Tausende AstraZeneca-Dosen ungenutzt

Corona in Baden-Württemberg: So will Kretschmann die Impfreihenfolge lockern

Baden-Württemberg: Weil hunderttausende Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs derzeit ungenutzt bleiben, sprechen sich Winfried Kretschmann und Markus Söder für eine Lockerung der Impf-Reihenfolge aus.

Update vom 28. Februar: Angesichts Hunderttausender ungenutzter Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs sprechen sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann und sein bayerischer Amtskollege Markus Söder dafür aus, die Impfreihenfolge zu lockern. In der „BILD am Sonntag“ forderte Söder, dass der Impfstoff von Astrazeneca deutschlandweit für alle Menschen freigegeben werden soll, die bereit sind, sich impfen zu lassen. „Bevor er liegen bleibt, impfen, wer will“, so der Regierungschef von Bayern. Man könne es sich nicht leisten, „dass Impfstoff herumsteht und nicht verimpft wird, weil Teile der Berechtigten ihn ablehnen“, bekräftigte auch Winfried Kretschmann in er „Welt am Sonntag“. Man müsse in diesem Fall das „strenge Regiment“ auflockern und die Menschen impfen, die eigentlich laut Priorisierung noch nicht an der Reihe wären. Kretschmann betonte aber auch, dass die Priorisierung der Impfgruppen sehr wichtig sei, so lange der Impfstoff Mangelware sei.

Unterdessen hat die Ständige Impfkommission in Deutschland (Stiko) angekündigt, ihre Empfehlung zum Impfstoff von Astrazeneca noch einmal zu überarbeiten. Die Stiko hatte - anders als die EU-Arzneimittelbehörde EMA - den Impfstoff vorerst nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren empfohlen, weil Daten zur Wirkung bei Älteren fehlen. Daraufhin traf das Vakzin von Astrazeneca bei vielen Menschen auf Vorbehalte. „Das Ganze ist irgendwie schlecht gelaufen“, räumte der Chef der Kommission, Thomas Mertens, am Freitagabend ein.

Corona in Baden-Württemberg: Land erweitert Impf-Liste – diese Personen dürfen ab sofort

Update vom 26. Februar: Das Land Baden-Württemberg erweitert die Liste der impfberechtigten Personen unter 65 Jahren, die sich mit dem AstraZeneca-Impfstoff impfen lassen können. Hinzu kommen unter anderem die Personen aus der 2. Gruppe der Corona-Impfverordnung des Bundes. Ab sofort können also zahlreiche weitere Gruppen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren einen Impftermin vereinbaren. Dazu zählen etwa Menschen mit bestimmten Erkrankungen, Personen, die enge Kontaktpersonen einer Schwangeren oder bestimmter zu Hause gepflegter Personen sind. Die Terminvereinbarung erfolgt regulär über die zentrale Telefonhotline 116 117 oder online.

Wichtig: Die Terminvereinbarung ist ohne ärztliches Zeugnis möglich. Erst im Impfzentrum ist ein ärztliches Zeugnis, das eine der gelisteten Erkrankungen bestätigen muss, als Nachweis über die Impfberechtigung zwingend erforderlich. Für die kostenlose Ausstellung durch den Hausarzt oder die Fachärztin bleibt daher bis zum Termin im Impfzentrum Zeit.

Manfred Lucha findet die Bedenken zur geringeren Wirksamkeit des Impfstoffs von Astrazeneca unbegründet.

Bitte haben Sie etwas Geduld, wenn Sie nicht unmittelbar buchen können oder im Callcenter durchkommen. Probieren Sie es dann in den kommenden Tagen noch einmal. Wir erhalten bis Mitte März rund 450.000 Dosen Impfstoff von AstraZeneca, und die Liefermengen werden schnell weiter ansteigen. Das bedeutet: Wir können im Verlauf der nächsten Wochen jeder und jedem Berechtigten, die oder der das möchte, ein Impfangebot machen“, richtet sich Landesgesundheitsminister Manne Lucha (59, Grüne) an über eine Million in Frage kommende Baden-Württemberger.

Corona in Baden-Württemberg: Diese Personen sind ab sofort impfberechtigt für das AstraZeneca-Vakzin

Ab sofort impfberechtigt sind im Alter von 18 bis einschließlich 64 Jahre...

  • Personen mit Trisomie 21
  • Personen nach Organtransplantation
  • Personen mit einer Demenz oder mit einer geistigen Behinderung oder mit schwerer psychiatrischer Erkrankung, insbesondere bipolare Störung, Schizophrenie oder schwere Depression
  • Personen mit malignen hämatologischen Erkrankungen oder behandlungsbedürftigen soliden Tumorerkrankungen, die nicht in Remission sind oder deren Remissionsdauer weniger als fünf Jahre beträgt
  • Personen mit interstitieller Lungenerkrankung, COPD, Mukoviszidose oder einer anderen, ähnlich schweren chronischen Lungenerkrankung
  • Personen mit Diabetes mellitus (mit HbA1c ≥ 58 mmol/mol oder ≥ 7,5%)
  • Personen mit Leberzirrhose oder einer anderen chronischen Lebererkrankung
  • Personen mit chronischer Nierenerkrankung
  • Personen mit Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 40)
  • Personen, bei denen nach individueller ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände im Einzelfall ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht.
  • Bis zu zwei enge Kontaktpersonen von einer nicht in einer Einrichtung befindlichen pflegebedürftigen Person, die das 70. Lebensjahr vollendet oder eine der oben in dieser Liste genannten Erkrankungen hat. Die Kontaktpersonen werden von dieser Person oder von einer sie vertretenden Person bestimmt.
  • Bis zu zwei enge Kontaktpersonen von einer schwangeren Person, die von dieser Person oder von einer sie vertretenden Person bestimmt werden.
  • Personen, die in Obdachlosenunterkünften oder Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylbewerbern, vollziehbar Ausreisepflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern untergebracht oder tätig sind.
  • Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege geistig oder psychisch behinderter Menschen tätig sind oder im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig geistig oder psychisch behinderte Menschen behandeln, betreuen oder pflegen.
  • Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere in SARS-CoV-2-Testzentren, Personal der Blut- und Plasmaspendedienste, Ärzte und sonstiges Personal mit regelmäßigem unmittelbarem Patientenkontakt.
  • Polizei- und Ordnungskräfte, die in Ausübung ihrer Tätigkeit zur Sicherstellung der öffentlichen Ordnung, insbesondere bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, sowie Soldatinnen und Soldaten, die bei Einsätzen im Ausland einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Die Impfung der Polizistinnen und Polizisten im Land wird zentral in Abstimmung zwischen Sozialministerium und Innenministerium organisiert.
  • Personen, die im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) oder in besonders relevanter Position zur Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur tätig sind.
  • Personen, die im Rahmen der nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag im Sinne des § 45a des Elften Buches Sozialgesetzbuch regelmäßig bei älteren oder pflegebedürftigen Menschen (z.B. Demenz) tätig sind.
  • Personen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege, hauptamtlich in Einrichtungen und aufsuchenden Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe und als Schullehrkräfte/Mitarbeitende an Schulen mit unmittelbarem Kontakt zu Kindern/Schülerinnen und Schülern sowie weiteren zu betreuenden Personentätig sind, sowie die Auszubildenden und Studierenden, die im Rahmen der Ausbildung in entsprechenden Einrichtungen tätig sind. Dazu zählen: Grund-, Werkreal-, Haupt- und Realschulen, Gymnasien, Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ), berufliche Schulen.

Baden-Württemberg: Dank AstraZeneca – Corona-Impfungen auch für Lehrer und Erzieher?

Update vom 22. Februar: Landesgesundheitsminister Manfred Lucha hat bei einem SWR-Interview angekündigt, dass ab heute auch Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte einen Termin zur Corona-Impfung beantragen können. Die Berufsgruppen sollen nämlich nun doch in die zweite Priorisierungsstufe aufgenommen werden. Für diese Maßnahme müsste allerdings noch die Corona-Impfverordnung geändert werden, damit die laut Statistischem Bundesamt bundesweit rund eine Million Betroffenen aus der Gruppe drei hochgestuft werden können. Auf der heutigen Gesundheitsministerkonferenz soll wohl eine entsprechende Grundsatzentscheidung dazu fallen. Ab März sollen dann die ersten Impfungen für Menschen in der zweiten Stufe starten.

Baden-Württemberg: Corona-Impfungen mit AstraZeneca – „Kein Impfstoff zweiter Klasse“

Seit Ende Dezember werden in Baden-Württemberg Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Zunächst sind Menschen über 80 Jahren sowie Personal von medizinischen oder pflegerischen Berufen an der Reihe, danach folgen Menschen ab 70 Jahren und Behinderungen. Aufgrund des Impfstoff-Mangels konnten bislang viele Impftermine nicht vergeben werden. Das soll sich nun aber durch das Vakzin von AstraZeneca ändern.

BundeslandBaden-Württemberg
Einwohner11,09 Millionen
HauptstadtStuttgart

Baden-Württemberg: Corona–Impfungen mit AstraZeneca – Erste Personen werden gespritzt

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca wird von vielen skeptisch betrachtet, da er eine geringere Wirksamkeit habe und häufiger Nebenwirkungen auslöse. Das Vakzin wird trotzdem von Experten und Politiker empfohlen – so auch von Manne Lucha, Gesundheitsminister von Baden-Württemberg. Der 59-Jährige warnt davor, den Impfstoff von AstraZeneca schlechtzureden: „AstraZeneca ist genauso geeignet die Pandemie zu bekämpfen wie die beiden andern Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Auch der Impfstoff von AstraZeneca verhindert, dass Menschen nach einer Corona-Infektion einen schweren oder tödlichen Verlauf erleiden – und darum geht es bei einer Impfung. Alle drei Impfstoffe haben ein umfangreiches Zulassungsverfahren durchlaufen. Von der STIKO wird der Impfstoff von AstraZeneca wie die beiden anderen als wirksamer Impfstoff empfohlen. Klar ist also: AstraZeneca ist kein Impfstoff zweiter Klasse, im Gegenteil. Ich habe kein Verständnis, wenn sich Menschen damit nicht impfen lassen wollen.

AstraZeneca: Impfstofflieferung in das KIZ Ludwigsburg

Nebenwirkungen wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Krankheitsgefühle treten auch bei anderen Impfungen auf. Symptome wie Kopfschmerzen oder Fieber entsprechen auch ganz dem, was bereits in Studien publiziert wurde. Darüber berichtet HEIDELBERG24*

Corona in Baden-Württemberg: Fast eine halbe Million Impfdosen AstraZeneca erwartet

Baden-Württemberg bis Mitte März rund 450.000 Impfdosen von AstraZeneca erwartet. „Damit kann das Land jedem Berechtigten in der ersten Priorität im Alter zwischen 18 und 64 ab sofort ein Impfangebot machen“, heißt es in einer Mitteilung des Landes. Im März sollen dann auch Personen aus der zweiten Priorität eine Corona-Impfung erhalten. Das sind zum Beispiel Haus-, und Zahnärzte, Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit einem hohen Infektionsrisiko sowie Personen mit einer geistigen Behinderung oder mit Trisomie 21. In Baden-Württemberg werden außerdem Lehrer sowie Erzieher bei den Corona-Impfungen vorgezogen und in die zweite Priorisierungsstufe eingruppiert. Eine entsprechende Änderung der Bundesimpfverordnung ist derzeit in Arbeit.

Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte leisten in dieser Pandemie Großartiges. Sie gehen in Ihrer Arbeit oft bis an die Belastungsgrenzen und auch darüber hinaus, oft verbunden mit einem beträchtlichen Risiko, sich selbst anzustecken. Ich bin sehr froh, dass wir den Unter-65-Jährigen aus diesen Berufsgruppen nun deutlich schneller ein Impfangebot machen können als bisher gedacht“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha am Samstag in Stuttgart. „Auch auf Initiative Baden-Württembergs werden Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher künftig vorgezogen. Denn sie stehen ebenfalls an vorderster Front, wenn Schulen und Kitas jetzt wieder breit öffnen.

Der Impfstoff von AstraZeneca wird ab sofort in den Kreisimpfzentren und den Zentralen Impfzentren zur Verfügung stehen. Die Terminvergabe für die Berechtigten unter 65 erfolgt dabei zentral über die Hotline 116 117 sowie vor allem über Impfterminservice.de. Aufgrund der großen Menge an AstraZeneca werden in den nächsten Wochen viele Termine verfügbar sein. (pm/jol/pek) *HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Stefan Puchner/dpa

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare