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Der tschechische Kulturminister Daniel Herman (Mitte l-r), der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, begrüßen am Sonntag auf dem 67. Sudetendeutschen Tag in Nürnberg Trachtengruppen und Fahnenabordnungen.

Minister Daniel Herman

Tschechischer Politiker erstmals beim Sudetendeutschen Tag

München - Zum ersten Mal ist ein Mitglied der tschechischen Regierung zum Jahrestreffen der Sudetendeutschen gekommen.

Tschechiens Kulturminister Daniel Herman hat als erster offizieller Vertreter seiner Regierung bei einem Sudetendeutschen Tag für ein größeres Miteinander in Europa geworben. „Es ist eine Zukunftsangst in unsere Gesellschaft eingekehrt“, sagte Herman am Sonntag in Nürnberg. An der Schwelle Europas stünden auch Menschen, die die gemeinsamen europäischen Werte nicht teilten. „Wir müssen versuchen, stetig an unserem gemeinsamen europäischen Haus weiterzubauen. Wir müssen bereit sein, es gegen jeden zu verteidigen, der erneut versucht, Angst und Hass zu säen“, forderte Herman in seiner auf Deutsch gehaltenen Rede.

Die Besuchspremiere beim traditionellen Pfingstreffen der Sudetendeutschen wertete Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer als „historisch“. Ein solcher Besuch sei noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen, betonte der CSU-Vorsitzende. „Das ist eine Sternstunde in den bayerisch-tschechischen Beziehungen.“

In seiner Rede forderte Seehofer mehr Austausch zum Erhalt der europäischen Idee. „Wenn es um das friedliche Zusammenleben der Menschen geht, gibt es zum Dialog keine Alternative“, sagte der CSU-Vorsitzende am Pfingstsonntag in Nürnberg. Europa stecke derzeit wegen der Flüchtlingskrise in einer großen Vertrauenskrise. „Deshalb bin ich für Klartext und einen klaren Kompass bei der Zuwanderung“, betonte Seehofer.

Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt (CSU), rief zu einem größeren Miteinander auf. „Dieses Europa ist zutiefst gefährdet durch Nationalismus und Renationalisierung“, betonte er. Gerade deshalb müssten sich die überzeugten Europäer in allen Ländern zusammentun. „Wir Sudetendeutsche haben dabei eine ganz besondere Brückenfunktion“, rief er den Teilnehmern auf dem Pfingsttreffen zu.

Der Freistaat Bayern hat seit 1954 die Schirmherrschaft über die Sudetendeutschen übernommen. Als Sudetendeutsche bezeichnen sich die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund der umstrittenen Benes-Dekrete aus der damaligen Tschechoslowakei vertriebenen und enteigneten Deutschen. Viele von ihnen kamen nach Bayern. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft gilt als einer der einflussreichsten Vertriebenenverbände.

dpa

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