Corona-Schock bei Daimler

Daimler AG: Geheimes Schreiben aufgetaucht - Vorstand um Ola Källenius plant wohl, Tausende zu entlassen

Wegen des Coronavirus plant die Daimler AG, Tausende zu entlassen. Das geht aus einem geheimen Schreiben hervor, das dem Handelsblatt vorliegt.

  • Der Vorstand der Daimler AG um Ola Källenius soll wegen des Coronavirus die Entlassung tausender Mitarbeiter planen. Das geht dem Handelsblatt zufolge aus einem internen Schreiben hervor.
  • Die Entlassung solle nicht wie zuvor geplant allein die Verwaltung, sondern auch Arbeiter in den Werken treffen.
  • Bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart solle die Unternehmensstruktur „zurechtgesutzt“ werden.

Stuttgart - Die Daimler AG (BW24* berichtete) sei „massiv“ bedroht - 95 Prozent aller Jobs bei Daimler hingen an einem Bereich, den die Regierung zum Sterben* verurteilt habe, warnte der Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht Anfang Juni. Keine zwei Wochen später scheint die Entlassung tausender Mitarbeiter bei dem Fahrzeughersteller aus der Landeshauptstadt Stuttgart* festzustehen.

Das geht zumindest aus einem internen Schreiben des Daimler-Betriebsrats an die Belegschaft hervor, das dem Handelsblatt vorliegt. Man müsse handeln, habe Daimler-CEO Ola Källenius* vor Kurzem gesagt, nun könnten dieser Ankündigung weitere Taten folgen, so die Zeitung. Ola Källenius hatte bei seinem Amtsantritt angekündigt, Daimler zu verschlanken. Von bis zu 15.000 Entlassungen war die Rede. Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg* und der ganzen Welt sieht der Daimler-Vorstand sich offenbar nun zu noch drastischeren Einschnitten gezwungen.

Daimler AG: Entlassung von Mitarbeitern bei immer mehr Tochtergesellschaften geplant

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, plant laut einem internen Papier tausende Entlassungen bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart.

Bei der Daimler AG sollte die Entlassung laut Ola K��llenius zunächst hauptsächlich Mitarbeiter in der Verwaltung betreffen. Doch das Coronavirus hat den Daimler-Konzern mit voller Wucht getroffen*. Hoffnung lag auf dem Konjunkturpaket der Bundesregierung, das eine Prämie für Verbrenner bringen sollte. Doch die Prämie kam nur für E-Auto und Hybrid. Durch diese Entscheidung der Bundesregierung steht Daimler mit dem Rücken zur Wand*. Der Fahrzeughersteller aus Stuttgart habe begrenzte Kapazitäten für E-Autos und der Absatz sei in diesem Bereich „nicht besonders gut“, sagte Michael Brecht laut dpa. Deshalb befürchtet der Daimler-Betriebsratschef nun, dass auch Mitarbeiter in den Werken Abfindungsangebote bekommen werden, so heißt es dem Handelsblatt zufolge in dem internen Schreiben vom 18. Juni. Der Druck auf die Daimler AG sei enorm und man bereite sich auf Gespräche mit der Führungsetage vor.

Daimler AG: Massive Einbrüche bei Mercedes-Benz, Daimler Trucks und Daimler Mobility

Bei Daimler hatten wegen des Coronavirus vier Wochen lang alle Werke stillgestanden. Der Gewinn der Daimler AG vor Zinsen und Steuern war laut dpa im ersten Quartal 2020 um fast 78 Prozent eingebrochen. Er lag also bei 617 Millionen Euro. Bei Mercedes-Benz war der Absatz um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen – der Fahrzeughersteller aus Stuttgart verkaufte in diesem Zeitraum nur 447.400 Autos. Bei Daimler Trucks und Daimler Mobility war die Entwicklung vergleichbar schlecht. Ein Aufschwung in den kommenden Monaten und eine Erholung bis zum Ende des Jahres gelte als unwahrscheinlich, auch wenn Prognosen angesichts der Corona-Pandemie sehr schwierig seien, hieß es laut dpa aus Konzernkreisen. Wie stark der Corona-Schock die Daimler AG wirtschaftlich treffe, würden die Bilanzen im zweiten Quartal „schonungslos offenlegen“, schreibt Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht dem Handelsblatt zufolge an die Daimler-Mitarbeiter. Der Daimler-Vorstand beabsichtige aber in jedem Fall, Kosten zu reduzieren und zu diesem Zweck Strukturen zu ändern.  

Daimler-Vorstand soll Entlassung Tausender und Kürzung der Kapazität um bis zu 20 Prozent planen

Der Daimler-Vorstand Ola Källenius und sein Team* sollen laut dem Handelsblatt drei grundlegende Änderungen planen: 2.000 IT-Mitarbeiter sollten in externe Unternehmen ausgelagert werden. Die Unternehmensstruktur der Daimler AG mit Mercedes-Benz, Truck und Mobility* solle „zurechtgestutzt“, Verwaltungstätigkeiten wie Finance und HR zusammengelegt werden. Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht soll in dem Schreiben vor Personalabbau und Betriebsübergängen durch diese Änderungen warnen. Wie Michael Brecht hatten die Wirtschaftsprüfer der Managementberatung EY gewarnt, dass die schlimmsten Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland noch bevorstehen. Die EY-Prognose für Daimler und Co. lautet, dass nicht alle Autohersteller die Krise überleben werden*. Ein Daimler-Manager sagte dem Handelsblatt zufolge gesagt, der Daimler-Vorstand um Ola Källenius plane darum, die Kapazitäten des Fahrzeugherstellers aus Stuttgart „um zehn bis 20 Prozent“ zu reduzieren, um die Werke auszulasten.

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Rubriklistenbild: © THOMAS KIENZLE / AFP

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