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„Könnten dritte Welle wegimpfen“: Boris Palmer fordert Notzulassung für Curevac

Das Modellprojekt in Tübingen wurde beendet, auch für die Universitätsstadt gilt die Bundesnotbremse. OB Boris Palmer ist darüber sauer - und kritisierte erneut die Regierung.

Tübingen - Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg* ging Tübingen einen viel diskutierten Alternativweg. Durch das Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ war in der Universitätsstadt mehr Normalität möglich - dank zahlreicher Corona-Schnelltests.

Inzwischen ist die „Bundesnotbremse“ in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) aktiv. Die neuen Corona-Regeln bedeuteten für das Modellprojekt in Tübingen das Aus. Oberbürgermeister Boris Palmer äußerte dazu bereits seinen Unmut. „Uns fällt außer Verboten und Lockdowns nichts ein“, klagte Palmer an.*

Doch der Grünen-Politiker Boris Palmer ist nicht gerade für seine Zurückhaltung bekannt. In der Sendung „BR Sonntags-Stammtisch“ legte der Oberbürgermeister Tübingens jetzt nach und kritisierte die Bundesregierung - auch beim Thema Impfstoff.

Abbruch des Modellprojekts in Tübingen: OB Boris Palmer fehlt nach wie vor das Verständnis

Für die Bürger in Tübingen sei der Abbruch des Modellprojekts „Öffnen mit Sicherheit“ „unglaublich traurig“ und „schwer zu verstehen“, erklärte Oberbürgermeister Boris Palmer im Bayrischen Rundfunk. Anstatt das Projekt durch die Bundesnotbremse zu beenden, wäre er sogar noch für eine Ausweitung.

Curevac-Impfung für Deutsche: Boris Palmer würde das Präparat aus Tübingen schon vor der EU-Zulassung impfen (Symbolbild).

„Wir können wirklich zeigen, dass man damit die Infektionszahlen senken kann. Man kann mit Testen die Pandemie unter Kontrolle bringen“, so Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer. Im „BR Sonntags-Stammtisch“ erhielt der Grünen-Politiker Unterstützung vom Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl. Das Experiment in Tübingen sei „wirklich hervorragend“, so Wöhrl. „Aber es ist gegen den Mainstream, und deswegen darf es nicht erfolgreich sein.“ Die Maßnahmen seien willkürlich und das verstehe der Bürger einfach nicht mehr.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer zeigte dabei nicht nur für den Abbruch des Modellprojekts in seiner Stadt Unverständnis. Denn aus Tübingen kommt mit dem Präparat von Curevac ein weiterer Impfstoff-Kandidat. Boris Palmer wünscht sich nicht nur mehr Schnelltests aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg, sondern auch mehr Impfungen.

Boris Palmer gegen Bundesregierung: Dritte Welle ließe sich „wegimpfen“

Demnach lägen Millionen Dosen des Curevac-Impfstoffs bereit, die nur noch auf die Zulassung durch die EU warteten. Aus Sicht von Boris Palmer sei das eine ungenutzte Möglichkeit der Bundesregierung. Der Grünen-Politiker will Deutsche bereits vor der Zulassung impfen. „Damit könnten wir die dritte Welle wegimpfen. Man müsste nur als Kanzlerin sagen: Notfallverordnung“, so Palmer.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer ist nicht der erste, der eine Notfallzulassung des Curevac-Impfstoffs fordert. Bereits Mitte April sprach sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dafür aus, das Präparat des Tübinger Herstellers schnellstmöglich freizugeben. „Wenn Curevac ähnlich gut wirkt wie Biontech oder Moderna, was zu erwarten ist, sollte der Impfstoff schnellstmöglich zugelassen und verimpft werden“, sagte Lauterbach dem Spiegel. Dazu würde der SPD-Gesundheitsexperte nicht einmal das Urteil der EU-Arzneimittelbehörde EMA abwarten, sondern die Zulassung direkt durch das deutsche Paul-Ehrlich-Institut vornehmen. „Wir sind in einer Notlage, und der Curevac-Impfstoff wäre eine massive Entlastung“, so Karl Lauterbach.

Auch Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop will die Notzulassung für den Curevac-Impfstoff. Gegenüber der Berliner Zeitung betonte sie: „Der Impfgipfel am Montag muss den Startschuss dafür geben, dass in den kommenden Wochen deutlich mehr Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden können.“ *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Tom Weller/dpa

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