Volle Power

Fahrspaß im Korea GTI - dem i30 N

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Der Korea GTI heizt Fahrern ganz schön ein. Wir haben den Test gemacht.

Für VW Golf GTI, Golf R und Mercedes AMG 35 heißt es warm anziehen: Denn mit dem Hyundai i30 N Performance kommt ein wirklich fettes Teil angeprescht. Wir haben seine Qualitäten getestet.

Bei BMW ist es das M, bei Volkswagen das R, bei Mercedes sind es mit AMG gleich drei Buchstaben - und wenn es bei Hyundai scharf wird, dann greift man nach dem N. N wie AdreNalin. In der Wikipedia wird das Hormon so beschrieben: "Einmal ins Blut ausgeschüttet, vermittelt Adrenalin eine Herzfrequenzsteigerung und einen Blutdruckanstieg. Als Stresshormon ist es an der Flucht- oder Kampfreaktion ("fight-or-flight-response") beteiligt."

Hyundai i30 N: Adrenalin pur mit 275 PS

Kann man wirklich alles bestätigen nach Testfahrten auf der Straße und auf einem abgesperrten Gelände der Bundeswehr: Adrenalin ist reichlich vorhanden, wenn man mit dem i30 N, den es jetzt auch als Fastback gibt, unterwegs ist. Fastback ist nichts anderes wie eine coupéhafte und leicht gestreckte Karosserievariante - so wie beim Mercedes CLA.

Die fast schon brachiale Power von 275 PS aus dem Turbo-Vierzylinders entwickelt sich kultiviert, zugkräftig und gibt einem immer das Gefühl noch das ein oder andere Pferdchen im Stall zu haben. Als Reserve. Das maximale Drehmoment von 353 Nm legt schon relativ früh los - ab 1450 U/min (bis 1700). Und bei Tempo 100 ist man nach 6,2 Sekunden. Stark!

Noch cooler aber sind die straffe und saubere Abstimmung des Fahrwerks und vor allem die Traktion. Selbst bei feuchtem Straßenbelag läuft der i30 N sauber wie auf Schienen. Man hat keine einzige Sekunde Angst, dass einem das Auto wegrutscht.

Der Frontantrieb hat jederzeit Bodenhaftung, selbst kleine Asphaltverwerfungen in den Kurven bringen den Koreaner nicht aus dem Konzept. Hier hilft auch die elektronisch geregelte Differenzialsperre. Und auch die Lenkung ist so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk.

Ebenfalls schön: Bei vielen anderen Herstellern ist das Schaltgetriebe in dieser Leistungsstufe schon längst herausgefallen. Beim Kurvenräuber von Hyundai darf man noch selbst ran. Nur ein kleiner Kritikpunkt: Exakt sind die Schaltwege schon, aber sie hätten noch kürzer und knackiger ausfallen können.

Von Limousine bis Power-Ranger: Hyundai i30 N bietet alle Facetten

Insgesamt fünf Fahrprogramme stehen dem technikbegeisterten Fahrzeuglenker zur Verfügung. Eco, Normal und Sport. Das kennt man ja. Zusätzlich bietet Hyundai hier aber noch den scharfen N-Modus an. Wer sich partout alles selber konfigurieren will, der drückt die Custom-Taste. Einstellen kann man hier ziemlich viel: Vom Fahrwerk, das mit adaptiven Dämpfern ausgestattet ist, über Gasansprech- und Lenkverhalten, bis hin zum Sound des Auspuffs.

Beim Kurvenräuber von Hyundai dürfen Fahrer dank Schaltgetriebe noch selbst ran.

Der ist beim i30 N ziemlich kernig geworden, hier arbeitet man mit einer Klappenanlage. Wer der Nachbarschaft nicht auf die Nerven gehen will, schaltet einfach ab. Fast schon einzigartig sind die (natürlich) gesteuerten Fehlzündungen. Beim Hochschalten haben das ja viele Hersteller, aber der Korea-GTI produziert sie sogar beim Runterschalten.

Dabei klingt er nie krawallig. Insofern ist der kompakte Power-Ranger auch gut für den Alltagsbetrieb geeignet. Im Normal-Mode oder sogar in Eco lässt sich der i30 N so bequem wie eine Limousine steuern. Dabei genehmigt sich der aufgemotzte Koreaner natürlich den ein oder anderen Extra-Schluck Superbenzin. Mit 7,8 Litern, wie angegeben, kommt man jedenfalls nicht hin.

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So macht sich der Hyundai i30 N im Vergleich zur Konkurrenz

Insgesamt betrachtet steht der i30 N m Vergleich zur Konkurrenz gut da. Nehmen wir zum Beispiel den Golf GTI Performance, der mit seinen 245 PS und der Fahrleistung von 6,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100 in der gleichen Liga spielt. Allerdings liegt er mit einem Startpreis von 34.895 Euro schon knapp 1.200 Euro über dem Hyundai. Mit entsprechender Ausstattung dürfte der Volkswagen preislich noch weiter davon preschen.

Schaut man zur (Leistungs-)Spitze im sportlichen Kompaktwagen-Segment, landet man beim Golf R, der aber schon 45.300 Euro kostet. Damit bekommt man 25 PS mehr wie beim i30 N. Bei den Fahrleistungen muss sich der Koreaner allerdings klar geschlagen geben. Der Golf im Schafspelz spurtet in 4,7 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer.

Der Hyundai i30 N bietet der Konkurrenz durchaus die Stirn.

Greift man zu den Sternen, muss man beim Vergleich auch den AMG 35 heranziehen. Der hat noch sechs PS mehr als der Golf R, das gleiche Drehmoment wie der Golf (400 Nm) und ähnliche Spurteigenschaften von 0 auf Tempo 100. Allerdings kostet der AMG schon in der Grundversion 47.706 Euro.

Wer auf PS und einen noch kräftigeren Antritt steht - da muss der Koreaner deutlich zurückstecken. Bei den Fahreigenschaften und beim Sound liegt man jedoch auf Augenhöhe. Auch im Vergleich mit den etwas höheren und klangvolleren Hersteller-Etagen. Wer jedoch einen spritzigen Kompakten sucht, den man sich auch leisten kann, ist beim i30 N genau richtig. So viel Sportauto gibt es kaum für einen Grundpreis ab 33.700 Euro.

Schlussfazit zum Hyundai i30 N

Mit dem i30N haben die Koreaner damit auch emotional zur Konkurrenz aufgeschlossen. Technologisch sind sie ohnehin auf der Höhe der Zeit. Mit ihren Hybridmodellen und mit zwei E-Modellen, dem Ioniq und dem Kona, sowieso. Aber auch bei der Brennstoffzelle hat Hyundai mit dem Nexo die Nase vorn. Da ist man schon in der Serienproduktion und hat sich ehrgeizige Ziele gesteckt. Bis 2030 sollen rund 700.000 Autos mit Wasserstoffantrieb auf den Straßen dieser Welt unterwegs sein. Respekt, das ist echter Klimaschutz, made in Korea.

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Rudolf Bögel

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