Fahrbericht

Knuffig und kultig: Das bietet der Honda e

Mit großer Spannung wartete Autor Rudolf Bögel schon seit knapp drei Jahren auf die Fahrpräsentation des Honda e. Der erste Kontakt mit dem damals noch als Urban EV bezeichneten Konzeptfahrzeug war auf der IAA 2017.
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Mit großer Spannung wartete Autor Rudolf Bögel schon seit knapp drei Jahren auf die Fahrpräsentation des Honda e. Der erste Kontakt mit dem damals noch als Urban EV bezeichneten Konzeptfahrzeug war auf der IAA 2017.

Fetter Kinosound, Riesen-Bildschirme, Kameraspiegel und coole Lounge-Atmosphäre – der neue Honda e dürfte das derzeit modernste und kultigste Elektroauto auf dem Markt sein. Wir haben ausgiebig getestet, was der kleine Japaner so alles draufhat.

  • Der Honda e besticht mit knuffiger Manga-Optik und einer umfangreichen Ausstattung.
  • Die Reichweite fällt etwas gering aus, aber aus einem bestimmten Grund.
  • Wir sind den Honda e bereits Probe gefahren.

Honda e mit Manga-Optik

Wer Manga mag, der mag auch das Honda-Design. Angelehnt an den Stil der japanischen Kult-Comics sticht der Honda e mit seinen rundlichen Scheinwerfern und Heckleuchten aus der Masse heraus. Und das soll er auch. Denn das Auto ist die Speerspitze der japanischen Elektro-Pläne. Auf der Frankfurter IAA 2017 wurde er noch als Urban EV vorgestellt und begeisterte mit seinem frischen, knuffigen und freundlichen Design. Kaum einer konnte sich vorstellen, dass das Auto so auf den Markt kommt. Aber Honda hat ernst gemacht. Ab dem Frühsommer ist das mit einer Reichweite von 222 Kilometern ausgestattete und im Vergleich zur Studie nur marginal veränderte Elektroauto auch auf Deutschlands Straßen unterwegs.

Wer Biene Maya liebt, der mag auch den neuen Honda e. Die Optik des Japan-Stromers orientiert sich am japanischen Comicstil.

Warum die geringe Reichweite beim Honda e?

Dass der Honda e nicht mit einem größeren Akku ausgestattet wurde begründen die Techniker damit, dass der Durchschnittskunde ohnehin nicht mehr als 40 Kilometer täglich fahren würde. Außerdem gilt: Größere Batterien brauchen mehr Platz - und hätten das Kleinwagen-Konzept gesprengt. An Leistung mangelt es dem Viersitzer bestimmt nicht. Das Basismodell (33.850 Euro ohne Förderung) bietet 136 PS, der besser ausgestattet e Advance (36.850 Euro) powert mit 154 PS.

Druckvoll und mit einem satten Drehmoment von 315 Nm zieht der Elektro-Japaner ab. Dabei fühlt man sich wie in einem Sportwagen. Heckantrieb, tiefer Schwerpunkt und die ideale Gewichtsverteilung von 50:50 verleiten zum reichweitenfeindlichen Fahren auf der Landstraße.

Giftig wie eine gelbe Viper fährt sich der Honda e im Sportmodus. Heckantrieb - addiert man noch die ideale Gewichtsverteilung von 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse dazu, ergibt sich maximaler Fahrspaß.

Unterstützt wird der Spaß noch von einer Lenkung mit variabler Übersetzung. In drei Umdrehungen kommt man von Anschlag zu Anschlag, der Wendekreis liegt bei 8,6 Metern und damit auf der Höhe des Smart forfour. Besonders witzig fährt sich der Viertürer übrigens, wenn man mit der One-Pedal-Driving unterwegs ist. Also der höchsten Rekuperationsstufe, mit der man das Auto auch zum kompletten Stillstand bringen kann. Eine vorausschauende Fahrweise vorausgesetzt kann man nur mit der Bedienung des Gaspedals und ganz ohne Bremsen durch die Kurven jagen. Ein ungewöhnliches Fahrgefühl. Das wiederum Reichweite spart.

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Verbrauch und Tanken: Wie läuft das beim Honda e?

Apropos Verbrauch: Der lag bei unseren Testfahrten zwischen 17,7 und 21,7 kWh auf 100 Kilometern. Das ist schon recht viel, das Auto war aber mit drei Passagieren und Gepäck ordentlich bestückt. Aufgeladen wird der Honda an einer schnellen öffentlichen DC-Säule in 30 Minuten (bis zu 80 Prozent), an der heimischen 7,4 kW-Wallbox in 4,1 Stunden. Wer nur eine normale Steckdose zur Verfügung hat, braucht Geduld: Dann sind es knapp 19 Stunden.

Der Tank- respektive Ladestutzen befindet sich mitten auf der Motorhaube. Die Honda-Designer haben das bewusst so gemacht. Elektro macht den Unterschied. Auch vom Design her.

Großes Kino: Der Honda e trumpft auf

Beim Aufladen kann man sich die Wartezeit auch gut im Inneren des Autos vertreiben. Denn wer auf pralles digitales Innenleben steht, dessen Herz wird der Honda e sofort erobern. Schon beim Bildschirm sprengt der Kleine alles bisher da Dagewesene im Kleinwagen-Segment. Was heißt hier Bildschirm? Das komplette Cockpit besteht von links bis rechts aus verschiedenen Displays, so dass man das Gefühl hat in einem Breitleinwandkino zu sitzen.

Charme der Gegensätze: Digitale Displays über die komplette Frontseite kontrastieren die Holz-Optik, die das Armaturenbrett von unten her optisch abschließt.

Auf jeder Seite, ganz außen, läuft ein spezielles Übertragungsprogramm. Genau wie der Audi etron hat der Honda e nämlich nur noch Kameras. Und keine Seitenspiegel mehr. Besser ist das System auch noch. Denn im Gegensatz zu den Ingolstädtern haben die Japaner die beiden Bildschirme nicht in den Seitenflügeln der Türen untergebracht, sondern vorne. So gelingt die Umstellung auf die digitalen Spiegel beim Fahren sofort, zumal der tote Winkel durch die spezielle Kameratechnik um 50 Prozent reduziert wird. Im Gegensatz zum Audi kostet diese Technik aber nicht das stattliche Extrasümmchen von rund 1.500 Euro, sondern ist schon in der Serie dabei.

Auch der Blick nach hinten ist künstlich. Fällt aber zunächst gar nicht auf, weil der Bildschirm wie ein Spiegel geformt ist und auch dort zu finden ist, wo er hingehört. Spätestens aber dann, wenn man die Mitreisenden hinten vergeblich sucht, kommt man darauf, dass das Bild von der Kamera im Heck geliefert wird und nicht echt ist. Wer Blickkontakt mit der Hinterbank sucht, der kann den Rückspiegel auch konventionell verwenden.

Kamera statt Rückspiegel: Im Gegensatz zum Audi etron, der auf die gleiche Technik setzt, haben die japanischen Entwickler die dazu gehörigen Bildschirme nicht in den Türen platziert, sondern an den äußeren Enden des Cockpits.

Neben den zwei Seitenspiegel-Displays gibt es im Front-Cockpit drei weitere Bildschirme. Einen hinter dem Lenkrad (8,8 Zoll) mit den üblichen Informationen wie Geschwindigkeit oder Reichweite. Daneben noch zwei weitere (je 12,3 Zoll), die man individuell bestücken kann. Sei es mit der Navigation, der aktuellen Playlist oder man taucht in die Tiefen des Bordcomputers ab. Der Clou dabei ist, dass Fahrer und Beifahrer die Displays tauschen können. So kann man das Navi einfach rüberschieben, wenn man konzentriert fahren will, der Beifahrer kann sich dann um die Zieleingabe kümmern. Nur wichtige Fahrzeugeinstellungen bleiben aus Sicherheitsgründen auf der Fahrerseite.

Wie in einem heimischen leicht ausgebeulten Sofa fühlt man sich auf der Rückbank des Honda e. Richtig gemütlich, auch Menschen mit einer Körpergröße von über 1,80 Meter werden hier zu Couch-Potatoes.

Das ist schon großes Kino. Aber wird sogar noch getoppt, durch das bordeigene Kino. Über einen HDMI-Anschluss kann man hier entweder seine Spielekonsole andocken oder sogar ganze Filme sehen. Lässig lümmelt man in den loungeartigen Sitzen und lässt sich satt orchestriert vom 376-Watt-Soundsystem mit den acht Lautsprechern berieseln. Das ist Autokino - aber im und nicht vor dem Auto.

Kein leeres Versprechen: Lounge-Atmosphäre hatten die Japaner für den Honda e angekündigt. Es stimmt: Holz-Applikationen und Wohlfühl-Stoffe erzeugen eine angenehme Wohnzimmer-Stimmung.

Und noch ein Gustostückerl haben die Techniker von Honda parat: Eine wirklich voll automatische Einparkfunktion. Ohne dass man lenken oder bremsen muss, fährt der Elektroflitzer klaglos in jede Lücke, die er vorher mit seinen Kameras ausgespäht hat. Nur beim Ausparken macht er Zicken. Wenn ihm die Aufgabe zu einfach erscheint, also wenn man nur gerade ausfahren muss zum Beispiel, dann weigert sich der Honda. Dann muss der Mensch selbst ran.

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Top-Ausstattung beim Honda e

Unnötig zu erwähnen, dass der Elektro-Zwerg auch sonst digital voll auf der Höhe der Zeit ist. Der Sprachassistent schaltet sich auf das Kommando "Ok, Honda" an und bietet mehr oder minder das, was die Konkurrenz auch kann. Inklusive sprachlicher Missverständnisse. Aber das italienische Restaurant ganz in der Nähe mit kostenlosem Parkplatz und freiem W-Lan hat er auf Anhieb gefunden. Die Suchfunktion ist selbstverständlich in Echtzeit. Und natürlich verfügt der Honda e über jede Menge nützlicher Apps. Vom digitalen Schlüssel, den man weitergeben kann bis hin zur Fernsteuerung der Klimaanlage. Noch ein Wort zu den Ausstattungen. In der Basis-Variante gibt es schon die kamerabasierten Rückspiegel, Rückfahrkamera und Multifunktionsdisplay. Bei der Version "Advance" kommen noch Features wie Tot-Winkel-Assistent, Park-Pilot, 376-Watt-Audisystem und 17-Zoll-Felgen dazu. Eine Investition von 3.000 Euro, aber eine, die sich rentiert.

Versenkbare Türgriffe sind üblicherweise ein besonders feines Ausstattungsdetail, das man nur in der Premium-Klasse bekommt. Oder beim neuen Honda e.

Unser Fazit zum Honda e

Der Honda e mag zwar mit einem Einstandspreis von 33.850 Euro (ohne Förderung) teuer sein, was der kleine Japaner jedoch an digitaler Technik bietet sucht seinesgleichen auf dem Markt. Mal sehen, ob die 2.000 Exemplare, die für Deutschland heuer vorgesehen sind, auch ausreichen.

Datenblatt zum Honda e Advance

Länge/Breite/Höhe:

3,90/1,75/1,51 m

Wendekreis:

9,2 m

Leergewicht:

ca. 1500 kg

Kofferraum:

171 bis 857 l

Leistung:

154 PS

Drehmoment:

315 Nm

Antrieb:

Heck

0 – 100 km/h:

8,3 s

Top-Tempo:

145 km/h

Batterie:

35,5 kWh

Reichweite:

222 km

Normverbrauch:

18 – 20 kWh / 100 km

CO2-Ausstoß

0

Abgasnorm:

entfällt

Preis:

ab 36.850 Euro (ohne Umweltbonus)

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Rudolf Bögel

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