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Trotz Energiesparverordnung: Stuttgarter Innenstadt hell erleuchtet - „Das soll sich Solidarität nennen?“

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Von: Nadja Pohr

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Beleuchtung in der Stuttgarter Königstraße
In vielen Bereichen in der Stuttgarter Innenstadt brennt auch nach 22 Uhr noch Licht, obwohl die Energiesparverordnung etwas anderes vorschreibt (Symbol- und Archivbild). © Christoph Schmidt/dpa

Seit Anfang September sollten die Lichter in Gebäuden und Geschäften zwischen 22 Uhr und 16 Uhr eigentlich aus bleiben, doch in Stuttgart hält sich kaum einer daran. Die Innenstadt ist weiterhin hell erleuchtet.

Stuttgart - Seit dem 1. September gilt in Deutschland die sogenannte „Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung“. Damit ruft die Bundesregierung zum Energiesparen in Gebäuden auf. Unternehmen und Händler in ganz Deutschland sollen auf ihre Leuchtreklame verzichten und sie von 22 Uhr bis 16 Uhr ausschalten. Die Stuttgarter Händler wollten im Zeichen ihrer Solidarität in der Energiekrise sogar bei der Schaufensterbeleuchtung sparen.

Mit dem Bekanntwerden der Verordnung wuchs bei den Stuttgartern jedoch gleichzeitig die Sorge über die Sicherheit in der Stadt. „Da wird die Kriminalität in Stuttgart wieder steigen“, schrieb ein User auf Facebook dazu. Doch die Angst vor einer kompletten Dunkelheit ist zumindest bislang völlig unbegründet: Wer derzeit nach 22 Uhr durch die Innenstadt läuft, geht weiterhin durch hell erleuchtete Straßen.

Ministerien, Hauptbahnhof und Werbetafeln: Stuttgart wird weiter beleuchtet

Am Hauptbahnhof Stuttgart glänzt ein Bild für das Milliardenprojekt Stuttgart 21 im Licht, zahlreiche Werbetafeln in der Stadt sind ebenso aktiv und das Warenhaus Breuninger strahlt wie bisher seine Fassade sowie das große B auf dem Dach an. Die Stadt versprach schon vor einiger Zeit, Strom zu sparen, ließ das Licht an ihren Wahrzeichen aber dennoch an. Auch die Ministerien des Landes Baden-Württemberg beleuchten ihre Tafeln an den Eingängen trotz der Energiesparverordnung. Ganz im Finsteren steht man also nicht, wenn man nachts noch in der Stadt unterwegs ist.

Viele Gewerbetreibende in Stuttgart setzen sich aber auch ganz bewusst über die Maßnahme zum Energiesparen hinweg. Das geschieht allerdings nicht in böser Absicht. Vielmehr liegt das daran, dass die Werbetafeln auf dem gleichen Stromkreis liegen wie die gesamte Beleuchtung der Gebäude. Eine Trennung ist dann mit viel Aufwand oder hohen Kosten verbunden. „Die Stromkreise zu trennen würde nach Auskunft meines Elektrikers 1500 Euro kosten“, erklärt ein Wirt aus dem Leonhardsviertel gegenüber der Stuttgarter Zeitung (StZ). „Wenn in der Gastronomie die Lichter aus sind, denkt doch jeder, wir haben zu“, sagt er und zeigt sich damit wenig begeistert von der Regelung.

„Strom ist wohl noch zu billig“: Stuttgarter ärgern sich über erleuchtete Innenstadt

Dass in der Stuttgarter Innenstadt das Energiesparen noch außer Acht gelassen wird, ärgert die Bürger in den sozialen Netzwerken besonders. „Na super. Das soll sich dann Solidarität nennen?“, schreibt ein Twitter-Nutzer wütend. „Strom ist wohl noch zu billig“, kommentiert ein anderer Stuttgarter auf Facebook. „Menschen können sich eben nicht einschränken - auch nicht, wenn Knappheit herrscht. Jeder sichert sich seinen Anteil und der Rest kann ja dann sehen, wo er bleibt“, schreibt ein anderer.

Manch ein Bürger hat jedoch kein Problem damit, dass sich einige Händler widersetzen und den „Wahn nicht mitmachen“ würden. „Richtig so! Die Regierung hat dieses Problem mit ihren nicht wirkenden Sanktionen erschaffen, also muss sie sich auch darum kümmern und nicht die Bevölkerung“, argumentiert ein Facebook-Nutzer. „Die werden sich dann schon dran halten, wenn die nächste Stromrechnung kommt“, sieht es eine andere Userin hingegen gelassen.

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