Daimlers Wandel hin zur Elektromobilität

Daimler-Werk in Untertürkheim: Streit eskaliert! Vorstand reagiert mit Schock-Drohung

Daimler will einen Campus für Elektromobilität am Werk in Stuttgart-Untertürkheim aufbauen. Dafür sollen mehrere Teile der Produktion ausgelagert werden. Die Verhandlungen eskalieren!

Update vom 26. November: Bei Daimler* schaukelt sich der Streit um den künftigen Kurs und die Sparpläne der Konzernführung* um Vorstandschef Ola Källenius weiter hoch, wie echo24.de* bereits berichtete. Nach diversen Angriffen der Betriebsräte* in den vergangenen Tagen reagierte nun der Autobauer. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter drohte er mit einem Aus für das geplante Kompetenzzentrum Elektromobilität im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim, wenn die Arbeitnehmervertreter weiter auf ihren Forderungen beharrten.

Daimler will in Untertürkheim einen „Campus Mercedes-Benz Drive Systems“ errichten und Batterien und elektrische Antriebe entwickeln. Der Betriebsrat will das auch, besteht aber darauf, dass für wegfallende Arbeit im Zuge des Umstiegs eine Kompensation in Form anderer Produktionsaufträge geschaffen wird - so wie es einst mit dem Unternehmen vereinbart worden war. Der E-Campus allein reiche nicht aus, die beim Verbrenner wegfallenden Stellen zu kompensieren.

„Die Verhandlungsführer der Arbeitnehmerseite beharren darauf, dass alle bestehenden Vereinbarungen unverändert umgesetzt werden“, heißt es nun in dem Schreiben des Managements, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zwar seien die aus damaliger Sicht sinnvoll und richtig gewesen, doch die Lage habe sich grundlegend verändert. „Festhalten am Status quo ist daher keine Option“, schreiben die Vorstände Markus Schäfer und Jörg Burzer.

Stuttgart-Untertürkheim: Daimler Vorstand droht mit Verlagerung von E-Campus

Streitpunkt ist unter anderem die Fertigung von Kurbelwellen. „Klar ist: Kommt die neue Kurbelwellenfertigung in vollem Umfang nach Untertürkheim, müssen wir für den Campus Mercedes-Benz Drive Systems alternative Szenarien prüfen. Denn eine Bündelung von Zukunftstechnologien ist dann aus Platzgründen in Untertürkheim nicht mehr möglich.“

NameDaimler AG
HauptsitzStuttgart
Anzahl der Mitarbeiter298.655 (Stand 2019)
VorstandsvorsitzenderOla Källenius (seit Mai 2019)

Eine Daimler-Sprecherin bestätigte, dass derzeit verschiedene Alternativen geprüft würden. Um wie geplant Zukunftstechnologien in Stuttgart-Untertürkheim umzusetzen, müssten dort entsprechende Voraussetzungen zum Beispiel bei den Flächen geschaffen werden. Dazu gehöre auch, dass nicht am angestammten Portfolio festgehalten werden könne. Man strebe aber weiterhin eine konstruktive Lösung zusammen mit den Arbeitnehmervertretern an.

Daimler AG: Angst um Mitarbeiter in Werk in Untertürkheim – Betriebsrat mit klarer Forderung

Erstmeldung vom 19. November: Stuttgart - Der Wandel hin zur Elektromobilität und die Auswirkungen der Corona-Pandemie setzen dem Stuttgarter Autobauer Daimler mächtig zu. Im Zug der Sparmaßnahmen bei den Personalkosten hatte der Autokonzern zuletzt angekündigt, Tausenden Mitarbeitern ihre 40-Stunden-Verträge zu kündigen*. Ab März 2021 sollen die Betroffenen nur noch 35 Stunden pro Woche arbeiten, wie echo24.de* berichtet. Der harte Sparplan von Daimler wirkt sich auch auf die Zulieferer aus. Um zahlungsfähig zu bleiben, hatte der Finanzchef kürzlich an die Mitarbeiter appelliert, Rechnungen so spät wie möglich zu bezahlen*.

Besonders hart treffen die Sparmaßnahmen die Mitarbeiter in der Produktionsstätte in Stuttgart-Untertürkheim am Firmensitz von Daimler. Nach einem Papier des Betriebsrates an die Angestellten von Ende September sollen bis zum Jahr 2025 dort etwa 4.000 Stellen abgebaut werden*. Hintergrund ist, dass mehrere Teile der Produktion von Verbrennungsmotoren ins Ausland, konkret nach Osteuropa, verlagert werden sollen. In dem Untertürkheimer Werk werden Motoren, Achsen und Getriebe gefertigt. Auch im Daimler-Werk in Berlin sind Tausende Jobs in Gefahr*.

Daimler-Werk in Untertürkheim soll E-Campus werden – mit Folgen für Mitarbeiter

Daimler-Boss Ola Källenius sieht die Zukunft des Autokonzerns in der Elektromobilität. Aus diesem Grund soll der Fokus im Werk in Untertürkheim nicht mehr auf Verbrennungsmotoren liegen. Stattdessen soll das Daimler-Werk bei Stuttgart zu einem „Campus für Elektromobilität“ werden. Dieser Wandel bringt strukturelle Veränderungen mit sich – mit deutlichen Auswirkungen für die Mitarbeiter. Darauf reagierte der Betriebsrat heftig – er sah sich erpresst. Die Arbeitnehmervertreter wollten deshalb keine Anträge auf Mehrarbeit mehr genehmigen.

Bei aktuellen Verhandlungen bei Daimler geht es um die Sparmaßnahmen an den einzelnen Standorten und welche Ziele dort erreicht werden sollen. Der Betriebsrat befürwortet die Zukunftsplanungen für das Werk in Untertürkheim, allerdings bemängelt er, dass der konventionelle Antrieb, der noch einige Jahre wichtig für Daimler sein wird, abrupt ausgelagert werden soll – was viele Arbeitsplätze im Stuttgarter Werk kosten könnte. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, soll der neue „E-Campus“ nämlich in den bestehenden Gebäuden umgesetzt werden, Daimler möchte keine weiteren bauen.

Vorstandschef Ola Källenius hat einen harten Sparplan bei Daimler ausgerufen.

Daimler/Stuttgart: Zukunfts-Pläne für Untertürkheim – Betriebsrat wird deutlich

Doch die aktuellen Verhandlungen – zuletzt traf man sich zum elften Mal – hinsichtlich des Daimler-Werks in Untertürkheim stocken. Grund sei, dass das Unternehmen nicht erkläre, „wie es Beschäftigung im Werk sichern will, wenn wie gefordert Teile der Produktion ins Ausland gehen sollen“, erklärte Betriebsratschef von Untertürkheim, Michael Häberle, gegenüber der StZ. Daimler plane dagegen im Laufe der Transformation ein Personalabbauprogramm auch in der Produktion und ein Wechsel von Angestellten in andere Werke.

„Wenn wir dem nicht zustimmen, steht im Raum, dass der E-Campus nicht nach Untertürkheim kommt“, sagt der Betriebsratschef. Das wolle man natürlich nicht. Häberle fordert – wenn schon ausgelagert wird – eine entsprechende Kompensation. Diese könne in Form anderer Industriearbeitsplätze innerhalb des Werks ausfallen. Sollte Daimler der Wandel hin zur Elektromobilität wirklich wichtig sein, müsse man im Stuttgarter Werk auch investieren, so Häberle. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Tom Weller/dpa

Mehr zum Thema

Kommentare