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Blick auf das teilweise zerstörte Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen im nordafghanischen Kundus. Foto: Ärzte ohne Grenzen

Tote in Klinik nach US-Luftangriff in Kundus

Seit die Taliban am Montag Kundus eroberten, versuchen afghanische Regierungstruppen mit Hilfe der Nato, die Stadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bekommen. Jetzt trafen US-Truppen vermutlich eine Klinik.

Kabul (dpa) - Bei einem Bombenangriff im nordafghanischen Kundus sind in einem Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen am Samstag mindestens drei Klinikmitarbeiter getötet worden.

Mehr als 30 Menschen würden vermisst, teilte die Organisation am frühen Morgen im Internet weiter mit. Der Sprecher der Nato-Mission in Afghanistan, Sernando Estreooa, erklärte dazu: "Die US-Streitkräfte haben am 3. Oktober um 2.15 Uhr Ortszeit einen Luftangriff nahe der Einrichtung durchgeführt, wo einzelne Personen die Truppen bedrohten." Dabei sei womöglich eine nahe gelegene Klinik beschädigt worden. Der Vorfall werde untersucht.

Das Krankenhaus wurde bei den nächtlichen Explosionen nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen sehr stark beschädigt. Der Leiter der Organisation vor Ort, Bart Janssens, erklärte, es lägen noch keine abschließenden Angaben über die Zahl der Opfer vor. Die Organisation veröffentlichte Bilder von der in Flammen stehenden Klinik und den massiven Schäden an dem Gebäude.

"Wir sind über den Angriff, das Töten von Mitarbeitern und Patienten und die schweren Auswirkungen auf die Gesundheitsfürsorge in Kundus zutiefst schockiert", sagte Janssens. Er forderte alle Konfliktparteien auf, die Sicherheit von Gesundheitseinrichtungen und deren Personal zu respektieren.

Seit dem überraschenden Taliban-Angriff am Montag sind nach Angaben der Organisation in der Klinik 394 Verletzte behandelt worden. Zum Zeitpunkt des Luftangriffs am Samstag seien 105 Patienten, Angehörige und gut 80 Mitarbeiter in dem Gebäude gewesen, erklärte Janssen. Die Klinik wird ausschließlich aus Spenden finanziert und behandelt jeden - unabhängig von Herkunft oder Religion.

Zurzeit versuchen afghanische Regierungstruppen mit Hilfe der Nato, die Stadt wieder komplett unter Kontrolle zu bekommen. "Keiner unserer Kämpfer war zum Zeitpunkt des Angriffs ein Patient der Klinik", sagte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen

Ärzte ohne Grenzen ist eine unabhängige internationale Organisation für medizinische Nothilfe. Die Organisation wurde 1971 in Frankreich unter dem Namen „Médiciens Sans Frontières (MSF)“ gegründet. Sie leistet kostenlose medizinische Hilfe in Konflikt- und Krisenregionen und ist derzeit in rund 70 Ländern der Welt aktiv. 1999 erhielt die Organisation den Friedensnobelpreis.

Beispiele für Einsatzgebiete sind Nepal nach dem schweren Erdbeben im April oder Westafrika während der Ebola-Epidemie. Die Organisation ist außerdem im Mittelmeer im Einsatz, um Flüchtlinge zu retten. Sie behandelt nach eigenen Angaben hilfsbedürftige Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Religion, politischen Gesinnung oder ihrem Geschlecht.

Private Spenden, Zuwendungen und öffentliche Mittel finanzieren die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen. 2014 lagen die Einnahmen bei 121,1 Millionen Euro.

Das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kundus

Das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in der nordafghanischen Stadt Kundus bietet nach Angaben der Organisation kostenlose chirurgische Behandlungen für Konflikt- und Unfallopfer an. Bei vielen Patienten können durch solche Eingriffe Amputationen von verletzten Gliedmaßen verhindert werden.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1980 in Afghanistan tätig. Im August 2011 wurde die Klinik in Kundus mit 55 Betten eröffnet, die zuletzt über mehr als 90 Betten verfügte. Rund 400 afghanische und zehn internationale Mitarbeiter arbeiten dort. In das Krankenhaus kommen Patienten aus allen umliegenden Provinzen. Gerade in Phasen intensiver Kämpfe ist der Weg dorthin sehr gefährlich.

Seit dem überraschenden Taliban-Angriff am Montag sind nach Angaben der Organisation in der Klinik 394 Verletzte behandelt worden. Zum Zeitpunkt des Luftangriffs am Samstag seien 105 Patienten, Angehörige und mehr als 80 internationale und einheimische Mitarbeiter in dem Gebäude gewesen. Die Klinik wird ausschließlich aus Spenden finanziert und behandelt jeden - unabhängig von Herkunft oder Religion.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt auch das Gesundheitsministerium im Ahmad-Schah-Baba-Krankenhaus im Osten Kabuls, in der Frauenklinik Dascht-e-Barchi im Westen Kabuls und im Boost-Krankenhaus in Laschkar Gah in der Provinz Helmand. In Chost im Osten des Landes betreibt Ärzte ohne Grenzen eine eigene Mutter-Kind-Klinik.

Mitteilung Ärzte ohne Grenzen, Englisch

BBC-Bericht

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