltung eines „gefährlichen“ Hundes gefordert oder zur Auflage gemacht, weil Hund und Halter auffällig geworden sind.

In den meisten Bundesländern ist das Vorweisen eines Hundeführerscheins freiwillig und kann Vorteile bringen, wie eine Befreiung von der Leinenpflicht in bestimmten Bereichen*, so etwa in Berlin oder eine Vergünstigung der Hundesteuer. Kurse zur Vorbereitung finden in vielen Hundeschulen statt, die die Berechtigung durch ihre zuständige Behörde erhalten haben. Auch die Abnahme dürfen anerkannte Hundetrainer, Hundeschulen, Tierärzte und Verbände durchführen. Die anerkannten Trainer und Tierärzte finden sich in der Regel auf der jeweiligen Website der Landestierärztekammer. Nach bestandener Prüfung erhält der Halter ein Dokument als Nachweis.

Ist ein Hundeführerschein in Baden-Württemberg wirklich sinnvoll?

„Wenn ein Hund bereits im Besitz des Halters ist, wäre eine Überprüfung aus unserer Sicht nur dann nötig, wenn Hund und Halter auffällig wurden. Eine pauschale Diskriminierung bestimmter Rassen, wie sie die Hundegesetze vieler Bundesländer vorgeben, ist nicht gerechtfertigt. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass von bestimmten Rassen eine höhere Gefahr ausgeht“, kritisiert Pommerening.

Kampfhund mit Maulkorb
Für sog. „Listenhunde“ bestehen Sonderregelungen. Sie werden als gefährlich eingestuft. Der Deutsche Tierschutzbund lehnt eine pauschale Diskriminierung von Listenhunden ab. (Symbolbild) © Christina Sabrowsky/dpa

Allerdings lehnt der Deutsche Tierschutzbund den Hundeführerschein als solchen nicht komplett ab, auch zum Schutz von sogenannten „Listenhunden“: „Wer sich einen Hund neu anschafft, der im eigenen Bundesland auf einer Rasseliste steht, muss sich im Vorfeld bewusst sein, dass die Haltung des Hundes – im Vergleich zu Rassen, die nicht auf der Liste stehen – mit deutlich höheren Kosten verbunden ist. Dazu gehört, dass man Kosten für einen eventuellen Hundeführerschein beziehungsweise Wesenstest einkalkuliert, wenn der Hunde zum Beipsiel ohne Maulkorb laufen soll, aber auch für die Hundesteuer, die in der Regel deutlich höher ausfällt.“

Zusammenfassend befürwortet der Deutsche Tierschutzbund e.V. vor allem den Sachkundenachweis für alle Hundehalter, zudem wäre ein solcher Nachweis auch für andere Tierhalter durchaus sinnvoll. Einen Hundeführerschein mit einer praktischen Prüfung, bei welcher nicht nur das Wissen des Halters, sondern auch der Hund geprüft wird, empfindet die Presse-Referentin als nicht zwingend notwendig. So oder so – ob mit oder ohne Pflicht – sollte sich jeder vor der Anschaffung eines Tieres ausgiebig informieren. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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