Sachkundenachweis für Hunde

Baden-Württemberg plant Hundeführerschein: Heftige Änderungen für Herrchen

In Baden-Württemberg soll es künftig für Hundehalter verpflichtend sein, einen Sachkundenachweis zu erbringen. Was müssen Hundebesitzer beachten?

Baden-Württemberg möchte für die Haltung von Hunden einen Hundeführerschein in Form eines Sachkundenachweises einführen, wie echo24.de* berichtet. Neben dem Sachkundenachweis soll es laut Stuttgarter Zeitung künftig auch eine Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Versicherungspflicht für Hundehalter in Baden-Württemberg geben.

Darauf haben sich laut Informationen, die der SZ vorliegen, die Grünen und die CDU bei ihren Koalitionsverhandlungen geeinigt. Der Hundeführerschein, welcher umgangssprachlich für den Nachweis bestimmter Prüfungen steht, soll bescheinigen, dass der Halter seinen Hund im Alltag unter Kontrolle hat und dass sein Hund weder andere Menschen noch Tiere gefährdet.

Baden-Württemberg plant Hundeführerschein: Das müssen Hundebesitzer wissen

Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen zum 1. Juli 2013 die Pflicht eingeführt, als Hundehalter einen Hundeführerschein zu besitzen. In Hamburg und Berlin gibt es einen solchen Hundeführerschein ebenfalls. In Berlin gilt für alle Besitzer im gesamten Stadtgebiet eine Leinenpflicht, wenn kein Hundeführerschein vorgewiesen werden kann - genauso ist es überall in Hamburg. Die Leinenpflicht entfällt, sobald ein Sachkundenachweis vorhanden ist. In Berlin droht allen, die ohne Hundeführerschein mit ihrem Hund ohne Leine unterwegs sind, ein Bußgeld von bis zu 25 Euro.

Der Hundeführerschein besteht in der Regel aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. In Berlin kostet der Hundeführerschein bis zu 110 Euro. Gemacht werden kann der Führerschein bei Tierärzten oder Hundetrainern sowie verschiedenen Verbänden und Vereinen. Der theoretische Teil kann entweder schriftlich oder online ausgefüllt werden – allerdings nur vor Ort in einer Prüfungsstelle und nicht zu Hause. Auch bw24.de* berichtet über den geplanten Hundeführerschein in Baden-Württemberg*.

Baden-Württemberg: Was ein Hundeführerschein ist und wie man ihn erhält

Tierschutzorganisationen wie PETA fordern schon länger eine bundesweite Einführung des Hundeführerscheins*. Da es allerdings bislang keine bundesweit einheitlichen Richtlinien gibt, legen Vereine und Verbände die Prüfungsinhalte individuell fest. Bei dem Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) besteht der Hundeführerschein aus den drei Punkten Sachkunde des Hundehalters, Grundgehorsam des Hundes und Sozialverträglichkeit.

Die theoretische Prüfung, der Sachkundenachweis, besteht in Berlin aus 30 Multiple-Choice-Fragen – beispielsweise über geltende Gesetze, welche die Hundehaltung betreffen, über die Gesundheit* oder das Lern- sowie Sozialverhalten von Hunden. Auch dem Halter schadet es nicht, über bestimmte Regen Bescheid zu wissen. In Heilbronn beispielsweise müssen Hundehalter, die den Kot ihres Vierbeiners nicht aufsammeln*, sogar doppelt so tief in die Tasche greifen und bis zu 140 Euro Strafe zahlen.

Bei der praktischen Prüfung, die auch als „Gehorsamkeitsprüfung“ bezeichnet wird, ist auch der Hund gefragt: Der Hund muss beweisen, dass er in typischen Alltagssituationen ruhig bleiben kann und der Mensch ihn entsprechend unter Kontrolle hat. Grundkommandos wie „Sitz“, „Platz“ und „Bleib“ gehören auch dazu. Das bedeutet: Wer den Hundeführerschein ablegt, sollte seinen Hund schon etwas besser kennen und eventuell auch eine Hundeschule besucht haben.

Neben dem Gefühl von Sicherheit, den richtigen Umgang mit seinem Hund gewährleisten und in Gefahrensituationen angemessen reagieren* zu können, gibt es noch einen weiteren Vorteil: In manchen Bundesländern ist es möglich, sich mit dem Besitz eines Hundeführerscheins für einen bestimmten Zeitraum von der Hundesteuer befreien zu lassen. In München sogar für ein komplettes Jahr, in anderen Gemeinden gibt es immerhin bis zu 50 Prozent Ermäßigung. Details rund um den geplanten Hundeführerschein beziehungsweise Sachkundenachweis in Baden-Württemberg sind noch nicht bekannt.

Was ist der Unterschied zwischen einem Sachkundenachweis und einem Hundeführerschein?

„Auch, wenn die Prüfung sehr ähnlich ist, ist der Hunde­führer­schein vom Sachkundenachweis abzu­grenzen“, stellt Jörg Bartscherer, Geschäfts­führer des VDH, gegenüber der Allianz Versicherung klar. Der Hundeführerschein ist in keinem Bundesland ver­pflich­tend. In manchen Bundesländern besteht aber die Pflicht, einen Sach­kunde­nachweis zu erbringen. Je nach Hundegesetz und Prüfung wird der Hunde­führer­schein als solcher Nachweis anerkannt.

In Nordrhein-Westfalen müssen Hundehalter einen Sachkundenachweis für „gefährliche Hunde“, Hunde bestimmter Rassen und große Hunde (schwerer als 20 Kilo oder größer als Schulterhöhe 40 Zentimeter) absolvieren. Auch in Schleswig-Holstein ist ein Sachkundenachweis notwendig, „zum Führen eines als gefährlich eingestuften Hundes“. In Bayern und Berlin muss für die Haltung eines „Listenhundes“ ein Sachkundenachweis vorliegen. Hamburg und Berlin verlangen diesen generell für die Befreiung von der Leinenpflicht. Andere Länder wenden sich aktuell jedoch von genau dieser Regelung ab: Spanien plant die Abschaffung der Kampfhunde-Liste*. Ob ein Hund potenziell gefährlich ist, soll künftig sein Verhalten und nicht mehr seine Rasse entscheiden.

Übrigens: Wenn Sie mit Ihrem Hund ins Ausland reisen wollen, sollten Sie sich unbedingt vorab über geltende Regeln in Ihrem Urlaubsziel informieren. Denn in anderen Ländern gibt es teilweise strengere Bestimmungen, wie etwa in der Schweiz – dort ist ein Hundeführerschein für alle Hundehalter Pflicht. In Österreich und Frankreich hängt es von der Rasse ab, ob ihr einen Sachkundenachweis benötigt oder nicht. *echo24.de ,costanachrichten.com und bw24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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