Übersterblichkeit

Coronavirus vs. Lockdown: Was ist tödlicher? Ärzte veröffentlichen Schock-Ergebnis

Coronavirus: Wie tödlich sind die Folgen des Lockdowns? Ärzte aus Baden-Württemberg haben sich im Rahmen einer Studie erstmals damit beschäftigt. Das sind die Ergebnisse:

Welche Auswirkungen hat der Lockdown und die damit verbundenen Kontaktbeschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus*? Nach dem ersten bundesweiten Corona-Lockdown im Frühjahr gibt es eine erste Studie über seine tödlichen Folgen. Ärzte des Klinikums Hochrhein in Waldshut (Baden-Württemberg*) haben im Rahmen der Studie die Todesfälle in ihrem Landkreis analysiert. Das Ergebnis: Die Mediziner verzeichneten im Frühjahr eine deutliche Übersterblichkeit – jedoch hat nur knapp die Hälfte der zusätzlichen Todesfälle mit einer Corona-Infektion zu tun.

Corona-Lockdown: Wie tödlich sind seine Auswirkungen? Ärzte aus Baden-Württemberg veröffentlichen Studie

Wie HEIDELBERG24* berichtet, starben den Forschern aus Baden-Württemberg zufolge im Landkreis Waldshut in den April-Monaten von 2016 bis 2019 im Schnitt etwa 165 Menschen. Im April waren es hingegen 227 Tote. Das sind über 60 zusätzliche Todesfälle und eine Übersterblichkeit von rund 37 Prozent. Doch nur 55 Prozent (34 von 62 der zusätzlichen Todesfälle) stehen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Woran starben die übrigen 45 Prozent?

Bei ihrer Corona-Studie im Landkreis Waldshut sahen die Ärzte vom Klinikum Hochrhein einen Zusammenhang, der Sorgen macht: Während des Lockdowns im Frühjahr stieg die Sterblichkeit in der Region in Baden-Württemberg an, gleichzeitig ging die Zahl der stationären Aufnahmen im Waldshuter Klinikum um mehr als ein Drittel zurück. Vor allem chronisch kranke Menschen scheuten in der Zeit des Corona-Lockdowns offenbar den Weg ins Krankenhaus.

Coronavirus: Lockdown mit tödlichen Folgen? Studie in Waldshut zeigt schockierenden Trend

„Insbesondere Menschen mit akuten Verschlechterungen chronischer Krankheiten, etwa Lungen- oder Herzkrankheiten, aber auch Tumor-Erkrankungen, haben in diesem Zeitraum keine medizinische Hilfe gesucht“, erklärt Chefarzt Dr. Stefan Kortüm gegenüber der BILD (Plus-Artikel). Fast die Hälfte der Übersterblichkeit (45 Prozent) im April 2020 ist laut der Studie aus Baden-Württemberg also nicht auf das Coronavirus zurückzuführen – sondern, dass die Menschen starben, weil sie während des Corona-Lockdowns Angst hatten, einen Arzt aufzusuchen. Eine weiterer besorgniserregender Trend während des Lockdowns: Der Rettungsdienst registrierte im Landkreis Waldshut immer mehr Einsätze, bei denen Patienten eine Einlieferung ins Krankenhaus verweigerten. Dr. Stefan Kortüm sprach von einem Plus von 12 Prozent.

Corona-Lockdown: Starben Menschen zu Hause – weil sie nicht ins Krankenhaus wollten?

Laut BILD machen die Ärzte aus Baden-Württemberg unter anderem auch die Corona-Kontaktbeschränkungen für die sogenannten „Kollateral-Schäden“ des Lockdowns verantwortlich. Weil Senioren keinen Besuch mehr bekommen konnten, seien Verschlechterungen ihres Gesundheitszustands seltener bemerkt worden. „Oft sind es nämlich die Jüngeren, die bei ihren Eltern und Großeltern dafür sorgen, dass sie sich in Behandlung begeben“, so Dr. Kortüm zu BILD. Der Chefarzt des Klinikums in Baden-Württemberg betont aber auch: „Wir wissen nicht, wie hoch die Sterblichkeit ohne Lockdown gewesen wäre. Man kann also nicht sagen, dass der Lockdown mehr Leben gekostet als er gerettet hat.

Corona-Lockdown: Termine aufschieben aus Angst vor Infektion? Ärzte raten dringend davon ab

Mediziner warnen Patienten unterdessen davor, bereits geplante Arzt-Termine aus Angst vor einer Corona-Infektion aufzuschieben* oder abzusagen. So versicherten zum Beispiel die Klinikchefs in Heidelberg, dass die Sicherheit in den Krankenhäusern für Patienten gewährleistet sei. Die Kliniken haben Hygienekonzepte und Wegesysteme erarbeitet, die sich bewährten. Dennoch haben während der ersten Corona-Welle rund 20 Prozent der Patienten notwendige Behandlungen oder bestehende Termine abgesagt. Mittlerweile seien es noch rund 10 Prozent. (kab) *HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Bodo Marks/dpa

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