„Klare Botschaft“ an Autohersteller

Daimler: Stuttgarter gehen Milliarden-Vergleich nach USA-Diesel-Skandal

Im Zuge des Diesel-Skandals in den USA legt Daimler AG mit einem Vergleich in Milliardenhöhe Ermittlungsverfahren der US-Behörden und Privatkunden bei. 

Im Vorfeld wurde 2020 als das Jahr der Elektromobilität von der Automobilindustrie angepriesen. Es sollte die Altlasten rund um den Diesel-Skandal vollständig aus der Welt schaffen und ein Neubeginn für die Automobilindustrie in Deutschland und Baden-Württemberg werden. Doch es kam anders als erwartet. Das Coronavirus traf die Autobranche mit voller Wucht. Vor allem für die krisengeschüttelte Daimler AG kam das Virus zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Der Stuttgarter Autohersteller war gerade dabei, interne Umstrukturierungen vorzunehmen und auf Elektromobilität umzusteigen, wie echo24.de* berichtet. Zusätzlich belastete das Unternehmen der Diesel-Skandal in den USA bereits seit Jahren. Aber zumindest diese Krise scheint nun überwunden zu sein.

Diesel-Skandal in USA: Daimler AG geht Milliarden-Vergleich ein

Um den Diesel-Skandal in den USA endlich zu den Akten legen zu können, geht Daimler nämlich zwei Vergleiche in Milliardenhöhe ein. Mit einer Zahlung von umgerechnet mehr als 1,9 Milliarden Euro will Stuttgarter Autobauer in den USA den Streit mit Behörden und Kunden um angebliche Verstöße gegen Abgasregeln beenden. Daimler und seiner Tochter Mercedes-Benz USA wurden überhöhte Abgaswerte bei rund 250.000 Dieselwagen vorgeworfen.

Diesel-Skandal in USA: Daimler vergleicht sich mit Behörden und Privatkunden

Der Vergleich sende eine „klare Botschaft“ an Autohersteller, dass die US-Regierung bei der Einhaltung von Emissionsstandards hart durchgreife, sagte der Leiter der Umweltbehörde EPA, Andrew Wheeler, bei einer Pressekonferenz in Washington. Daimler habe dubiose Software zur Abgaskontrolle gegenüber den Behörden nicht offengelegt. Daraufhin verhängte das Justizministerium, den eigenen Angaben nach, ein zivilrechtliches Bußgeld von 875 Millionen Dollar. Insgesamt werde der Vergleich Daimler rund 1,5 Milliarden Dollar kosten.

„Klare Botschaft“ an Autohersteller: EPA-Leiter Andrew Wheeler (l) in Washington.

Der Konzern selbst hatte bereits im August verkündet, bezüglich der Rechtskonflikte eine Grundsatzeinigung nicht nur mit den Behörden, sondern auch mit privaten Kunden in den USA erzielt zu haben. Demnach werden zur Beilegung der US-Sammelklagen von Autobesitzern rund 700 Millionen Dollar fällig. Somit kostet der rechtliche Befreiungsschlag Daimler insgesamt deutlich mehr als zwei Milliarden US-Dollar.

Die Klägeranwälte verbuchen den Vergleich als Erfolg. „Besitzer von schmutzigen Mercedes-Dieselautos werden endlich die Kompensationen erhalten, die sie verdienen“, erklärte der bekannte US-Anwalt Steve Berman. Durch die Einigung können betroffene Mercedes-Besitzer je 3.290 Dollar oder mehr an Entschädigung erhalten.

USA-Diesel-Skandal: Daimler geht Milliarden-Vergleich ein - kein Schuldeingeständnis

Seit 2016 ist Daimler wegen angeblich frisierter Messwerte zum Ausstoß des Schadstoffs Stickoxid im Visier der US-Justiz. Gezielte Manipulationen der Abgastechnik mit einer Schummel-Software, wie sie jahrelang bei Volkswagen (VW) zum Einsatz kam, hatte der Konzern jedoch stets zurückgewiesen. Anders als die Wolfsburger, die 2015 auf Druck der US-Behörden Abgasbetrug im großen Stil eingeräumt hatten, gibt Daimler im Rahmen der Vergleiche kein Schuldeingeständnis ab. Aufgrund dessen ist der Fahrzeughersteller aus Stuttgart auch nicht dazu verpflichtet Autos von Kunden zurückkaufen oder sich künftig durch einen Aufpasser von den US-Behörden überwachen lassen.

Dafür muss Daimler aber, ähnlich wie in Europa, die Autos per Software-Update nachbessern. Hinzu kommen noch weitere Umweltmaßnahmen, für die der Konzern zur Kasse gebeten wird. Zusätzlich zu den in den Vergleichen festgelegten Summen rechnet Daimler mit Kosten in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe für die Umsetzung der Einigung.

Nach Milliarden-Vergleich im Diesel-Skandal - Wendepunkt für Daimler?

Ganz abhaken kann Daimler das Thema allerdings noch nicht. Die Vergleiche müssen in den USA noch gerichtlich genehmigt werden und beenden nur Zivilverfahren, sodass weitere strafrechtliche Konsequenzen nicht auszuschließen sind. Die US-Umweltbehörden pochen seit den massiven Verletzungen des Luftreinhaltungsgesetzes durch VW penibel auf die Einhaltung der Emissionsstandards und haben auch dem italienisch-amerikanischen Autobauer Fiat Chrysler schon einen teuren Vergleich abgerungen.

Erstes Angrillen: Aktuell gibt Mercedes nur spärliche Infos zur neuen S-Klasse preis, die im Herbst erscheinen soll.

Abgesehen von Diesel-Skandal, scheint es bei Daimler auch auf anderen Fronten bergauf zu gehen. Endlich wurde die hochmoderne Produktionshalle „Factory 56“ in Sindelfingen bei Stuttgart in Betrieb genommen. Dort soll die neue S-Klasse, Luxus-Flaggschiff und traditionell prestigeträchtigstes Modell aus dem Hause Mercedes-Benz, gebaut werden. Beides - Auto und Fabrik - sollen den Wendepunkt markieren in einem bislang von der Corona-Krise verhagelten Jahr. Außerdem äußerte sich Daimler-Chef, Ola Källenius, zu anderen Produktionsstätten - auch außerhalb Deutschlands. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Daimler AG

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