Etwa 20.000 Teilnehmer

Querdenken-Demo in Berlin: Veranstalter wird angezeigt – schwere Kritik gegen Protest

Berlin – In der Hauptstadt marschieren tausende Menschen gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen – ohne Masken und Abstand. Veranstalter Querdenken muss mit einer Strafe rechnen.

  • Querdenken Demo gegen Corona in Berlin.
  • Tausende Verschwörungsmythiker*, rechte und Corona-Leugner marschieren zusammen.
  • Der Veranstalter aus Stuttgart* wird angezeigt und die Demo beendet.

Update vom 2. August: Die Querdenken-Demo in Berlin sorgt noch lange am Abend für Chaos in der Hauptstadt. Denn auch nach Abbruch der Demo durch die Polizei wollen die rund 20.000 Teilnehmer nicht gehen. Erst spät am Abend schafft es die Polizei, die Fläche vor dem Brandenburger Tor und dem Reichstag komplett zu räumen. Das Ergebnis des Tages: 133 Festnahmen und 45 verletzte Beamte! Von allen Seiten hagelt es Kritik an der Demo – auch aus der Politik.

Querdenken-Demo in Berlin: Kritik aus der Politik

Ich halte das in der derzeitigen Phase für zynisch und verantwortungslos“, sagt Landessozialminister Manfred Lucha – auch wenn das Demonstrationsrecht ein hohes Gut der Verfassung sei. Es sei vor allem schwer vermittelbar, warum man den Menschen hohe Auflagen in ihrem Alltag zumute, während in Berlin tausende Personen „ohne Abstand gegen Regeln demonstrieren“.

Auch der baden-württembergische SPD-Fraktions- und Landesparteichef Andreas Stoch äußert sich am Sonntag (2. August) zu der Querdenken-Demo. Er finde es „blamabel, wenn eine kleine, aber extrem laute Minderheit Baden-Württemberg bundesweit wie ein Narrenhaus wirken lässt.“ Seine Bundesparteivorsitzende Saskia Esken schreibt über Twitter, dass die Demonstranten die Gesundheit aller und die Erfolge gegen die Pandemie und für die Belebung von Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft riskieren.

Querdenken-Demo in Berlin abgebrochen – Anziege gegen Veranstalter

Erstmeldung vom 1. August: In den letzten Monaten sind die Schreie von Verschwörungsmythikern und Corona-Leugnern immer lauter geworden. Die Gruppe Querdenken 711 aus Stuttgart hat es sich zum Ziel gemacht, all diese Menschen zusammenzubringen, um ihre Ziele zu erreichen. Bei den von ihnen veranstalteten Demos stehen daher Mythiker, Impfgegner, Alternative, Menschen mit Migrationshintergrund und Personen mit rechter Gesinnung Seite an Seite. Der Feind dabei: das ihrer Meinung nach nicht existente Virus, die Bundesregierung, Bill Gates oder die Satanisten. Jeder findet auf den Demos den Sündenbock seiner Wahl – Fakten jedoch eher selten! Über die Demonstration berichtet HEIDELBERG24.de.

Berlin: Querdenken Demo wird abgebrochen – Veranstalter bekommt Anzeige

Für Samstag (1. August) hat Querdenken 711 aus Stuttgart zu einer erneuten Demonstration aufgerufen – und zwar in Berlin. Unter dem Motto „Das Ende der Pandemie - Der Tag der Freiheit“, wobei es sich übrigens auch um einen Filmtitel der Nazi-Regisseurin Leni Riefenstahl handelt, kommen etwa 17.000 Menschen zusammen, wie die Polizei Berlin über Twitter mitteilt. Von der Straße „Unter den Linden" ziehen die Teilnehmer zum Brandenburger Tor, wo es eine Kundgebung geben soll.

Doch wie erwartet bei einer Anti-Corona-Demo tragen die meisten Teilnehmer keinen Mund-Nasen-Schutz oder halten sich an die vorgegebenen Hygiene- und Abstandsregeln. Trotz Aufforderung von Polizei und der Veranstalter weigern sich die Demonstranten, die Regeln einzuhalten. Die Polizisten vor Ort nehmen zudem Verstöße auf, um sie im Nachhinein zu ahnden. Weil aber auch das nicht hilft, greift die Polizei Berlin zu einem drastischen Schritt. Der Veranstalter erhält eine Strafanzeige wegen Nichteinhaltung der Higieneregeln! Im Anschluss beendet dieser den Zug zum Brandenburger Tor.

Berlin: Querdenken Teilnehmer mit rechter Symbolik

Dort in der Nähe will eigentlich auch der selbst ernannte Reichskanzler“ Attila Hildmann* eine Rede halten. Weil aber gegen ihn ermittelt wird, darf er das nicht. Xavier Naidoo* hat sich übrigens auf Telegram* gegen eine Teilnahme an der Demo in Berlin ausgesprochen, weil er „diese Menschen aus Berlin nicht mehr voll nehmen“ könne. Er erwarte nicht, dass sie etwas ändern könnten. Wenn er Nichtmal sein Umfeld von der „Wahrheit" überzeugen könne, wie solle er es dann hunderte Kilometer weiter weg.

Die Demonstranten bezeichnen sich selbst als die Zweite Welle.

Nicht zum ersten Mal fallen viele Teilnehmer auch durch das Tragen der Flagge des Kaiserreichs oder anderen rechten Symbolen auf. Auch bei der Querdenken Demo in Mannheim* und Stuttgart konnten solche Zeichen* gesehen werden. Gepaart wird das Ganze dann noch mit Verschwörungsymthen, Hass und Antisemitismus. Auf dem Weg zum Brandenburger Tor fallen die Demonstranten damit auf, dass sie Parolen wie „Die größte Verschwörungstheorie ist die Corona-Pandemie“ oder „Wir sind die zweite Welle“ brüllen. Dazu rufen sie die mittlerweile schon zum Standard gewordenen Sprüche „Freiheit“ und „Widerstand“. HEIDELBERG24.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. (dh)

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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