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Neuer Kia EV6 GT – erste Mitfahrt im koreanischen Elektro-Monster

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Von: Rudolf Bögel

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Kia EV6 GT silbern Front
Ein echter Kurvenräuber ist der Kia EV6 GT dank Allradantrieb und elektronischem Sperrdifferenzial. © www.weigl.biz / Kia

Mit dem GT-Modell des Stromers EV6 bringt Kia sein stärkstes Serienauto auf den Markt. 585 PS und 740 Nm Drehmoment – schon die Mitfahrt ist ein Erlebnis.

So scharf, dass man ihn (noch) nicht selbst fahren darf. Da steht er nun, der neue Kia EV6 GT. Er ist das stärkste Serienmodell der Koreaner und bringt 585 PS auf die Straße. Vor uns steht ein Prototyp dieser Gattung. Er unterscheidet sich nur marginal vom „normalen“ EV6*. Senkrechte Linienführung bei den vorderen Schürzen, gelbe Bremssättel, 21 Zoll große Räder und ein angedeuteter Diffusor am Heck. Man fühlt sich wie beim Bilderrätsel „Original und Fälschung – finden Sie die fünf Fehler!“ Dass es kaum Unterschied gibt – macht nichts, denn der EV6 sieht auch so schon ziemlich gut uns sportlich aus. Da muss das Spitzenmodell optisch nichts mehr draufsetzen – das tut es schon bei Motor und Antrieb und zwar ziemlich gewaltig.

Kia Heck
Bumerang-Heckleuchten und gelbe Bremssättel machen den Kia EV6 GT zu einem charakeristischem Auto..jpg © www.weigl.biz / Kia

Auf Knopfdruck ein Power-Monster

Vielleicht liegt es daran, dass noch nicht alles final abgestimmt oder homologiert ist – jedenfalls dürfen wir im Prototypen nur auf dem Beifahrer-Sitz Platz nehmen. Auch hier macht Gelb den Unterschied, zum Beispiel bei den Kontrastnähten. Und die Sportsitze finden sich so ebenfalls in keinem anderen EV6-Modell. Dass sie durchaus Sinn machen, stellen wir bei der rasanten Fahrt anschließend über die Autobahn bei Frankfurt fest. Kleines Detail – große Wirkung. Am Lenkrad sitzt ein gelber Knopf, den man nur drücken sollte, wenn man freie Bahn hat. Er stellt alle Regelsysteme auf scharf und macht aus dem normalen EV6 ein Power-Monster.

Kia EV6 GT Cockpit
Das GT-Cockpit sieht dem Armaturenbrett des herkömmlichen EV6 ziemlich ähnlich. Mit einer Ausnahme © www.weigl.biz / Kia

3,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100

Dass der GT ein besonderes Elektroauto ist, das auch dem Porsche Taycan Turbo S gefährlich werden kann, verdankt der Kia seinem technischen Vater. Albert Biermann setzte schon bei BMW M dynamische Akzente und war dann bei der Hyundai Motor Group, zu der auch Kia gehört, als erster Nicht-Koreaner Chef der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Unter seiner Ägide entstand die Elektro-Plattform E-GMP auf der neben dem EV6 oder der Ioniq5 von Hyundai steht. Und natürlich jetzt auch der GT. Offiziell wird er als „vollelektrisches Hochleistungs-Crossover für die neue Ära nachhaltiger Mobilität“ bezeichnet.

In Wirklichkeit ist der GT ein Viech im Blechkleid. Im Vergleich zum bisher leistungsstärksten EV6, der in der Tat eine Kreuzung aus Limousine, SUV und Coupé ist, bringt er 250 PS mehr auf die Straße. 585 (oder 430 kW) sind es, um genau zu sein. Losgetreten werden sie von zwei Permanent-Magnet-Synchronmaschinen. Die kleinere (218 PS) sitzt vorne, die größere (367 PS) hinten. Damit lässt sich der Allradantrieb fein dosieren, je nach Anforderung der Straße oder nach Lust und Laune des Fahrers. Das Drehmoment liegt bei 740 Newtonmetern – und damit im Bereich einer Rakete beim Startvorgang (3,5 Sekunden von 0 auf 100).

Kia EV6 GT GT-Taste gelb
Diese gelbe Taste direkt am Lenkrad gibt es nur bei der GT-Version des Kia EV6. Hiermit werden alle Regelsysteme scharf gestellt. © www.weigl.biz / Kia

Entspannung bis der gelbe Knopf gedrückt wird

Jetzt könnte man vortrefflich darüber sinnieren, ob es Sinn ergibt, grundsätzlich auf effektivere Antriebe wie Stromer umzustellen und gleichzeitig die Motor-Power unendlich nach oben zu schrauben. Denn auch hier gilt: Mehr Leistung kostet mehr Energie – und der Strom kommt halt nicht nur aus der Steckdose. Dass so ein Auto wie der Kia EV6 GT ziemlich viel Spaß macht, ist unbestritten. Nur die Frage nicht, ob ein Auto so viel Spaß machen darf in diesen Zeiten. Aber vielleicht gilt ja noch der Spruch vom „leben und leben lassen!“. Dass die GT-Version des EV6 nicht nur Spaß macht, sondern eine Mords-Gaudi ist, das können wir sogar vom Beifahrersitz aus erfühlen. Erst geht es gemächlich Richtung Autobahn – Limousinen-Gefühl pur. Leise gleitet die Landschaft vorbei. So ein Elektroauto ist eine feine Sache, auch für die Ohren. So ruhig, so entspannend. Bis der gelbe Knopf am Lenkrad ins Spiel kommt.

Kia EV6 GT silber Front Detail
An den senkrecht ausgeführten Gittern in der Frontpartie kann man den GT vom herkömmlichen Modell unterscheiden. © www.weigl.biz / Kia

Kleine Taste, große Wirkung

Sanft drückt unser Fahrer die kleine Taste – mit großer Wirkung. GT heißt, dass jetzt alle Fahrsysteme scharf gestellt werden. Das fängt bei den beiden Motoren an, die auf volle Leistung vorbereitet werden. Das machen die so genannten Inverter (von Kia selbst entwickelt) in der Hochleistungselektronik. Sie wandeln nicht nur die Gleichspannung der Batterie in die vom E-Motor benötigte Wechselspannung um, sondern überwachen und regeln die Aggregate in Sachen Drehmoment und Drehzahl. Inverter müssen blitzschnell und zuverlässig reagieren, nur so sind solche Leistungsanforderung möglich. Gleichzeitig wird im GT-Modus die Lenkung direkter, das Fahrwerk steifer. Das heißt: In den Kurven werden Wankneigung und auch das Aufbäumen bei starker Beschleunigung oder das Eintauchen beim Bremsen maximal unterdrückt.

Kia EV6 GT Sportsitze
Die Sportsitze sind mit gelben Kontrastnähen ausgestattet. Es gibt sie so nur im GT-Modell des EV6. © www.weigl.biz / Kia

Mehr Traktion durch das E-Sperrdifferenzial

Und dann tut er es, der Fahrer. Voll Stoff, Vollgas, volle Spannung. Auch bei Tempo 80 macht der EV6 GT einen gewaltigen Satz nach vorne und rennt wie eine Horde Wildpferde in kürzester Zeit auf 200 km/h. Die 260 Top-Tempo erreichen wir nicht an diesem Vormittag auf der Frankfurter Autobahn, aber wir sind geneigt es zu glauben. Diese Beschleunigung fühlt sich tatsächlich wie ein Raketenstart an. Aber einer, der nicht aufhören will. Die beanspruchten Halswirbel jedenfalls haben sich bedankt. Beim Bremsen braucht die E-Rakete EV6 GT aber keinen Fallschirm, hier genügen die größeren Bremsscheiben (380 x 34 mm vorne, 360 x 20 mm hinten) vollauf. Der Kia läuft unter vollem Einsatz seiner Power auch in den Kurven wie auf Schienen. Schließlich hat er ein elektronisches Sperrdifferenzial an Bord, welches das Drehmoment automatisch an die Räder mit dem stärksten Grip schickt. Damit hat man jederzeit optimale Traktion und letztendlich auch Fahrstabilität. Dass das keine graue Theorie ist, beweist unser Testfahrer. Der plötzliche Spurwechsel bei hohem Tempo ist exakt wie ein chirurgischer Eingriff

Kia EV6 GT Strom tanken
Beim Auftanken an Schnelladesäulen ist der EV6 dank 800Volt-Technik extrem schnell. Von 10 auf 80 Prozent in 18 Minuten. © www.weigl.biz / Kia

Unser Fazit zum Kia EV6 GT

Kann denn Leistung Sünde sein? Wir meinen nein, wenn man nicht andauernd mit Vollgas durch die Gegend fährt. Aber das tut man sowieso nicht, weil ein E-Auto wie der EV6 auch so schon ziemlich viel Spaß macht. Und manchmal ist es einfach schön zu wissen, dass man kann, wenn man will. Unabhängig davon, ob man es dann wirklich tut. (Rudolf Bögel) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Technische Daten Kia EV6 GT

MotorZwei Permanent-Magnet-Synchronmaschine
Maximale Leistung Frontmotor160 KW (218 PS) bei 4.400 – 9.000 U/min
Maximale Leitung Heckmotor270 kW (367 PS) bei 6.800 – 9.400 U/min
Maximale Gesamtleistung430 kW (585 PS)
Maximales Gesamtdrehmoment740 Nm
Batterie (Nennkapazität)77,4 kWh
KraftübertragungAllrad
0-100 km/h3,5 Sekunden
Spitze260 km/h
Ladeleistung (kW)AC 2,3 bis 11,0; DC: 50,0 - 240,0 kW (Kia EV6)
LadedauerVon 10 auf 80 Prozent in 18 Min.
Reichweitebis zu 424 km (bis zu 546 in der Stadt)
Verbrauch20,6 kWh / 100 km
Länge / Breite / Höhe4,70 / 1,89 / 1,55 m
Leergewicht / Zuladung2.260 / 350 kg
Anhängelast (gebr.)1.600 kg
Kofferraum480 – 1.260 l (20 l vorne im Frunk)
Preiscirca 70.000 Euro (Elektroförderung noch nicht abgezogen)

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