Ausschreitungen in Stuttgart

Grünen-Politiker Cem Özdemir beleidigt vor laufender Kamera Passanten: „Halt die Fresse“

Cem Özdemir spricht am 18.04.2017 im Büro der Deutschen Presse Agentur in Stuttgart (Baden-Württemberg).
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Cem Özdemir beschimpfte einen Passanten, als er gerade ein Interview zu den Ausschreitungen in Stuttgart gab (Symbolbild).

Nach den Ausschreitungen in Stuttgart wurde Cem Özdemir vor Ort interviewt. Als er von einem Passanten unterbrochen wird, reagiert der Grünen-Politiker mit drastischen Worten.

  • Der Grünen-Politiker Cem Özdemir hat während eines Interviews einen Passanten beschimpft, der ihm dazwischenredete.
  • Cem Özdemir war nach den Ausschreitungen in Stuttgart persönlich vor Ort, um sich ein Bild von der Zerstörung zu machen (BW24* berichtete).
  • Auf Twitter diskutierten die Nutzer daraufhin über den Ausraster und warfen dem Politiker auch Rassismus vor.

Stuttgart - Die Ausschreitungen in Stuttgart und die eskalierende Gewalt (BW24* berichtete) haben viele Menschen fassungslos gemacht. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann richtete deutliche Worte an die Täter der Ausschreitungen.* „Wir werden so etwas nicht dulden“, sagte Kretschmann. Der Ministerpräsident kündigte eine harte Antwort an.

Wie sehr die Ausschreitungen in Stuttgart die Menschen und die Polizei in der Landeshauptstadt* beschäftigen, zeigte auch ein Interview, das der Grünen-Politiker Cem Özdemir mit der „Welt“ vor Ort führte. Der Bundestagsabgeordnete wollte sich persönlich ein Bild von der Zerstörung machen und sprach vor der Geschäftsstelle der baden-württembergischen Grünen mit Journalisten, als er von einem Passanten unterbrochen wurde.

Ausschreitungen in Stuttgart: Cem Özdemir beschimpft Passanten vor laufender Kamera

Während Cem Özdemir in ein Mikrofon sprach, redete ihm ein vorbeigehender Mann mit den Worten „Polizeidiktatur ist schuld“ dazwischen. Das brachte den Grünen-Politiker offenbar völlig aus der Fassung. „Halten Sie bitte die Fresse! Danke, ich red‘ grade“, beschimpfte Cem Özdemir den Passanten.

Auf Twitter löste das Interview des Grünen-Politikers mit der „Welt“ zu den Ausschreitungen in Stuttgart daraufhin einen Shitstorm aus, zeitweise war der Hashtag „Fresse“ in den Trends - neben dem Begriff „Party- und Eventsszene“, für den die Polizei im Zusammenhang mit den Ausschreitungen in Stuttgart Spott erntete.* Zwar entschuldigte sich Cem Özdemir kurz darauf für seine Wortwahl. In einem Tweet nahm er es selbst mit Humor und schrieb „Immerhin habe ich ‚bitte‘ gesagt.“ Auch die Satire-Sendung „extra3“ nahm den gebürtigen Schwaben Cem Özdemir auf die Schippe und twitterte: „Ein höfliches ‚Hald dei Gosch!‘ wäre die angemessene Reaktion eines Schwaben gewesen“.

Nach Ausschreitungen in Stuttgart: Cem Özdemir wird wegen Ausraster Rassismus vorgeworfen

Allerdings war der erste Satz von Cem Özdemir gegenüber dem aufgebrachten Passanten gar nicht der eigentliche Aufreger des Interviews. Denn das Wortgefecht geht danach noch weiter, weil sich der Unterbrecher einfach nicht beruhigen will. Anstatt sein Statement zu den Ausschreitungen in Stuttgart einfach fortzuführen, setzt der Grünen-Politiker gegenüber dem unhöflichen Passanten nach: „Wir sind hier in Deutschland. Ich rede gerade. Bitte Maul halten.“

Die Twitter-Gemeinde wirft Cem Özdemir wegen der Aussage „Wir sind hier in Deutschland“ im Zusammenhang mit den Ausschreitungen in Stuttgart nun Rassismus vor. Denn der Passant, der dem Grünen-Politiker dazwischengeredet hatte, sprach Deutsch mit Akzent. Eine Nutzerin auf Twitter schreibt beispielsweise: „Abgesehen von dem unterirdischen Duktus ‚Halten Sie bitte die #FRESSE‘ klingt das ‚Wir sind hier in Deutschland‘ gegenüber einem Mann mit Akzent für mich leider ziemlich rassistisch.“

Cem Özdemirs Interview zu den Ausschreitungen in Stuttgart sorgt für hitzige Debatten auf Twitter

Andere sehen die Beleidigung von Cem Özdemir besonders im Hinblick auf die AfD kritisch, die nach den Ausschreitungen in Stuttgart wieder politischen Aufwind erhalten dürfte. Ein Nutzer schreibt: „Das ‚Halt die #Fresse‘ von #Özdemir fand ich weniger lustig oder schlagfertig, als viel mehr plump, unangebracht und daneben. Und - wenn wir mal ehrlich sind - wäre das von einem AfDler gegenüber einem linken Demonstranten gekommen, gäbe es hier einen absoluten Shitstorm.“ Die AfD hatte die Ausschreitungen in Stuttgart für Hetze gegen Migranten* genutzt.

Besonders Ladenbesitzer haben die Ausschreitungen in Stuttgart hart getroffen. Der Besitzer eines geplünderten und zerstörten Juweliergeschäfts hat nach wie vor Angst.* Der Chef der Polizeigewerkschaft warnte in einer Facebook-Botschaft angesichts der Ausschreitungen in Stuttgart sogar vor aufkeimendem Linksterrorismus.*

*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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