Wegen Coronavirus

Kein Urlaub im Ausland: Forderung von Winfried Kretschmann geht sogar eigener Regierung zu weit

Die Zahl der mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg Infizierten steigt wieder an. Ein Grund dafür: Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Winfried Kretschmann rät deshalb von Urlaub im Ausland ab.

  • Die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg nimmt aktuell wieder zu und viele Experten befürchten eine zweite Infektionswelle.
  • Ein Grund für die steigenden Infektionszahlen könnten Reiserückkehrer aus Risikogebieten sein, die das Coronavirus wieder ins Land bringen.
  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann rät deshalb ausdrücklich von Urlaub im Ausland ab - Bürger sollten derzeit besser im Land bleiben.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) legte den gewohnten Alltag in nahezu allen Bereichen lahm und führte zu weitreichenden Einschränkungen des sozialen Lebens sowie zu etlichen Verboten und Maßnahmen zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus*.

Da sich das Coronavirus in Baden-Württemberg* in den vergangenen Wochen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau ausbreitete, beschloss die Landesregierung unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann* bereits mehrfach Lockerungen der Maßnahmen. Damit sich möglichst wenige Menschen mit der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 anstecken, gelten trotz der vielen Lockerungen nach wie vor Kontaktbeschränkungen und Hygieneauflagen - darunter die Einhaltung eines Mindestabstands sowie die Maskenpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg*.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, rät von Urlaub im Ausland ab.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Ministerpräsident Winfried Kretschmann warnt vor Urlaub im Ausland

Aktuellen Zahlen des Sozialministeriums in der Landeshauptstadt Stuttgart* zufolge sind die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg* kürzlich jedoch wieder angestiegen. Ein entscheidender Faktor des erhöhten Infektionsgeschehens könnten Reiserückkehrer aus Risikogebieten sein. Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems geht deshalb einen ungewöhnlich drastischen Schritt*: Ab kommender Woche sperrt das Unternehmen die Zugangsausweise von Mitarbeitern, die länger im Urlaub waren.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann* verzichtet wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg in diesem Jahr auf Urlaub im Ausland - und rät auch Bürgern davon ab. „Ich mache es einfach nicht, weil es zu kompliziert und auch nicht angemessen ist“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Verboten sei es zwar nicht, aber: „In solchen Zeiten kann man einfach im Land bleiben und muss nicht in der Welt herumreisen“, sagte der Ministerpräsident. Deutschland sei ein ausgesprochen schönes Land mit vielen unentdeckten Regionen. Anstatt nach Griechenland oder Schottland zu reisen, um seine Tochter zu besuchen, verbringe er seinen Urlaub wegen Covid-19 in diesem Jahr im Bayrischen Wald - um zu wandern und Zeit mit seinen Enkeln zu verbringen. Mit den Enkeln gehe ich natürlich nicht wandern, dazu sind sie noch zu klein“, sagte Kretschmann zur dpa.

Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich weiter - Reserückkehrer aus Risikogebieten schleppen Virus ein

Zu Beginn der Woche hatte sich Winfried Kretschmann mit einer Drohung an die Bevölkerung* gewandt. Da immer mehr Reisende Covid-19 aus dem Urlaub einschleppen und sich das Coronavirus in Baden-Württemberg wieder stärker verbreitet, sagte Kretschmann, die Regierung müsse mit den Strafen härter werden, sollte die Zahl der Neuinfektionen weiter ansteigen. „Das Virus versteht keinen Spaß - auch nicht denen gegenüber, die jetzt wieder Spaß haben wollen“, sagte der Ministerpräsident am Dienstag in Stuttgart.

Innenminister Thomas Strobl warnt wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg ebenfalls vor Urlaub im Ausland. Er tue sich schwer damit, einem „ungehinderten Auslandstourismus das Wort zu reden“, sagte Strobl zur dpa. „Denken wir daran, wie das Virus zu Beginn der Corona-Pandemie vor allem zu uns ins Land kam“, so der CDU-Politiker. „Am besten genießt man derzeit seine freien Tage im eigenen Land mit den vorgesehen Abstands- und Hygienemaßnahmen.“

Die Reiseempfehlungen von Kretschmann und Strobl zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg stoßen unter Kollegen auch auf Kritik. „Grundsätzlich halte ich nichts davon, Bürgerinnen und Bürgern vorzuschreiben, wohin sie reisen sollen“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann zur dpa. „Ich setze auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen.“ Wer aber aus einem Risikogebiet zurückkehre und kein negatives Testergebnis habe, müsse sich in Quarantäne begeben. Tourismusminister Guido Wolf wirbt zwar für Urlaub im eigenen Land, sagte jedoch, er halte nichts von Vorgaben für Urlaubsziele.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann warnt vor leichtsinnigem Umgang mit Corona

Die Mehrheit der von der dpa befragten Politiker im Landtag halten sich mit Appellen zu Urlaub in Zeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg zurück und setzen auf die Eigenverantwortung der Bürger. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke sagte zur dpa, er freue sich über jeden, der auch Urlaub im Land mache, gebe aber als Liberaler anderen keine ungebetenen Ratschläge. „Warum sollte man nicht an Orte reisen, an denen das Infektionsgeschehen vergleichbar ist oder die Lage sogar entspannter ist als bei uns?“, sagte auch SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. „Reisebeschränkungen wurden ja nicht aus Jux und Tollerei wieder aufgehoben, sondern beruhen auf dem Rat von Experten.“

Winfried Kretschmann hatte bereits vor einem gefährlichen Trend im Umgang mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg* gewarnt. Aktuell habe man die Situation zwar im Griff, das könne jedoch nur funktionieren, wenn sich auch weiterhin jeder an die Regeln halte, sagte der Ministerpräsident Anfang Juli. Das bedeute für die Bevölkerung auch weiterhin Abstand halten, Maske tragen und „die sonstigen hygienischen Regeln beachten“. Diesen Appell wiederholte er am Dienstag noch einmal. Man müsse damit rechnen, dass es wieder mehr Infektionsketten gebe. Entscheidend sei dabei letztlich, ob es zu einer exponentiellen Kurve der Infektionen komme, so der Grünen-Politiker zur dpa. Welche Faktoren aktuell für eine zweite Welle sprechen, und welche nicht - das ordnet eine Epidemiologin ein.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa/picture alliance

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