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Katka Posyzsova (r.) berichtet von dem Grauen im OEZ.

Eine Stadt im Ausnahmezustand

So erlebte Katka die Schüsse im OEZ

München - Was für eine Horror-Nacht in München. Am Abend gab es Schüsse am OEZ. Mitten drin: Katka Potyszova. Die tz sprach mit der Augenzeugin über ihre dramatischen Erlebnisse.

Am Anfang herrscht Verwirrung. Die ersten Meldungen verbreiten sich übers Internet. Kurze, oft nebulöse Meldungen machen in sozialen Netzwerken die Runde. Schlimme Meldungen. Es soll etwas passiert sein. Am OEZ wohl. Schüsse. Verletzte. Tote. Jetzt also München? Es ist Freitagabend, 18 Uhr. Die Menschen in der Stadt sind auf dem Weg in den Feierabend, sie freuen sich aufs Wochenende. Ein Gewitter liegt in der Luft. Ständig hört man Sirenen, überall Blaulicht, Einsatzwagen rauschen vorbei. Jetzt also München.

Reporter machen sich auf den Weg zum OEZ. Die U-Bahn fährt aber schon gar nicht mehr so weit. tz-Reporter Andreas Thieme steigt am Bahnhof Georg-Brauchle-Ring aus: „Wir kamen mit der letzten U-Bahn. Danach war Schluss, es fuhren keine Züge mehr.“ Es warten Polizisten dort, mit Maschinengewehren im Anschlag. Menschen hängen nervös am Telefon. Sie raufen sich die Haare, viele zittern.

Eine junge Frau wankt heran. Sie kann sich kaum auf den Beinen halten, eine andere Frau stützt sie. Katka Potyszova hat Blutspritzer auf ihrem weißen T-Shirt, auf ihrem Hals, in ihrem Gesicht. Sie hat gesehen, wie zwei Männer erschossen wurden. Sie stand direkt daneben. „Der erste Tote war bei McDonald’s“, erzählt sie. Sie steht unter Schock. Der Schuss traf einen Mann ins Kinn. Aus nächster Nähe. „Einer weiteren Person wurde in den Bauch geschossen“, sagt sie. Dann muss sie weg, sie muss ihre furchtbaren Erlebnisse der Polizei schildern.

Rudolf Lack zittern die Hände

Ein paar Meter weiter steht Rudolf Lack, mit zitternden Händen hält er sich das Handy am Kopf. Seit einer gefühlten Ewigkeit versucht er, seine Frau zu erreichen. Kurz bevor die ersten Schüsse fielen, hatte er seine Frau am OEZ abgesetzt. Sie wollte noch etwas einkaufen. Wenig später zerreißen die ersten Schüsse am McDonald’s-Restaurant gegenüber des OEZ die Luft. Lacks Frau wird zur Augenzeugin.

Auch Özlem F. war im OEZ. Sie, ihre Freundin und ihr Schwager wollen gerade ein Eis kaufen, als plötzlich ein Mann auf die Gruppe zugerannt kommt. Er schreit: „Lauft! Lauft!“. F. bleibt zuerst unschlüssig stehen, dann rennt ein zweiter Mann vorbei. „Da schießt jemand!“ Jetzt laufen auch F. und ihre Begleiter. „Ich habe vier Schüsse gehört“, sagt F. „Einige Leute haben das gar nicht gecheckt! Die haben einfach weiter eingekauft.“

Karim Farzan (25) aus Dachau war Schuhe kaufen. Er kam gerade aus dem Schuhladen, als ein mit einem Maschinengewehr bewaffneter Mann auf ihn zuläuft. Irgendjemand schreit noch, er solle sich auf den Boden legen. Aber Farzan rennt so schnell weg, wie er kann.

Bilder: Amoklauf am Münchner OEZ

Stunden später ist Rudolf Lack, der Mann der seine Gattin vermisste, ein wenig ruhiger. Inzwischen hatte er Kontakt zu seiner Frau. „Sie ist in Sicherheit, aber steht unter Schock“, erzählt er. Im OEZ hat sie zwei blutüberströmte Leichen gesehen.

In München halfen viele Menschen, indem sie ihre Wohnung als Schutzraum anboten. Damit zeigten die Münchner einmal mehr ihr großes Herz.

Hier geht es zu unserem aktuellen Live-Ticker zur Schießerei von München.

Die Ereignisse vom Freitag esen Sie in unserem Ticker nach.

tz/mm

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